Im Saal der Kreisverwaltung in Görlitz, wo der Stab für außergewöhnliche Ereignisse des Landkreises tagt, hängt eine Liste. Darauf ist vermerkt, wo die Coronaerkrankten zu Hause sind. 15 waren es am Donnerstag, wobei der 15. nur hier getestet wurde, aber in Sachsen-Anhalt lebt. Die Liste geht bis zur Nummer 30. „Bei 30 ist dann Schluss“, findet Thomas Gampe, 1. Beigeordneter des Landkreises, nach dem Gespräch mit Pressevertretern. Schön wäre es, wenn sich der Virus an diese Ansage halten würde.

Laut Landrat Bernd Lange (CDU) haben wir es alle mit in der Hand, „ob es schnell wieder einfacher wird.“ Man sei in einer Lage, wofür es kein Beispiel gäbe. Der Landrat nutzt die Gelegenheit und appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, soziale Kontakte zu meiden. 14 Fälle für den Landkreis scheinen manchem nicht viel zu sein, wie man von einigen Mitbürgern durchaus hört. Doch Lange unterstreicht, die Lage ernst zu nehmen. Denn, wenn alles gleichzeitig auf die Krankenhäuser einstürme, dann sei das System dafür nicht aufgestellt. „Doch in bin voll überzeugt, dass wir die Krise bewältigen werden.“

Kein schwerer Verlauf im Kreis Görlitz

Derzeit gebe es noch keine schweren Krankheitsverlauf eines Coronaerkrankten im Landkreis Görlitz, sagt Annegret Schynol, Leiterin des Gesundheitsamtes und Amtsärztin. Bei der Erfassung der Fälle folge man den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes. Heißt auch, dass nicht Busladungsweise heimkehrende Urlauber aus Südtirol getestet werden, unterstreicht Bernd Lange. Man gehe strukturiert vor. Oder wie Martina Weber, Leiterin des Stabes und Sozialdezernentin, sagt: „Eine Krise braucht klare Regeln.“

Cottbus

Zwei Teams des Gesundheitsamtes sind unterwegs, um im Falle eines Falles die Kontaktpersonen zu testen. Die Abstriche gehen in dem Fall an die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt. Meistens komme nach 24 Stunden das Ergebnis, so die Amtsärztin. Bei den positiv Getesteten halte man 14-tägigen Kontakt, um zu erfahren, wie der Krankheitsverlauf ist.

Hunderte Tests im Labor

Niedergelassene Ärzte und die Krankenhäuser schicken ihre Tests ins Labor Ostsachsen. Mehrere 100 seien es täglich. Noch einmal ergeht die Bitte: Wer Symptome aufweist, weil er beispielsweise aus einem Risikogebiet komme, kontaktiert seinen Hausarzt telefonisch. Auch wer im Notfall einen Rettungswagen braucht, muss angeben, ob er sich wegen Corona in Quarantäne befindet.

Mit Vertretern der Krankenhäuser und der Kassenärztlichen Vereinigung für die niedergelassenen Ärzte finden regelmäßig Gespräche statt. „Ein Pandemieplan ist abgesprochen“, so Martina Weber mit Blick auf die Krankenhäuser. „Wir werden mit Bedacht schauen, ob wir alle zur gleichen Zeit schrittweise anfahren oder ob ein Haus vorgeht. Welches Haus das sein wird, möchte ich nicht sagen“, so Martina Weber. Fakt ist, dass die Kliniken bereits begonnen haben, geplante Operationen zurückzufahren. Ebenfalls mit im Boot ist der Rettungsdienst. Fährt er einen Corona-Kranken in eine Klinik, heißt das im Nachgang drei Stunden Autodesinfektion, erklärt Martina Weber.

Viele Anfragen via Bürgertelefon

Längst hat Corona nicht nur Folgen für das Gesundheitsamt und seine 75 Mitarbeiter, sondern für die gesamte Kreisverwaltung. Deren Türen sind verschlossen, auch für die Presse heißt es deshalb, klingeln an der Pforte. Der Besucherkontakt soll minimiert werden. Im Zuge dessen ist das Bürgertelefon aufgestockt worden, nachdem es anfangs überrollt wurde. Zehn Mitarbeiter arbeiten dort versetzt. Die Anfragen haben den Gesundheitsbereich längst überschritten. Dementsprechend werden Anfragen in die Fachämter weitergeleitet.

So zum Beispiel zu den Öffnungszeiten von Geschäften. „Es haben noch nicht alle zu, die zu haben sollten“, so Kommunalamtsleiter Karl Ilg. Die Gemeinden seien aufgefordert worden, zu kontrollieren. „Zur Not müssen mit Hilfe der Polizei Zwangsmaßnahmen durchgesetzt werden“, deutet Ilg an. Zur Verwirrung habe auch gesorgt, dass Anordnungen des Bundes nicht 1:1 vom Freistaat umgesetzt worden sind. Das betreffe Tierparks, das Besuchsverbot in Pflegeheimen und das Thema Frisöre. Mancher versuche allerdings zu tricksen und seinen Angebot an die frische Luft zu verlagern. „Auch wer sein Geschäft nach außen verlagert, dann ist es doch keine Versammlung“, sagt Karl Ilg.

Apropos frische Luft. Martina Weber spricht sich auf Nachfrage gegen eine Ausgangssperre aus. Allerdings sollte man auch dort Abstand bewahren. Bernd Lange pflichtet ihr bei. Sie könnte höchsten aus erzieherischen Zwecken doch noch kommen, wenn das mit der Eigenverantwortung nicht funktioniert.

Die aktuellen Informationen zum Thema Corona in der Lausitz gibt es hier.

Die Veranstaltungsabsagen wegen des Coronavirus gibt es gebündelt für die Region hier.

Fragen und Antworten rund um das Thema Corona gibt es hier.

Ferienverkehr bei den Bussen im Landkreis


Ab Montag, 23. März, wird der Linienverkehr der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) und der Regionalbus Oberlausitz GmbH (RBO) im Landkreis Görlitz auf Ferienfahrpläne umgestellt. Das bedeutet, dass alle Fahrten mit der Kennzeichnung „verkehrt nur an Schultagen“ nicht durchgeführt werden. Diese Regelung gilt mindestens bis zum Ende der regulären Osterferien am 17. April.

Im gleichen Zeitraum wird auch der so genannte freigestellte Schulverkehr mit Taxen und Mietwagen durch das Schul- und Sportamt eingestellt. Ausnahmen von dieser Regelung, die sich aus der Notbetreuung an Förderschulen ergeben, werden aktuell geprüft und in Abstimmung mit den Schulen eingerichtet.

Rund 150 Kinder befinden sich derzeit kreisweit in der Notbetreuung an Schulen. Ob die Zahl die nächsten Wochen Bestand hat oder nach oben beziehungsweise nach unten geht, kann die Kreisverwaltung nicht sagen.