Um 7.30 Uhr tuscheln die wenigen Kinder, die an der Pestalozzi-Grundschule in Weißwasser vor dem Schulgebäude stehen, welche ihrer Freunde heute noch in die Schule kommen. Einige haben einen Schulrucksack auf, andere kommen mit Mutti oder Vati in die Schule. „Wir haben für alle Eltern eine Elterninformation vorbereitet“, erklärt Schulleiterin Dörte Broddack. Darauf steht, dass so lange es keine andere Information gibt, die Schüler betreut werden.

Lernstoff wird in Weißwasser gefestigt

„Wir haben schon am Sonntag zusammengesessen und auch heute früh, bevor die Schule überhaupt aufgemacht hat“, erzählt die Schulleiterin. Dabei sind Absprachen unter den Kollegen getroffen worden, wie die Kinder zu betreuen sind. „Wir werden keinen Lernstoff vermitteln. Es gibt viel zu wiederholen und zu festigen“, sagt Dörte Broddack.

Cottbus

Ihr ist wichtig zu betonen, dass jedes Kind betreut wird, so lange es keine neuen Informationen von der Landesregierung des Freistaates gibt. „Es werden sicher weiterhin Kinder betreut, deren Eltern in Berufen arbeiten, die für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur wichtig sind“, erklärt die Schulleiterin.

Genau einen solchen hat Ramona Düring. Sie ist stellvertretende Pflegedienstleiterin im Kreiskrankenhaus in Weißwasser. „Ich bin froh, dass ich mein Kind heute in die Schule bringen kann“, sagt sie. Könnte sie das nicht, „dann müsste ich zu Hause bleiben.“ Alles in allem lobt sie die Organisation der Pestalozzi-Grundschule in Weißwasser: „Die Klassenlehrerin hat uns Eltern bereits vorab per Email informiert“, berichtet Ramona Düring. Sie würde auch Aufgaben und Arbeitsblätter per Email an die weiterschicken, deren Kind heute nicht in der Schule ist. „Es ist alles sehr gut organisiert“, sagt Ramona Düring, „und mir wurde auch versichert, dass eine Notbetreuung gewährleistet wird.“

Andere Eltern gehen mit einem Schriftstück aus der Schule – und zumeist mit Sohn und Tochter an der Hand. „Ich kann von zu Hause aus arbeiten, da kann ich mich um mein Kind kümmern“, ruft ein Vater noch beim Einsteigen ins Auto. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Eine andere Mutter, die ebenfalls nicht genannt werden will, sagt: „Wir Eltern müssen nun alle etwas zusammenrücken. Ich bin eigentlich ganz ruhig, da die Schule mir sehr aufgeräumt und gut organisiert vorkommt.“

Großteil der Schüler bleibt zu Hause

Trotzdem ist ein Großteil der 255 Schüler am Montagmorgen nicht gekommen. „In manchen Klassen sitzen fünf Schüler, in anderen elf und manchmal auch gar keiner“, konstatiert Dörte Broddack. Auch am Weißwasseraner Busbahnhof herrscht gähnende Leere. Normalerweise tummeln sich hier zahllose Schüler, die zum Unterricht müssen. Das ist seit Aussetzung der Schulpflicht nun anders.

In der Grundschule Fürst Pückler in Bad Muskau hat am Montag das Telefon „geglüht“. Eltern haben Bescheid gesagt, dass sie ihre Tochter oder ihren Sohn nicht in die Schule bringen werden. „Genau dazu hatten wir die Eltern ja auch aufgefordert, wir müssen schließlich wissen, wo die Kinder sind und wollen keinen verlieren“, so Schulleiterin Bärbel Aulich. Rund 30 Kinderwerden dort Montag betreut. Seit 43 Jahren ist sie Lehrerin, seit 29 Jahren Schulleiterin. Aber so etwas wie jetzt hat sie bis dato auch noch nicht erlebt. Doch sie und ihr Team sowie die Kollegen vom Hort stellen sich gemeinsam den Herausforderungen. „Panik gibt es hier bei uns nicht“, sagt sie im Gespräch mit der Rundschau. Dass sei auch bei den Eltern so nicht zu erleben gewesen. Soweit es in dieser Situation geht, laufe alles in geordneten Bahnen ab.

Notfallkette in Bad Muskau funktioniert

Dabei hat Bärbel Aulich auch erst am Freitag aus den Medien erfahren, dass Sachsen im Zuge der Corona-Krise die Schulen schließen wird und als Übergangszeit die unterrichtsfreie Zeit festlegt. Zum einen habe die Pädagogin die Entscheidung erleichtert, zum anderen habe sie sie auch erwartet. „Ich hatte einen siebenten Sinn“, sagt sie weiter. Das erste Informationsschreiben für die Eltern im Zuge von Corona habe bereits ein paar Tage bei ihr im Schreibtisch gelegen.

Als sehr gut funktionierend habe sich die Notfallkette herausgestellt. Die Elternvertreter sind Ansprechpartner Nummer eins. Gleichzeitig sind die Informationen über die Homepage (www.muskauerkinder.de) der Schule verteilt worden. „Da macht sich wirklich bezahlt, dass unsere Internetseite gepflegt ist. Außerdem ist sie auch für das Smartphone geeignet, eben für die Eltern, die vielleicht keinen Computer haben“, so die Schulleiterin weiter. Die Lehrerschaft befindet sich in einer Whatsapp-Gruppe, sodass auch dort eine zeitnahe Kommunikation gewährleistet ist.

Bärbel Aulich und ihre Lehrerkollegen haben den Montag mit einer Dienstberatung gestartet. Wenig später sitzt mit dem Leitungsteam des Horts zusammen. „Wir machen das zusammen.“ So werden nun Teams gegründet, die dann den Bereitschaftsdienst mit Beginn der Schulschließung übernehmen werden. Weder für die Schüler noch für die Lehrer sei das alles eine zusätzliche Ferienzeit. Man habe mehrere Wochen Puffer im Lehrplan. „Jetzt wird eben wiederholt. Das müssen wir im Unterricht auch machen“, so Bärbel Aulich. Die Aufgaben werden übers Internet zur Verfügung gestellt.

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