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| 16:42 Uhr

Park Bad Muskau
Das Brückengeheimnis scheint gelöst

Blick von der Doppelbrücke, die Mühlgraben und Neiße überspannt, zur steinernen Prinzenbrücke.
Blick von der Doppelbrücke, die Mühlgraben und Neiße überspannt, zur steinernen Prinzenbrücke. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Rund 45 Menschen begeben sich auf die Spur von Prinz Friedrich im Muskauer Park.

Kleine Sensation im Muskauer Park: Gartenhistoriker sind aufgrund aufgetauchter Gemälde auf eine bis dato nicht bekannte Brücke gestoßen. Nach langem Rätseln ist die Überführung jetzt genau lokalisiert worden. Nach Angaben der Bad Muskauer Gartenhistorikerin Astrid Roscher von der Stiftung Fürst-Pückler-Park überspannte die sogenannte Schluchtbrücke die Hermannsschlucht, die sich etwa auf halbem Wege zwischen der Doppelbrücke und der ehemaligen Baumschule erstreckt. Der Weg über die Brücke soll zur Fasanerie geführt haben.

Im Zuge der jetzt erstmals öffentlich in Bad Muskau präsentierten Aquarelle von Carl Graeb, dem Hofmaler des Prinzen Friedrich der Niederlande, haben die Experten erstmals Kenntnisse über die bis dato vollkommen unbekannte Brücke erhalten. „Zunächst diskutierten wir über mögliche Standorte anstelle des heutigen Viaduktes oder am Nachtigallensteg. Aber das passte nicht wirklich. Bis wir schließlich in der Hermannsschlucht fündig wurden“, erklärt Astrid Roscher.
Sehr lange scheint das Bauwerk allerdings nicht gestanden zu haben. Um 1850 errichtet, war es bereits nach 1870 wieder verschwunden. „Es wurde wahrscheinlich vom Viadukt abgelöst“, sagt Roscher. Ob die Brücke tatsächlich die Hermannsschlucht überspannte, ist allerdings noch nicht mit letzter Sicherheit bewiesen. Denn bislang hat dort noch niemand entsprechende Überbleibsel entdeckt. „Es hat unseres Wissens nach auch noch nicht jemand gezielt danach gesucht. Das wäre sicher eine lohnende Aufgabe“, erklärt Astrid Roscher.

Sicher ist jedenfalls, dass die Schluchtbrücke unter der Ägide des Prinzen Friedrich der Niederlande entstanden war. Dieser hatte Muskauer Park und Standesherrschaft Muskau im Jahr 1846 von den Grafen von Nostitz und von Hatzfeld erworben. Der in Berlin geborene und aufgewachsene Monarch, der erst im Alter von 16 Jahren erstmals sein eigentliches Heimatland betrat, konnte aufgrund beträchtlicher finanzieller Mittel Schloss und Park Muskau ganz nach seinen Bedürfnissen gestalten. Ein großes Augenmerk, so erklärt Christoph Haase, ehemaliger Mitarbeiter der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und jetziger stellvertretender Branitzer Parkleiter, legte der Prinz auf den Bau von Brücken.
Die durch Parkbegründer Hermann von Pückler angelegten hölzernen Überführungen waren in die Jahre gekommen, und so mussten steinerne Bauwerke her, die auch Hochwässern in der Neiße widerstehen konnten.

So die Doppelbrücke, die in den Jahren 1860/61 in Stein gebaut wurde. Oder aber das berühmte Viadukt von 1862/1863, dem heutigen Wahrzeichen des polnischen Parkteils. Plante Pückler an gleicher Stelle ein römisches Viadukt, ließ Prinz Friedrich ein neogotisches Bauwerk errichten.
Laut Christoph Haase ist die Korrespondenz zwischen Pückler und Prinz Friedrich sehr dünn. In einem der wenigen Schreiben bittet aber der Monarch den Parkbegründer um den Entwurf des Viaduktes. „Allerdings wissen wir nicht, wie dieser Entwurf aussah“, bedauert Haase.

Ebenfalls auf den Prinzen der Niederlande geht die steinerne Prinzenbrücke (1854) zurück, die nahe der Neiße ein Trockental überquert. Ihr hölzerner Vorgänger, bereits von Pückler errichtet, war dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. gewidmet. Dieser soll Pückler empfohlen haben, die Brücke mittels rankender Pflanzen etwas zu verbergen.

Sehr versteckt ist heute das ebenfalls im Auftrag des Monarchen angelegte Arboretum gelegen. Diese wissenschaftliche Gehölzsammlung trägt die Handschrift des berühmten Gartengestalters und Pückler-Schülers Eduard Petzold. Rund 3000 verschiedene Arten und Sorten, darunter mehr als 150 verschiedene Eichen, pflanzte Petzold ab 1857 auf einem Areal unweit des Herrenberges an. Heute, so sagt Christoph Haase, befindet sich dieses Kleinod in einem tiefen Dornröschenschlaf, zu dem sich nur selten ein Mensch verirre.

Insgesamt, so hat Astrid Roscher recherchiert, hat der Prinz der Niederlande im Muskauer Park an 20 verschiedenen Standorten maßgebliche Spuren hinterlassen. Hinzu gesellt sich der Neubau des Jagdschlosses im Weißwasseraner Tiergarten in den Jahren von 1854 bis 1857. Allerdings ist dieses Ensemble bereits anno 1972 gesprengt und sein Standort vor wenigen Jahren durch den Tagebau Nochten in Anspruch genommen worden.

Astrid Roscher und Christoph Haase erläutern hier Baugeschichte und Funktionen des Viaduktes am Herrenberg, ebenfalls ein Werk des Prinzen der Niederlande.
Astrid Roscher und Christoph Haase erläutern hier Baugeschichte und Funktionen des Viaduktes am Herrenberg, ebenfalls ein Werk des Prinzen der Niederlande. FOTO: Torsten Richter-Zippack