ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:10 Uhr

Damit könnte Weißwasser wuchern

weißwasser.. In der Geschichte der Stadt gibt es 20 oder vielleicht auch noch mehr Rekorde – welt-, europa- und landesweit. Sie bestehen noch heute oder waren nur kurzzeitig aktuell. Jedenfalls haben sie zumindest historisch eine achtenswerte Bedeutung, die man als echter Weißwasseraner durchaus wissen sollte. Ein guter Vorschlag ist es vielleicht, diese Glanzpunkte auf eine Tafel geschrieben, den Einwohnern und Besuchern der Stadt an geeigneter Stelle vorzustellen. Von lutz stucka

Unsere Stadt könnte im Rekordbuch Deutschlands, Europas und sogar im Guinness-Buch mit nachfolgenden Highlights benannt sein.
Durch die Stadt entlang der Muskauer - Bautzener Straße verläuft die europäische Hauptwasserscheide zwischen Nord- und Ostsee. Weißwasser ist wahrscheinlich die einzige europäische Stadt, die direkt auf diese Hauptwasserscheide gebaut wurde. Sie beginnt in den Alpen und endet an der dänischen Küste. Alle Gewässer westlich dieser imaginären Linie fließen über die Spree, die Havel, und die Elbe in die Nordsee, östlich dagegen über die Lausitzer Neiße und Oder in die Ostsee. Bevor der Bergbau 1860 begann, entsprang die Strugaquelle am späteren Wohnhaus Friedrich-Bodelschwingh-Straße 5 oberirdisch. Von hier floss der Bach über den Jahnteich entlang der Dörfer Schleife und Rohne, wo noch weitere Bäche hinzu kommen, bis er sich bei Neustadt in die Spree ergießt. Diese wiederum mündet in der Elbe und weiter in die Nordsee. Der Zufluss zur Ostsee entsprang an der Bahnbrücke, ehemalige Schnitterbrauerei, vereinigte sich mit der Koslanquelle in Hermannsdorf, mündete in den Braunsteich und von da aus über den Rotwasser- und Floßgraben in die Neiße. Ursprünglich lagen beide Quellen nur 200 Meter voneinander entfernt. Am 8. April 2002 wurde durch das Vattenfall Mining Bergbauunternehmen je ein Findlingsstein, einer an der Schillerbank, ein anderer an der Ecke Karl-Marx-Straße, Muskauer Straße, aufgestellt, die den Verlauf dieser Trennlinie zwischen Nord- und Ostsee markieren.
Das ehemalige Kreisgebiet Weißwasser war als das zusammenhängend waldreichste Gebiet der DDR bekannt. Dies soll sogar für ganz Deutschland zutreffend sein. Der Bergbau wird allerdings als Wiederaufforstungsfläche mit einbezogen. Der die Stadt umgebende Landgürtel besteht zu 70 Prozent aus Wald, was ihm die Bezeichnung waldreichster Kreis der DDR einbrachte. Folgender Waldanteil an der Gesamtfläche ergibt ein vergleichendes Bild. Die ehemalige DDR bestand zu 27 Prozent, der damalige Bezirk Cottbus zu 40 Prozent und der einstige Kreis Weißwasser zu 67 Prozent aus hauptsächlich Kiefernwald. Im Umkreis bis zu fünf Kilometer vom Stadtrand beträgt das Verhältnis von Waldfläche zur übrigen Fläche etwa 2:1, wobei zur übrigen Fläche Ortslagen und landwirtschaftlichen Nutzfläche gehören.
Am Rand der Stadt, um das ehemalige Jagdschloss gelegen, erstreckt sich eine weitere Einmaligkeit. Es ist der einzige Jagdpark, den der Landschaftsgestalter Fürst Pückler schuf. Dabei legte er auf die Gestaltung von etwa zehn Pirschwegen großen Wert, die so angelegt waren, dass sie in geschwungener Form sich strahlenförmig vom Schloss entfernten und auf welchem der Jagdliebhaber zum Schuss kam ohne einen Nachbarweidmann zu gefährden.
