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| 01:03 Uhr

Da war mehr als nur ein Wurm drin

Weißwasser.. „Was bietet Ihr denn für Kurse an?“ , diese Frage bekam Gudrun Hirschmann von der Volkshochschule in den letzten Tagen des Öfteren gestellt. Manch einer kommentierte zusätzlich mit „Igitt“ und „Äh“ . Regina Weiß


Die Rede ist von einem Insektenkochkurs, der am Samstag in der Küche der Brüder-Grimm-Schule über die Bühne ging. Neun mutige Interessenten nahmen daran teil.
Da ist der Wurm drin, heißt es gern sprichwörtlich. Doch wenn aus dieser Redewendung im wahrsten Sinne des Wortes Realität wird, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Dennis Besseler, der 25-Jährige beschäftigt sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit dem Survival-Training, hielt sich am Samstag nicht lange bei der Vorrede auf, sondern forderte die Teilnehmer auf, an Töpfen und Herden loszulegen. Die Kursbesucher waren aus ganz unterschiedlichen Gründen dabei, wobei man sagen muss, das Köche die Oberhand hatten. Dierk Exner vom Turmcafé schon immer dem Exotischen aufgeschlossen, wollte das Thema Insekten ausprobieren. Jochen Uplegger (Koch im Ruhestand) war aus dem gleichen Grund da, ebenso Stefanie und Marcel (Köche in der Ausbildung) und Janine (Köchin). Andere wiederum waren neugierig auf das Neue, Ungewöhnliche, kannten dies nur aus dem Fernsehen. „Als ich anfing, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, habe ich mitbekommen, dass schon andere, lange vor mir, damit herumexperimentiert haben. So hat Wilhelm Busch seinen Gästen Maikäfersuppe vorgesetzt, und die haben das gegessen, so lange sie nicht wussten, was drin ist. Kinder experimentieren schon mal mit Regenwürmern rum und verschlucken die auch. Den Ekel davor bekommen wir allerdings anerzogen“ , so Dennis Besseler.
Von ernährungstechnischer Seite würde, so Besseler, nichts dagegen, sondern dafür sprechen, Insekten zu verspeisen. „Sie haben einen besseren Nährwert als Rind oder Schwein“ , so der Kölner.
Für die Kursteilnehmer hatte der Survival-Experte, der schon mehrfach im Regenwald unterwegs war, ein Dreigängemenü geplant: Mehlwurmsuppe, Grashüpfer Wiener Art und als Dessert Mehlwürmer in Schokoglasur.
Drei Kochteams legten dann auch los. Eine Hand voll Mehlwürmer abspülen, eine Paprikaschote sowie einige Champions klein schneiden. Derweilen wird eine Büchse Kokosmilch in einem halben Liter Wasser zum Kochen gebracht. Dort hinein kommt das Gemüse. Dierk Exner, in seinem Element, verfeinerte die Suppe, in dem er Currypulver und Knoblauchsalz anröstete und der Suppe hinzufügte, gleiches machte er mit Kokosraspeln. Zum Schluss wurden der Suppe die Mehlwürmer hinzugefügt. Das Gelb der Suppe und die dunklen Mehlwürmer - der Kontrast konnte nicht schöner sein. Und so konnte sich auch eine Teilnehmerin beim Blick in den Topf nicht verkneifen: „Ach, ich dachte, die werden püriert.“
Beim anschließenden Kosten kniff keiner - auch die RUNDSCHAU-Redakteurin nicht - schließlich geht Probieren über Studieren. Und es schmeckte lecker. Die Mehlwürmer hatten noch Biss.
Wer sich traut, zu Hause zum Insektenkoch zu werden, der kann sich unter www.besseler.de mit Rezepten versorgen.