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Bürgermeisterin ist stolz auf ihre Gemeinde

Mit ihrem himmelblauen Trabi, aber meist per Fahrrad, ist Trebendorfs Bürgermeisterin Kerstin Antonius in ihrem Heimatort unterwegs.
Mit ihrem himmelblauen Trabi, aber meist per Fahrrad, ist Trebendorfs Bürgermeisterin Kerstin Antonius in ihrem Heimatort unterwegs. FOTO: ni
Trebendorf. Kerstin Antonius ist 2010 für sieben Jahre zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin der Gemeinde Trebendorf gewählt worden. Jetzt ist die Zeit vorbei und sie zieht ein positives Fazit. Gabi Nitsche

Für die 52-jährige Kerstin Antonius ist es nur noch eine kurze Zeit, dann sind sieben Jahre als Bürgermeisterin Trebendorfer Geschichte. Sie hat sich entschieden, aus persönlichen Gründen sich nicht wieder zur Wahl zu stellen. "Mir ist diese Entscheidung unheimlich schwer gefallen, denn ich bin stolz, Bürgermeisterin meiner Heimatgemeinde zu sein." Trotz der extremen Belastung und mancher schlaflosen Nacht, die das Ehrenamt mit sich bringt, habe es ihr all die Jahre auch viel Spaß und Freude bereitet. "Ich hab viele schöne Momente erlebt, nette Leute kennengelernt, hab mich intensiv mit unseren Vereinen beschäftigt, dem Leben in unseren beiden Ortsteilen", berichtet sie.

Kerstin Antonius spricht von einem Wechselbad der Gefühle, dem sie als Bürgermeisterin ausgesetzt sei. "Man ist immer Bürgermeisterin - jeden Tag, auch im Urlaub. Ob ich angerufen werde, E-Mails erhalte - ich hab mich immer verantwortlich gefühlt und das gelebt." Die Trebendorferin überlegt und sagt dann: "Alles Familienleben hat sich nach dem Ehrenamt gerichtet." Und in ihrer Familie, in ihrem Ehemann Klaus habe sie immer großen Rückhalt gefunden und Unterstützung erhalten, "genauso wie von unseren guten Freunden", ist Kerstin Antonius dankbar.

Wenn sie zurückblickt auf die Zeit seit ihrer Vereidigung am 8. Dezember 2010 bis heute, sieht sie da viel, viel Stolz auf das Erreichte. "Trebendorf hat sich prächtig entwickelt." In diese Zeit fiel die Umsetzung sämtlicher Maßnahmen, die 2008 im Trebendorf-Vertrag besiegelt wurden, die die Trebendorfer mit dem damaligen Bürgermeister Peter Mäkelburg zuvor in harten Auseinandersetzungen mit dem Bergbaubetreiber Vattenfall ausgehandelt hatten für einen lebenswerten Ort trotz des Tagebaus Nochten vor der Haustür. Kerstin Antonius brachte sich als Gemeinderätin, die sie seit Mitte der 1990er-Jahre war, stets mit ein, betont sie. Über Jahre wurde ihr Heimatort zum riesigen Buddelplatz. "Für die Umsiedlung vom Ortsteil Hinterberg mussten ja neue Wohngebiete erschlossen werden. Nicht nur das, auch die neue grüne Ortsmitte sollte entstehen." Kerstin Antonius, die ja jeden Tag ihrem Beruf im Bauunternehmen Zatt nachging, nennt die Zeit "deftig" und: "Ohne Wolfgang Zech und Regina Zange im Bürgerbüro hätte ich das nicht gepackt."

Wenn ein ganzes Dorf umgekrempelt wird, geht das nicht ohne Probleme und manche Überraschung ab. Kerstin Antonius erinnert sich zum Beispiel an den Einbruch im Gebiet des Altbergbaus der Gustav-Adolf-Grube. "Zig Kleinigkeiten waren zu besprechen und zu regeln, wenn ich nur an die vielen Straßensperrungen denke, die durch die Baumaßnahmen notwendig waren." Die 52-Jährige überlegt kurz und sagt: "Unsere Leute haben bei allem trotzdem viel Verständnis gezeigt. Und wer zu uns ins Büro kam, dann haben wir vernünftig geredet - lösungsorientiert."

Inzwischen ist alles fertig, die millionenschweren Vorhaben wie Kita, Haus der Vereine mit Sportkomplex, Schuster-Hof und so weiter sind unübersehbar. Nicht zu vergessen die Straßen, Grünanlagen ... "Dass es uns am Ende sogar gelungen ist, dass Vattenfall die Alte Dorfstraße noch saniert, was ja nicht vereinbart war, ist schon toll." Über all die Jahre sei Joachim Kretschmer von Vattenfall bei den Maßnahmen Ko-Partner gewesen für die Gemeinde, sagt Kerstin Antonius. "Das war eine sehr intensive Zeit, es flogen auch die Fetzen, aber wir haben immer eine Lösung gefunden."

