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| 21:11 Uhr

Zukunftspläne für Gebäude von Weißwasser
„Der Stadtrat muss sich bekennen“

 Zur ersten Diskussion um die Gründung einer Interessengemeinschaft für die Erhaltung des Volkshauses und des Neufert-Baus in Weißwasser hat Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) eingeladen.
Zur ersten Diskussion um die Gründung einer Interessengemeinschaft für die Erhaltung des Volkshauses und des Neufert-Baus in Weißwasser hat Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) eingeladen. FOTO: Christian Köhler
Die neue Interessengemeinschaft zur Rettung des Volkshauses und des Neufert-Baus in Weißwasser fordert die Stadträte heraus. Von Christian Köhler

Um einen Neuanfang in Sachen Rettung des Volkshauses sowie des Neufert-Baus in Weißwasser zu starten, deshalb hat Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) am Montagabend Interessenten in den „Masz-Laden“ am Markt eingeladen. „Es geht mir um eine ergebnisoffene Diskussion“, erklärt Pötzsch den gut 30 Anwesenden.

Immerhin gibt es bereits verschiedene Gruppen, etwa den Neufert-Bau-Verein oder den Förderverein des Volkshauses „Denk Mal Mit Leben“, die sich für die Erhaltung der zentralen Gebäude jeweils einsetzen. Aus Sicht des Rathauschefs sollten doch lieber alle zusammenarbeiten, „und den Schwung des Bauhaus-Jahres mitnehmen, damit ein Domino-Effekt entsteht“. Es mache keinen Sinn, beide Objekte voneinander getrennt zu betrachten, zumal sie, neben anderen, auf der Liste des Abschlussberichtes der Kohlekommission stehen und möglicherweise von den zugesagten Strukturhilfen profitieren könnten.

 Das Volkshaus in Weißwasser ist mit Geldern der Gewerkschaft 1928 errichtet worden. Sein Architekt Emil Lange war Mitglied des Bauhauses.
Das Volkshaus in Weißwasser ist mit Geldern der Gewerkschaft 1928 errichtet worden. Sein Architekt Emil Lange war Mitglied des Bauhauses. FOTO: Christian Köhler

Verabredet wurde ein weiteres Treffen. Weil bereits Montag deutlich wurde, dass es noch Gräben zwischen den Vertretern beider Gebäude gibt, will Pötzsch klare Regeln festlegen: „Es soll ein respektvoller Umgang sein. Es geht darum, Argumente für etwas zu suchen und nicht gegen etwas“, sagt er. Ziel müsse es sein, „eine Konsensvereinbarung“ auf den Weg zu bringen, die einer Zusammenarbeit zugrunde liegt. „Ganz wichtig scheint mir zu sein, dass wir auf Sätze wie „man müsste mal“ verzichten sollten“, sagt er zum Schluss.

 So sieht der Neufert-Bau in Weißwasser aus, wenn man mit dem Zug vorbeifährt. Der Bau diente als Lager für die Glasindustrie.
So sieht der Neufert-Bau in Weißwasser aus, wenn man mit dem Zug vorbeifährt. Der Bau diente als Lager für die Glasindustrie. FOTO: Christian Köhler

Zuvor nämlich sind die Anwesenden gefragt worden, wie sie sich in den kommenden Wochen engagieren wollen, was ihre Motivation ist, bei einer Interessengemeinschaft mitzumachen. Brigitte Schönsee etwa wünscht sich, wie die Mehrheit der Anwesenden, „dass das Volkshaus wieder belebt wird“.

Else Abraham ist seit 47 Jahren Weißwasseranerin und würde sich freuen, „wenn das Volkshaus wieder seiner Bestimmung zugeführt wird“. Das sieht auch Hannelore Schmied so. „Das Volkshaus gehört zum Gesicht der Stadt“, sagt sie, „und um ehrlich zu sein, den Neufert-Bau lehne ich ab.“

Stadträtin Gudrun Stein (Linke) wiederum hat eine andere Meinung zum Neufert-Bau, der Anfang der 90er Jahre von der Treuhand verkauft wurde: „Der Bau steht für die Industrialisierung der Stadt und sollte genauso erhalten werden“, sagt sie.  Dietrich Martin, der einst stellvertretender Direktor der Ingenieursschule in Weißwasser war, hofft, „dass Mittel für den Strukturwandel für beide Objekte genutzt werden können“.

Uli Teichert, ehemaliger Karnevalsvereinschef hat schon in unzähligen Runden zum Volkshaus gesessen. Er meint, „dass der Stadtrat sich klar zur Rettung der Gebäude bekennen muss“.

Sonst könne man Konzepte erarbeiten, wie man will. Für Knut Olbrich, der für die SPD zum Treffen kommt, geht es vor allem um die Sicherung der Gebäude. „Wir haben Mittel für das Volkshaus beantragt, die aber leider abgelehnt wurden“, sagt Torsten Pötzsch. Wolfgang Pohl wünscht sich, „dass beide Häuser gerettet werden“.

Pötzsch indes nutzt die Diskussion, um Gerüchten in der Stadt zu begegnen: „Der Neufert-Bau-Verein kümmert sich um das Haus, nicht die Stadt.“ Der Verein sei nicht gegen das Volkshaus, vielmehr wolle er helfen, es zu retten. Das bereits „Millionen“ dem Verein zugesagt sind, und damit Geld dem Volkshaus fehle, stimme nicht. „Ich habe noch keinen Zuwendungsbescheid erhalten“, erklärt Vereinsvorsitzender Holger Schmidt auf RUNDSCHAU-Nachfrage.