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| 14:53 Uhr

Weißwasser
„Dabei sind es doch Menschen wie wir alle!“

Auch an die Kinder ist mit Spielspaß-Stationen gedacht worden. Außerdem gab es einen Trödelmarkt und eine Tombola.
Auch an die Kinder ist mit Spielspaß-Stationen gedacht worden. Außerdem gab es einen Trödelmarkt und eine Tombola. FOTO: Ingolf Tschätsch
Weisswasser. Die Caritas Weißwasser lädt zum Tag der offenen Tür ein. Hilfsbedürftige verleben frohe Stunden. Von Ingolf Tschätsch

Das Gelände der Caritas Weißwasser an der Uhlandstraße 13 beginnt sich an diesem Sonnabend zur Mittagsstunde zusehends zu füllen. Um 12 Uhr soll der Tag der offenen Tür beginnen. Menschen, die dort regelmäßig die Tafel - sie gibt es 17 Jahren -  und den seit 23 Jahren existierenden Tagestreff besuchen, und Gäste strömen herbei. Leiterin Ursula Grus und Pfarrer Michael Noack eröffnen die Veranstaltung. Und dann gibt der seit zwei Jahren bestehende Chor der Caritas den Auftakt für ein buntes Unterhaltungsangebot. Das Oberlausitz-Lied, „Im Frühtau zu Berge“, „Wenn alle Brünnlein fließen“, „Die Heimat hat sich schön gemacht“ und anderes mehr ertönt aus den Kehlen der neun Damen.

Eine von ihnen ist Constanze Blumberg aus Sagar. Im Jahr 2011 ist sie aus dem Spremberger Raum nach Bad Muskau und dann in ihren jetzigen Heimatort gezogen, wie sie nach dem Auftritt erzählt. Ein schwieriges Stück ihrer Lebensgeschichte wird dabei deutlich, denn die Altenpflegerin wurde genau wie ihr Mann arbeitslos. So sei für sie nur Hartz IV und schließlich der Weg zur Caritas-Tafel für Bedürftige in Weißwasser geblieben, von der sie durch Hörensagen erfahren hatte. „Als ich meinen ersten Verpflegungsbeutel hier abgeholt hatte, habe ich mich irgendwie ungut gefühlt“, erinnert sie sich. Auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, sich von der Gesellschaft ausgestoßen zu fühlen, zu den Ärmsten der Armen zu gehören, das müsse man erst einmal verkraften.

Drei Jahre lang war die gelernte Altenpflegerin ständige Besucherin der Tafel. „Den Mitarbeitern der Caritas, vor allem den fleißigen ehrenamtlichen Helfern, bin ich so dankbar. Sie haben sich immer große Mühe gegeben. Das Essen war gut. Wer hier meckert, den kann ich nicht verstehen“, lobt Constanze Blumberg. Auch wenn der Tafelbesuch für sie mittlerweile Geschichte ist, führt sie der Weg regelmäßig in den Tagestreff. Sie habe nette Menschen kennengelernt, neue Kontakte geknüpft, singe im Chor mit - dieses Miteinander in der Gemeinschaft helfe ihr auch bei der Bewältigung einer langwierigen Erkrankung, erklärt sie.

Zwei der fleißigen Caritas-Heinzelmännchen an diesem Tag - die Griller vom Dienst: Jörg Taubert (vorn) und Zbigniew Wojnarowski.
Zwei der fleißigen Caritas-Heinzelmännchen an diesem Tag - die Griller vom Dienst: Jörg Taubert (vorn) und Zbigniew Wojnarowski. FOTO: Ingolf Tschätsch

Der Tagestreff, der bis zu 400 Besucher in der Woche zählt und jeweils von 9 bis 15 Uhr geöffnet ist, stehe allen offen, betont Ursula Grus. „Leider gibt es eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber den Hilfsbedürftigen. Über sie wird teilweise abwertend, geringschätzig gesprochen. Ihre Nähe wird gemieden. Das macht mich wütend. Gegen diese Vorurteile kämpfe ich schon seit Jahren. Dabei sind es doch Menschen wie wir alle! Sie sind durch verschiedene Schicksalsschläge, beispielsweise durch Krankheit, in diese Situation geraten. Das kann uns allen passieren“, sagt die Caritas-Chefin. Auf ihre Leute - 16 ehrenamtliche Mitarbeiter und zwei Festangestellte - lässt sie nichts kommen. „Gerade ohne das Ehrenamt würde das alles hier nicht funktionieren“, sagt sie und belegt mit Zahlen, was die kirchliche soziale Hilfsorganisation in Weißwasser leistet: So sind 360 Besucher der Tafel wöchentlich zu versorgen. Dahinter verbergen sich 209 Besitzer eines Tafel-Passes, darunter 13 für Familien von Migranten, beispielsweise aus Syrien. Im ersten Halbjahr haben die Kraftfahrer 13 000 Kilometer zurückgelegt, um unter anderen bis aus Dresden 30 000 Kilogramm an gespendeten Lebensmittel abzuholen. Gerade diese Spenden seien nach wie vor unverzichtbar.

Inzwischen geht das Programm an der Uhlandstraße weiter. Der Kalinka-Chor aus Weißwasser hat Aufstellung genommen und erfreut die Besucher mit russischen Weisen. Später sorgen Gerhard Rubin und seine Frau Reinhild aus der Großen Kreisstadt  - seit Jahren bekannt als Duo Reini und Co. - für musikalische Unterhaltung.