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Chefärzte gehen in Klausur

Weißwasser. Noch in diesem Quartal gehen Geschäftsführung und Chefärzte vom Kreiskrankenhaus Weißwasser in Klausur. "Schauen wir mal, welche Ideen wir gebähren können", ist Andreas Grahlemann zuversichtlich. Ziel sei es, die hiesige Klinik zu stärken und voranbringen. Qualitativ und quantitativ, sagt der Geschäftsführer. Gabi Nitsche

Ein Krankenhaus von der Größe wie in Weißwasser mit durchschnittlich 8000 Patienten pro Jahr ist keine Profitfabrik, aber dennoch wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Das sagt Geschäftsführer Andreas Grahlemann. Als Haus der Grundversorgung ist das Leistungsangebot auf Kinderheilkunde, Gynäkologie, Innere Medizin und Chirurgie ausgerichtet.

Qualität - Schlüssel zum Erfolg

Andreas Grahlemann ist überzeugt davon, dass ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg "Qualität" heißt. Wenn die stimmt, dann steige die Nachfrage. Das sei für jede Branche zutreffend. "Wir lassen keine Fachdisziplin auf der Strecke." Aber es bedürfe Anstrengungen dafür. "Sagen wir mal so: Die Lage ist nicht rosarot, aber auch nicht dunkelrot." Sein Signal an die Belegschaft: "Das Gesamtpaket muss stimmen - vom fachlichen Können bis zur Betreuung." Nach den Patientenbefragungen zu urteilen, sei das Team auf einem guten Weg, sagt der 63-Jährige.

Dass hier und da geargwöhnt werde, das Krankenhaus Weißwasser habe keine Zukunft, verstehe Grahlemann gar nicht, es ärgere ihn. "Das Wort Schließung nimmt von uns niemand in den Mund. Außerdem hätte uns die Gesundheitsministerin nicht im Juli einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro gebracht für die Modernisierung der Intensiv-Therapie Station, wenn wir Weißwasser nicht brauchen würden." Die ITS wird im kommenden Jahr gebaut und im September eröffnet. Investitionsumfang 1,8 Millionen Euro.

Noch in diesem Quartal gehen Geschäftsführer und Chefärzte des Hauses in Klausur. "Schauen wir mal, welche Ideen wir gebähren können." Grahlemann ist zuversichtlich. Mit Dr. Dmitry Chuvashkin habe gerade ein neuer Facharzt die Leitung der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung übernommen. Gleiches stehe für den Kinder- und Jugendbereich bevor. Chefarzt Dr. Mathias Genné wird das Haus auf eigenen Wunsch 2017 verlassen. Der Vertrag mit dem Nachfolger liege bereits vor, berichtet Andreas Grahlemann. Aus Rücksicht auf dessen Noch-Arbeitgeber bleibt dessen Namen derzeit noch ungenannt. Grahlemann sieht Wechsel wie diese nicht negativ. Stärker als in anderen Branchen würden Chefärzte mit ihrem Know-how medizinischen Bereichen ein "Gesicht" geben, Akzente setzen, für fachliche Aspekte Ansprechpartner sein. "Assistenzärzte zieht es dorthin, wo ein Chef breite berufliche Erfahrungen und menschliche Reife hat." Was ihm ein Rätsel sei, ist die Tatsache, dass einige niedergelassene Ärzte in der Region ihre Patienten nicht ins hiesige Krankenhaus einweisen. An dieser Schraube wolle er drehen, die Verzahnung zwischen stationär und ambulant verbessern. Sich an Ärztestammtischen treffen und Weiterbildungen für niedergelassene Kollegen anbieten, seien Möglichkeiten dafür.

Ohne Not in der Notaufnahme

Dass Patienten nicht nur in wirklichen Notfällen die Notaufnahme aufsuchen, trage zu einer nicht vertretbaren hohen Arbeitsbelastung bei. "Wir können ja niemanden wegschicken. Ein großes Haus kann das kompensieren. Hier, wo alles eng gestrickt ist, haben wir keine Elastizität dafür." Um dem abzuhelfen, braucht es jedoch gesundheitspolitische Entscheidungen.

Andreas Grahlemann ist seit Juni Geschäftsführer der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum im Landkreis Görlitz und kaufmännischer Chef der Häuser im Verbund - Klinikum Oberlausitzer Bergland und Krankenhaus Weißwasser.