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| 19:30 Uhr

Bundeswehr
Oberlausitz bewährt sich als Aufmarschgebiet

Aus ganz Deutschland sind Truppen der Bundeswehr in die Oberlausitz vorgerückt. Ihr Auftrag: Das Nato-Gebiet gegen Angriffe sichern. Diesmal ist es nur eine Übung. Aber eine, die sich bewährt hat.

Es hat etwas Bedrohliches, wenn einem – wie in den vergangenen Tagen häufiger – auf den Straßen der Lausitz Fahrzeugkolonnen in Tarnfarben entgegen kommen. Rund 20 solcher Konvois sind seit dem 26. Mai Richtung Weißkeißel gerollt. Dort befindet sich der Sammelpunkt für Truppen aus ganz Deutschland. Sie bilden die Speerspitze der Nato, die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF). Ihre Aufgabe ist es, im Fall einer Bedrohung des Nato-Gebiets in Europa als erste am Brennpunkt zu sein.

Binnen 48 Stunden müssen die Truppen abmarschbereit sein, wenige Tage später im Feld. Seit Januar hat Deutschland diese Aufgabe inne.

Ist die Bundeswehr für den Nato-Ernstfall gerüstet?

 Fertig machen für den Einsatz. Das Einzige, was die Bundeswehrsoldaten am improvisierten Versorgungsposten bei Weißkeißel nicht bekommen, ist scharfe Munition – der Genehmigungsaufwand dafür wäre zu groß gewesen.
Fertig machen für den Einsatz. Das Einzige, was die Bundeswehrsoldaten am improvisierten Versorgungsposten bei Weißkeißel nicht bekommen, ist scharfe Munition – der Genehmigungsaufwand dafür wäre zu groß gewesen. FOTO: LR / Bodo Baumert

Wäre die Bundeswehr im Zweifelsfall in der Lage, diese Aufgabe auch zu erfüllen? „Auf dem Papier ist das immer leicht darzustellen“, sagt Oberstleutnant Thorsten Hamann, der Leiter der Übung „Brave Departure“. Sie soll zeigen, ob die Bundeswehr die Praxis im Ernstfall besteht.

 Millimeterarbeit ist gefragt, um Panzer von der Schiene auf die Straße zu bewegen. Wer hier arbeitet, kann alles fahren.
Millimeterarbeit ist gefragt, um Panzer von der Schiene auf die Straße zu bewegen. Wer hier arbeitet, kann alles fahren. FOTO: LR / Bodo Baumert

Dieser Ernstfall ist diesmal „nur“ eine Feuerübung, die die Einsatzkräfte im polnischen Zagan durchführen. Die Bedingungen sollen aber möglichst real sein. Deshalb wurde erstmals nicht nur die Verlegung der Truppen – 2500 Soldaten samt Panzern und Ausrüstung – an sich geübt, sondern auch der gesamte logistische Prozess.

Zunächst braucht es ein Aufmarschgebiet, in dem die Truppen zusammengezogen werden. Von dort geht es dann, frisch betankt, bewaffnet und versorgt in den Einsatz. RSOM heißt das in der Sprache der Militärs: Reception, Staging und Onward Movement. Aufmarschgebiet für „Brave Departure“ ist der Truppenübungsplatz Oberlausitz – der allerdings in der Vorstellungswelt der Manöverteilnehmer nicht in Ostsachsen liegt sondern irgendwo im Ausland – etwa in Polen.

Am Sonntag, 26. Mai wird gestartet. Während in der Lausitz gewählt wird, erfolgt in Bonn, Munster und an vielen anderen Bundeswehrstandorten die Alarmierung. Es geht los.

 Einmal Volltanken bitte: 275 000 Liter Treibstoff sind gebunkert worden.
Einmal Volltanken bitte: 275 000 Liter Treibstoff sind gebunkert worden. FOTO: LR / Bodo Baumert

Per Zug und Fahrzeugkolonnen rollt das schwere Material zum Sammelpunkt. Die ersten, die dort – also im Wald bei Weißkeißel – am Montag eintreffen, sind die Logistiker. Sie bereiten alles vor.

Hauptmann Sebastian Esther zum Beispiel ist für die IT zuständig. Dort, wo das Lausitzer Handynetz jeden Empfang unmöglich macht, hat der Führungsstab sofort eine Satellitenverbindung. Zwei Stunden später steht der erste Server und die Kommunikation.

Zehn Bundeswehr-Panzer pro Stunde

Was folgt sind die Experten für den Transport. Sie treffen am Montag in Weißkeißel ein. Da ist der Stab längst einsatzfähig. Die ersten Züge mit Containern, Panzern und anderen Fahrzeugen treffen ein. Was nicht auf die Straße passt, kommt am Endgleis des Truppenübungsplatzes an.

Im Eiltempo werden die Fahrzeuge entladen – zehn Panzer schaffen die Logistiker pro Stunde – betankt und technisch überprüft, um sie dann anschließend mit ihren jeweiligen Soldaten zu „verheiraten“.

 Lagebesprechung im Führungsstab: Soldaten aller deutschen Teilstreitkräfte koordinieren aus einem Zelt im Wald gemeinsam das Manöver.
Lagebesprechung im Führungsstab: Soldaten aller deutschen Teilstreitkräfte koordinieren aus einem Zelt im Wald gemeinsam das Manöver. FOTO: LR / Bodo Baumert

Die sind seit Mittwoch per Fahrzeug eingetroffen, hausen draußen im Wald in ihren Zwei-Mann-Zelten und machen sich bereit. „Das ist wie bei einem Umzug, bei dem sie am zweiten Tage schon die ersten Gäste empfangen sollen“, schildert Oberstleutnant Hamann den Druck, unter dem die Streitkräftebasis als Organisator des Aufmarsches steht.

Die Lausitz hat sich als Aufmarschgebiet bewährt

Ein Teil der Soldaten ist sogar per Flugzeug gelandet. Erstmals wurde dafür auf dem Flughafen Rothenburg eine Landung mit dem A400M versucht. Erfolgreich, wie auch der Rest der Übung.

Sobald die Soldaten ihre jeweiligen Fahrzeuge bekommen haben, folgt Phase zwei, das Staging. In langer Reihe steht ein Zug am Montagmorgen vor der Anlagen des Truppenübungsplatzes. Einzeln fahren die Fahrzeuge vor, werden betankt und ausgerüstet. Dann geht es noch einmal hinaus ins Lager. Ein letztes Mal ruhen.

 Fertig machen für den Einsatz. Das Einzige, was die Soldaten am improvisierten Versorgungsposten bei Weißkeißel nicht bekommen, ist scharfe Munition – der Genehmigungsaufwand dafür wäre zu groß gewesen.
Fertig machen für den Einsatz. Das Einzige, was die Soldaten am improvisierten Versorgungsposten bei Weißkeißel nicht bekommen, ist scharfe Munition – der Genehmigungsaufwand dafür wäre zu groß gewesen. FOTO: LR / Bodo Baumert

Und dann folgt auch schon Phase drei: die Bewegung zum Einsatzort. Wieder heißt es Kolonne fahren, diesmal über die Grenzbrücke bei Görlitz. Dienstagnachmittag soll der letzte Trupp diese passiert haben.

Und, hat alles geklappt? „Zwei kleine Unfälle gab es auf der Strecke, allerdings nicht mit Beteiligung der Bundeswehr“, sagt Hauptmann Sebastian Sänger von den Feldjägern, die die Konvois organisieren. Hat sich die Lausitz bewährt? „Aus unserer Sicht: Ja“, sagt Sänger.

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