Im Naturschutzgebiet „Urwald“ , in der Nähe dieses herrschaftlichen Jagdschlosses, befindet sich ein kleiner natürlich entstandener Traubeneichenbestand. Diese bis 450 Jahre alten Bäume besitzen genetische Informationen, die in Deutschland einmalig sind. Es handelt sich dabei um Deutschlands ältesten zusammenhängenden Eichenbestand. Da das Gebiet dem Braunkohlenbergbau weichen muss, wurde entschieden diese genetischen Informationen zu erhalten. Die Sächsische Landesanstalt für Forsten ließ Sämlinge entnehmen, um sie anderswo auszupflanzen.
Erstmals in Deutschland wurden im Sommer 2001 bei einem kleinen Wolfsbestand auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser drei Welpen beobachtet. Die erfolgreiche Aufzucht von Wolfsnachwuchs in freier Wildbahn konnte im einzigen auf deutschem Boden heimisch lebenden Wolfsrudel erfolgen.
Anlässlich der Verleihung der Stadtrechte verzeichnete der Stadtchronist Heinrich Küllmann handschriftlich in seinem Chronikmanuskript: „28. August 1935 - Weißwasser, das größte Dorf Deutschlands, erhält die langersehnten Stadtrechte. . .“
Weißwasser wurde mehrmals in zeitgenössischen Veröffentlichungen als der größte glasproduzierende Ort der Welt bezeichnet. Nirgends woanders waren auf engstem Raum 40 Glasöfen in Betrieb und nirgends woanders stellte man so viel Glas her wie in Weißwasser. Anlässlich der Einweihung des Amtsgerichtsgebäudes und der gleichzeitigen Grundsteinlegung zu einem für ein Dorf überaus stattliches Rathaus wurde in den „Neueste Nachrichten“ vom 1. Oktober 1911 die Tatsache genannt, dass, „. . . die Industrie, die seit dem Bahnbau Berlin - Görlitz im Jahre 1867 einen ungeahnten Aufschwung nahm und auf dem Zweige der Glasfabrikation heute mit einer Ausfuhrziffer von gegen 20 Millionen Mark jährlich einzig in der Welt dasteht.“ Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Osram-Werkes in Weißwasser schrieb Professor G. Gehlhoff im Jahr 1924: „Weißwasser, damals ein ganz unbekanntes Fleckchen Erde, heute der in seinem Spezialartikeln größte Glasindustrieort Deutschlands, ja in der Welt, dessen Erzeugnisse überall bekannt sind.“ Die Zeitschrift der Keramischen-, Glas- und verwandten Industrie schrieb im Jahr 1924: „Weißwasser stempeln heute seine sieben Hohlglas- und zwei Tafelglashüttenwerke mit 36 zum größten Teil zehnhäfigen Oefen, und sechs Wannen zum bedeutendsten glaserzeugenden Ort der ganzen Welt.“ Ein weiterer Bericht aus dem „Wirtschaftlicher Heimatführer“ vermerkt: „Im Jahre 1927 waren in Weißwasser bereits 40 Ofenabteilungen in Betrieb, eine Zahl, die sonst an keinem Ort der Erde zu verzeichnen war“ .
Mit der Eröffnung der Werkstatt für Glasgestaltung durch Friedrich Bundtzen, Nachfolger von Professor Wilhelm Wagenfeld, wurde Weißwasser im Jahr 1950 einziges künstlerisches Zentrum der Glasindustrie der DDR. Im selben Jahr öffneten die erste und einzige Glasingenieurfachschule sowie das einzige Lehrkombinat für Glasberufe der DDR hier ihre Pforten.
Vikarin Eva Oehlke, erste Pastorin Deutschlands, lebte, arbeitete und ist bestattet in Weißwasser. Sie befasste sich erstrangig mit der Betreuung und Förderung der evangelischen Jugend in der Stadt.
Die Eishockey-Mannschaft der Stadt wurde die erfolgreichste Sportgemeinschaft dieser Art in der ehemaligen DDR. Im Winter 1950/51 erkämpfte sie erstmals den DDR-Meistertitel und wurde anschließend 15-mal in Folge Landesmeister. Für diese Mannschaft wurde am 7. November 1959 um 19 Uhr das Freiluft-Eisstadion mit dem Europa-Cup-Spiel Legia Warschau gegen Dynamo Weißwasser vor 7000 Zuschauern (4:4) eröffnet. Das Stadion galt zu dieser Zeit als das modernste und komfortabelste Freilufteisstadion Europas.
Seit dem Jahr 1895 durchquert die Muskauer Kleinbahn Weißwasser und seine Umgebung, um Wirtschaftsgüter zu transportieren. Diese 600-Millimeter-Schmalspurbahn ist heute die einzige ihrer Art in Deutschland und ein mächtiger Tourismusmagnet.

