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| 11:31 Uhr

Adventsbrauch
Sorbisches Christkindsegnet die Mühlroser

Mühlrose. Die Einwohner des 200-Seelen-Dorfes möchten ihre sorbische Tradition keinesfalls missen.

() Mystisch geht es seit vielen Jahren an einem Abend im Advent in Mühlrose zu. Dann ist das sorbische Christkind mit seinen beiden Begleiterinnen im 200-Einwohner-Dorf unterwegs. Es segnet schweigend mit seiner Hand und mit der Rute die Menschen und bringt kleine Geschenke mit. Besucht werden außer der Seniorenweihnachtsfeier in der Gaststätte auch Gehöfte, auf denen ältere Menschen wohnen. Diesmal sind direkt im Ort fünf Gehöfte an der Reihe.

Anschließend geht es zur Feier, dann in die Ausbauten am Damm. Im letzten Anwesen, idyllisch von der Kiefernheide eingerahmt, lebt Else Rose. Die gebürtige Mühlroserin, die in Schleife aufwuchs und später über Jahrzehnte in Spremberg als Kindergärtnerin tätig war, lebt in ihrem Elternhaus. Silvia Seitz vom örtlichen Kultur- und Sportverein (KSV), die als Chauffeurin für das Christkind und seine Begleiterinnen tätig ist, klingelt. Zunächst erscheint am Tor die Katze, dann Else Rose. Sie erfährt ihre Segnung und nimmt ein kleines Geschenk entgegen. „Ich habe schon in Spremberg den Kindern von unserem Christkind erzählt“, erinnert sich die heute 82-Jährige. „Während meiner Kindheit gab es diesen Brauch leider nicht. Die Nazis hatten ihn bei Strafe verboten“, sagt sie weiter.

In Mühlrose wurde das Christkind nach Angaben von Silvia Seitz vor rund dreieinhalb Jahrzehnten wiederbelebt. Als Organisator fungiert heute der KSV. Probleme, das passende „Personal“ für das Trio mit Rute, Glöckchen, Laterne und Bescherkorb zu finden, gebe es nicht. Nur einmal, so sagt Seitz, musste jemand aus Trebendorf „ausgeborgt“ werden.

Das Besondere in Mühlrose: Das Christkind geht auch auf Reisen. Wenn ein Mühlroser mal im Krankenhaus liegen sollte, darf er sich selbst dort auf den Besuch des geheimnisvollen Wesens freuen. So wie bei Else Rose und ihrem Mann. „Voriges Jahr war ich im Krankenhaus in Spremberg. Wie habe ich mich gefreut, als mich dort unser Christkind besuchte.“ Und weitere zwölf Monate zuvor wurde der gleiche Brauch ihrem Mann in der Weißwasseraner Klinik zuteil.

Diese sorbische Tradition wollen auch der neue Trebendorfer Bürgermeister Waldemar Locke und Mühlroses Ortsvorsteher Enrico Kliemann unbedingt erhalten. „Das Christkind ist Teil unserer Identität“, begründet Locke. Er selbst sei dieses Jahr bereits doppelt gesegnet worden, einmal in Trebendorf und einmal in Mühlrose. Selbstverständlich werde dieser uralte Brauch auch am Umsiedlungsstandort unweit des Halbendorfer Sees weiterleben.

Im Schleifer Kirchspiel hat jedes der Dörfer sein eigenes Christkind. Der Tradition zufolge darf es die Ortsgrenzen nicht überqueren. Einen sehr ähnlichen Brauch nennen auch die Dörfer um Hoyerswerda ihr Eigen. Dort segnet allerdings das Bescherkind. amz

(amz1)