| 02:51 Uhr

Dann taut der kleine Mio richtig auf

Lars Deke, der künstlerische Leiter des Stadtchores Weißwasser, übt mit den Mädchen der Pestalozzi-Grundschule Weißwasser. Sie verfügen bereits über musikalische Vorkenntnisse.
Lars Deke, der künstlerische Leiter des Stadtchores Weißwasser, übt mit den Mädchen der Pestalozzi-Grundschule Weißwasser. Sie verfügen bereits über musikalische Vorkenntnisse. FOTO: Ingolf Tschätsch
Weißwasser. Der sechsjährige Mio ist an diesem Sonntagnachmittag mit seiner Mutter Ines Bergner in den Vereinspavillon auf dem Sorauer Platz 2 gekommen. Der neue Weißwasseraner Kinderchor soll das erste Mal proben. Von INGOLF TSCHÄTSCH / igt1

Es ist sozusagen noch ein Schnuppersingen gemeinsam mit dem Stadtchor, den Eltern, Omas und Opas. Mio, der ansonsten gar nicht schüchtern und ängstlich ist, verlässt offenbar angesichts der Menschenmenge doch ein wenig der Mut. Er will nicht vorn bei den Mädchen sitzen, die zudem schon erste Vorkenntnisse besitzen. Lieber nimmt der Erstklässler mit seiner Mutter weiter hinten Platz. "Mio singt gern kräftig und laut, oft auch im Auto", erzählt Ines Bergner, Polizistin im Weißwasseraner Revier. "Wir sind eigentlich eine musikalische Familie. Zwei seiner drei Geschwister - die beiden Mädchen - spielen Akkordeon. Da haben wir gedacht, gehen wir doch heute mal zu dieser Probe, vielleicht ist der Kinderchor was für ihn. Es wäre auch ein Ausgleich zu seinem sportlichen Hobby, dem Ringen bei Grün-Weiß", so Ines Bergner. Dabei gibt sie zu, dass sie selbst mit einer Mitgliedschaft im Stadtchor liebäugelt. Ja, wenn da nur die Zeit nicht so knapp wäre …

Der Stadtchor hat zu dieser Probe eingeladen. Die Männer und Frauen mit ihrem künstlerischen Leiter Lars Deke und der Vorstandsvorsitzenden Kerstin Jebas sind auf Nachwuchssuche. Was lag da näher, bei den Jüngsten anzufangen. "Weißwasser hat keinen eigenen Kinderchor, sieht man einmal von dem bei der Musikschule ab", so Kerstin Jebas zur RUNDSCHAU. Später könnten die Kids zu den Erwachsenen wechseln. Einen Unterstützer für das begrüßenswerte Vorhaben fanden die Chorsänger in Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).

Einen kleinen Grundstock für das mögliche Gelingen des Projektes hatte Rainer Wetzorke vom Chor schon vorher gelegt. Er begeisterte Kinder aus der Pestalozzi-Grundschule in Weißwasser für die gemeinsamen Auftritte anlässlich des alljährlichen Weihnachtssingens und probte dafür mit ihnen. Dabei konnte er sich auf die vorbildliche Arbeit stützen, die an dieser Bildungseinrichtung durch Musiklehrerin Silke Brieger geleistet wird. So ist es nicht verwunderlich, dass die ganz vorn sitzenden Mädchen aus dieser Schule auch den Hauptteil der Kinder ausmachen, die den Weg an diesem Sonntag in den Vereinspavillon gefunden haben. Übrigens, auch Mio Bergner geht in die "Pestalozzi".

Bevor gemeinsam gesungen wird, informiert Kerstin Jebas die Anwesenden, dass Rainer Wetzorke mit den interessierten Mädchen und Jungen bis zu den Frühlingskonzerten des Stadtchores im Mai probt. Mit Beginn des neuen (Musik)-Schuljahres am 14. August würde dann Lars Deke diese Aufgabe übernehmen. Die Vorstandsvorsitzende verschweigt auch nicht die finanzielle Seite. So kostet eine Mitgliedschaft im Chor für Kinder fünf Euro im Monat.

Alle haben natürlich auf das Singen gewartet, das dann auch im Mittelpunkt steht. Passend zur bevorstehenden Jahreszeit hat Lars Deke vorn am Klavier zum Auftakt "Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder" ausgewählt. Andere Stücke machen die Runde. Der Stadtchor singt allein, dann wieder die Kinder, schließlich alle gemeinsam. So geht es munter weiter. Auch im Kanon tönt es durch den Pavillon. Dreiklang und Tonleitern werden geübt. Nach etwa einer Stunde haben alle im Raum das Lied "Singt, singt, singt mit uns, weil Singen Freude macht" drauf.

Mio Bergner taut zunehmend auf, singt laut mit. Dem Jungen beginnt es, Freude zu machen. Schließlich lässt er sich sogar bitten, vorn bei den großen Mädchen Platz zu nehmen. Seine Mutter könnte sich gut vorstellen, dass er im künftigen Kinderchor mit anfängt. Aber das muss der Sechsjährige selbst entscheiden. Überhaupt ist an diesem Sonntag der Anfang gemacht. Vielleicht ist Weißwasser schon in nicht allzu langer Zeit um einen Klangkörper reicher. Die Zeichen dafür stehen gut.