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| 16:50 Uhr

Polizei
115 000 Euro Schwarzgeld kassiert

Michael Engler, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf, hat die Jahresbilanz vorgestellt.
Michael Engler, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf, hat die Jahresbilanz vorgestellt. FOTO: Regina Weiß
Ludwigsdorf. Die Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf hat im Jahr 2017 fast 5000 Strafanzeigen erstattet. Von Regina Weiß

In der Nacht sollte es mit dem Taxi von Bad Muskau nach Berlin oder Frankfurt/Main gehen. So hatte es die irakische Großfamilie offensichtlich geplant. Bis ins benachbarte Leknica (Lugknitz) war sie aus der Türkei mit einem Lkw gebracht worden. Während sich der Schleuser absetzte, gelangte die große Familie zu Fuß nach Deutschland, nach Bad Muskau. Dort wurde sie von den Beamten der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf in Empfang genommen. Insgesamt wurden bei dem Fall im September vergangenen Jahres 40 Migranten aufgegriffen. 24 Kurden aus dem Irak waren es im November im Rietschener Ortsteil Neuliebel gewesen. Auch sie waren per Transporter eingeschleust worden.

Laut Statistik der Ludwigsdorfer Dienststelle hat es 2017 vier solcher Schleusungen per Lkw in ihrem Verantwortungsbereich gegeben. Dabei wurden 74 Personen in die BRD geholt. „Der größte Fall war der in Bad Muskau“, so Michael Engler, Pressesprecher der Dienststelle. Insgesamt verzeichnet die Statistik 43 Schleusungen mit 237 Personen. Das ist zwar die gleiche Fallzahl wie 2016, aber die Anzahl der geschmuggelten Menschen hat zugenommen.

Wie es überhaupt bei den unerlaubten Einreisen einen großen Sprung nach oben gegeben hat. Wurden 877 Männer und Frauen 2016 festgestellt, waren es im vergangenen Jahr 1117. Laut Michael Engler ein Zuwachs von 27 Prozent. „Wir haben unsere Fahndungsmethoden an die aktuellen Entwicklungen angepasst, egal, ob man die Visa-Liberalisierung der Ukraine und Georgiens betrachtet oder die Schleuserkriminalität in Europa“, so Polizeioberrat und Dienststellen-Leiter Stephan Fischer und verweist damit schon auf einen besonderen Umstand. Reist der Moldauer mit einem biometrischen Pass als Tourist ein, dann ist das in Ordnung. Wenn derselbe Mann hier allerdings einer Arbeit nachgeht, dann ist das illegal. „Dafür braucht er nämlich ein Visum“, so Michael Engler. Polizeiliche Erfahrungen und Spürsinn der Kollegen lassen solche Fälle auffliegen. Arbeitskleidung, Aufzeichnungen oder auffällig hohe Bargeldbeträge, zu denen es keine vernünftige Erklärung gibt, können zu solchen Aufdeckungen führen. 383 Fälle unerlaubter Erwerbstätigkeit, die auch in Verbindung mit dem Gebrauch eines erschlichenen Visums steht, sind für 2017 verzeichnet. Diese Entdeckungen haben sich für den Staat im wahrsten Wortsinn ausgezahlt, denn die Beamten haben 114 976,11 Euro Arbeitsentgelt beschlagnahmt. Schwarzgeld sozusagen.

248 Fälle werden dem Bereich Eigentumsdelikte zugeordnet. Dahinter verbergen sich Pkw, Transporter oder Fahrräder, die die Bundespolizisten sichergestellt haben oder Fälle von Buntmetalldiebstahl. Oder 20  Notebooks und andere Computertechnik, die aus schwedischen Wochenendhäusern stammten und über die Grenze nach Rumänien gebracht werden sollten.

33 gestohlene Autos konnten beschlagnahmt werden. Dass die Täter dabei nicht zimperlich vorgehen, erleben die Beamten am eigenen Leib, als sie Mitte November einen gestohlenen Audi Q 5 stoppen wollen. Der prallt im Tunnel Königshainer Berge mit hoher Geschwindigkeit auf das Heck des Polizeiautos. Das ist ein Totalschaden. „Es fehlt uns immer noch für die Fahndungsarbeit. Es war autobahntauglich“, erklärt Engler auf Nachfrage der RUNDSCHAU.

Von 4956 Strafanzeigen (2016 waren es 5262) beziehen sich 226 auf Urkundendelikte. Die Steigerung in dem Sachgebiet ist ebenfalls eine Folge der Visa-Liberalisierung. Da werden in Pässen falsche Nationalitäten angegeben oder Führerscheine beziehungsweise Kennzeichen gefälscht. Klar, dass die Täter immer besser werden. Doch die Bundespolizei schult ihr Personal und viele der Beamten spezialisieren sich im Laufe ihrer Dienstzeit.

250 Bedienstete sind zwischen Bad Muskau und Hagenwerder auf der Straße oder im Büro tätig. 97 Grenzkilometer müssen sie dabei im Blick haben. Außerdem ist Ludwigsdorf für 157 Bahnkilometer zuständig. In dem Sachbereich wurden im vergangenen Jahr weniger Delikte verzeichnet. 171 und damit die meisten sind Sachbeschädigungen wie Graffiti und Scratching (zerkratzte Scheiben).