Die begeistert gepflegte Turnbewegung in Weißwasser durch den Turn- und Rettungsverein bewirkte die Anlage von Sportstätten um den heutigen Jahnteich. Am 11. August 1906, an Jahns 128. Geburtstag, erfolgte die Einweihung eines Denksteins durch Mitglieder des Sportvereins am Turnplatz an der Jahnstraße, heute Tierpark. Es ist das erste Denkmal dieser Art in Schlesien, mit dem der große Volkssportler und Turnvater geehrt wurde.
Das Denkmal der Opfer des Faschismus an der Muskauer Straße mahnt vor den Verbrechen des Nazi-Regimes und befand sich ursprünglich auf dem Marktplatz anstelle des früheren Zwei-Kaiser-Denkmals. Dieses Gedächtnismahl wurde am 22. September 1946 eingeweiht und wurde als erstes Denkmal dieser Art in der DDR in Weißwasser aufgestellt.
Im Jahre 1968 wurde vor den Toren der Stadt das Kraftwerk Boxberg in Betrieb genommen, was derzeit als das größte Braunkohlenkraftwerk Europas galt.
Die mit dem Kraftwerk Boxberg verbundene Einwohnerexplosion bewirkte den Bau der größten Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs des Bezirkes Cottbus in der Stadt.
Drei Jahre später öffnete die größte Drogerieverkaufsstelle der DDR.
Im Jahre 1942 wurde in den Räumen Görlitzer Straße 19, der Hilfsstelle „Mutter und Kind“ , die aus den beiden seit Anfang der zwanziger Jahre bestehenden Säuglingsfürsorgestellen der politischen und evangelischen Gemeinde entstand, die erste staatliche Einrichtung einer Kleinstkinderbetreuungsstelle sowie eines Kinderhortes eröffnet. Beide Einrichtungen waren die ersten in Schlesien.
Weißwasser feierte vom 7. bis 9. Juni 2002 in einer Festwoche sein 450. Jubiläum. Am 8. Juni wurde ein Weltrekordversuch der Feuerwehren gestartet. 55 Wehren mit rund 700 Kameraden aus Sachsen und Brandenburg hatten sich rund um den Jahnteich postiert und 15 Minuten lang das aus dem Teich gepumpte Wasser mittels 550 Rohren wieder zurück gespritzt. Damit konnte der Schweizer Rekord von 422 Rohren im Guinnessbuch gebrochen werden.
Acht Mitglieder des Niederschlesischen Dartklubs Weißwasser brachen am 3 .März 1996 um 9.55 Uhr den Rekord im 24-Stunden-Dauer-Dart und kamen mit ihren 2 066 635 Punkten ins Guinness-Buch der Rekorde.
Im Sommer 1960 begann der industrielle Wohnungsbaus in Großblockbauweise (Serienfertigung von Wohnhausbauteilen nach Takten) in Weißwasser. Drei Wohnblocks entstanden an der Görlitzer Straße, Luther- und Puschkinstraße. Der 1959 von der Regierung angeordnete Wohnungsneubau im Kreis Weißwasser, besonders aber in der Kreisstadt selbst, beauftragte zu Beginn die Bau-Union Hoyerswerda mit der Bauelementenlieferung aus dem Betonwerk Groß Zeißig. Zur Senkung der Baukosten wurde dabei gefordert, dass mindestens drei-, besser viergeschossige Wohnbauten entstehen und gleichzeitig eine durchschnittliche Wohnungsgröße von 55 Quadratmetern nebst unbedingter Typenanwendung erreicht werden sollte. Im Jahr 1961 entwickelten Bauingenieure der Bau Union Hoyerswerda im Betonwerk Zeißig einen neuen Baukasten-Typ Q 6. Damit war die Möglichkeit geschaffen, nach Bedarf durch einfaches Verlegen der Türen Groß- und Kleinstwohnungen wahlweise zu gestalten. Dadurch konnten bei Einhaltung der Norm von durchschnittlich 55 Quadratmeter je Wohnungseinheit auch die nach beiden Richtungen extremen Bauwünsche (dreieinhalb und eineinhalb Zimmer) erfüllt werden. Dieses Projekt stellte ein Novum im derzeitigen Bauwesen dar.