Ein sehr guter Draht verbinde sie, sagt die scheidende Bürgermeisterin, mit dem Kita-Team. "Das hat mich sehr unterstützt. Bei Problemen haben wir uns zusammengesetzt und alles geklärt." So oft es ihr möglich war, hat sie das Vereinsleben, einschließlich Feuerwehren, in beiden Ortsteilen miterlebt. "Eine anstrengend schöne Sache", sagt Kerstin Antonius schmunzelnd. Sie selbst gehört der Domowina-Ortsgruppe und dem Frauenverein an und wird sich jetzt wieder aktiver einbringen.

Ein "heftiger Schlag ins Gesicht und sehr frustrierend" war die Entscheidung von Vattenfall, sich aus der Lausitz zurückzuziehen. "Wir hatten 2013 die Verhandlungen zum Grundlagenvertrag für den Tagebau Nochten II, also für die Umsiedlungen von Klein Trebendorf und Mühlrose, abgeschlossen. Die Zeit bis dahin war sehr intensiv und anstrengend. Aber wir waren vom Ergebnis überzeugt, das unsere tolle Verhandlungsgruppe erzielt hatte. Der Gemeinderat hatte alles beschlossen, nur die Paraphierung fehlte noch." Da trat Vattenfall auf die Bremse. "Keiner von uns wusste, was nun werden soll. Jeder hat gehofft, dass das kommt, was wir angestrebt hatten." Doch das Nachfolgeunternehmen Leag entschied sich gegen Nochten II. Hinzu kamen die vom Finanzamt geforderten Gewerbesteuerrückzahlungen, die die Gemeinde als Vorauszahlung von Vattenfall viele Jahre erhalten hatte und für die sie "Reichensteuer" ans Land zahlen musste und weniger Schlüsselzuweisungen erhielt.

Die Köpfe in den Sand stecken - das passe nicht auf Trebendorfer und Mühlroser. "Wir haben uns auf die neue Situation eingestellt und den Kampf mit den anderen betroffenen Kommunen aufgenommen." Die im Juli in Schleife verkündete Absichtserklärung von Freistaat, Leag, Landkreis und beiden Kommunen wertet Kerstin Antonius als ersten Erfolg. Der infrastrukturelle Nachholebedarf für den Ortsbereich Klein Trebendorf ist nicht nur erkannt worden. Es gibt Lösungswege für Themen wie Breitband, Abwasser. "Es sind aber noch einige Probleme ungeklärt. Zum Beispiel was die Inhalte des Wärmeliefervertrages angeht, von denen diejenigen nicht profitieren, die eigentlich umgesiedelt werden sollten und nun bleiben." Dazu sei die Gemeinde mit der Leag im Gespräch.

Dem Ortsteil Mühlrose werden die Auswirkungen des nahen Tagebaus nicht auf Dauer zugemutet, die Umsiedlung ist besiegelt. "Die Mühlroser tendieren ja zu Schleife, obwohl wir Platz haben. Ich wünsche mir, dass sich junge Familien in Trebendorf ansiedeln und die Baulücken füllen. Vielleicht sogar aus Mühlrose", ist Kerstin Antonius hoffnungsvoll.

Des Lobes voll ist die Trebendorferin über die Bürgermeister-Kollegen in der Region. Von Anfang an haben diese einen guten Draht miteinander gehabt, ob Weißwasser, Rietschen, Boxberg oder die unmittelbaren Nachbarn. Erfahrungen austauschen, den Norden des Landkreises stärken, gegen die Gewerbesteuerrückzahlungen kämpfen - "das hat uns zusammengeschweißt. Letztlich hat uns die Energiepolitik der Bundesregierung in die Lausitz-Runde geführt - inzwischen länderübergreifend und mit den Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg mit im Boot. Ich schätze das sehr, so etwas ist nicht selbstverständlich."

Auf sieben Jahre zurückblickend sei die Zeit, die sie in die Vorbereitung von Ratssitzungen investierte, schon immens gewesen. "Ich bereite jede Sitzung immer gewissenhaft vor, um über alles zu berichten. Auch im Amtsblatt mache ich das lieber ausführlicher zum besseren Verständnis." Sie könne sich auch nicht beklagen, was die Arbeit der Verwaltung in Schleife angeht. "Keiner von uns ist ein Roboter, und bei Fehlern haben wir uns offen auseinandergesetzt und die Dinge geklärt." In ihr Dankeschön bezieht Kerstin Antonius all jene Bürger und Räte ein, die sie intensiv unterstützten. "Wir haben überwiegend an einem Strang gezogen." Fakt sei: "Als Bürgermeisterin werden einem auch Grenzen gesetzt, die man so nicht erwartet, aber vom Gesetz her verpflichtet ist, sie einzuhalten." Kerstin Antonius wiederholt das Wort Steuerrückzahlung.

Was will die 52-Jährige künftig mit der gewonnenen Freizeit anfangen? "Ich hab dann wieder mehr Zeit für meine Familie, die Familien unserer Jungs und für unsere Enkeltochter. Meine Eltern brauchen mich, sie werden ja auch nicht jünger, und wir wohnen zusammen. Und beruflich will ich mich als Bauingenieurin neu orientieren."