Von Regina Weiß

Die Zukunft der Braunsteichbrücke hat in diesen Wochen die Weißwasseraner umgetrieben. Daran ist die RUNDSCHAU nicht ganz unschuldig. 1000 Leser hatten sich an der Umfrage der Heimatzeitung beteiligt. 937 Teilnehmer waren sich eins: Die Braunsteichbrücke gehört zu Weißwasser und muss unbedingt erhalten bleiben. Darin waren sich auch die 30 Gäste beim Bürgerforum der Wählervereinigung Klartext einig, das am Mittwochabend in der Hafenstube stattgefunden hat. Die Frage ist nun das Wie? Und diese ist nicht so einfach zu beantworten, wie sich im Laufe der anderthalbstündigen Diskussion gezeigt hat.

Es sind nicht nur die 300 000 Euro, die eine Sanierung kosten würden. Thomas Böse, Referatsleiter Bau im Rathaus, übernimmt trotz ausdrücklicher Betonung, auch für den Erhalt der Brücke zu sein, die Aufgabe, das Kontra darzustellen. Maßgabe ist der Doppelhaushalt und die dazu gehörende Investitionsplanung für fünf Jahre voraus. Schwerpunkte seien Pflichtaufgaben wie Schule, Kita, Straßen. Die Braunsteichbrücke gehöre definitiv nicht dazu. Das Bauwerk erschließe ein Waldgebiet, sie werde nicht gebraucht, um an bewohnte Grundstücke zu kommen. 1967 wurde die Brücke eingeweiht, um die Naherholung zu entwickeln. Strand und Dusche sowie Tanzdiele waren entstanden. „Davon ist nichts mehr da“, so Böse.

1989 stand die Brücke schon einmal zur Disposition

Er erinnert mit Blick ins Material vom Ortschronisten, dass Weißwasser schon einmal vor der jetzigen Situation gestanden hat. 1989 erklärte ein Gutachter im Auftrag vom Rat der Stadt, dass Schwamm und Pilze ganze Arbeit geleistet hatten. Eine Reparatur der Brücke erschien unmöglich. 1991 war klar, dass eine neue Brücke her muss. Ab 1992 war sie deshalb für fast zwei Jahre gesperrt. 1994 gab es den Förderbescheid von 500 000 D-Mark. Bei der Abrechnung zeigte sich dann, die Brücke hat 622 000 DM gekostet. Dass auch deshalb, weil Stahlträger bis zu zehn Meter versenkt werden mussten.

Diese machen die Brücke heute noch grundsätzlich sicher, aber der Oberbau werde nicht besser. Um diesen geht es vor allem, wenn über Erneuerung gesprochen wird. Hinzu kommen die Zeitgenossen, die sich immer wieder an der Brücke auslassen. Erst am Sonntag müssen die Latten eines ganzen Geländerfeldes daran glauben. Kokelspuren sind außerdem zu erkennen.

Weißwasser gehört das Grundstück gar nicht

Die Problemlage ist komplex. Denn auch das Grundstück, auf dem die Brücke steht – Braunsteich und Ufer – gehört nicht der Stadt, sondern Sachsenforst. Warum nicht die mit ins Boot holen bei den Bauarbeiten, wirft Karin Ott ein. Das sei kein ernsthaftes Thema, erklärt Thomas Böse. Vielmehr sei es so, dass Sachsenforst am liebsten den Braunsteich an die Stadt verkaufen möchte.

Kein Geld für Brückensanierung im Haushalt

Womit man nicht nur deshalb beim lieben Geld ist. Der 2018er-Etat sei mühsam beschlossen worden. Für 2019 habe man kein Geld für den Bau von Gehwegen oder unbefestigten Straßen eingeplant. Hinzu kommen Verkehrssicherungspflicht und Unterhaltung für die Brücke. Und genau da hat Hans Schober so seine Zweifel, ob dort alles unternommen wurde, was nötig gewesen wäre. Ein Farbanstrich, so ist er sich mit seinem Sohn Olaf sicher, hätte dem Holz zu einem längeren Leben verholfen. Neben seiner Kritik macht er aber auch klar, „dass die Weißwasseraner an ihrer Braunsteichbrücke hängen, wie die Pariser an ihrer Kathedrale.“ (A. der Red. die durch den Brand zerstörte Notre-Dame). Dietmar Belitz widerspricht, was das Thema Anstrich betrifft. Farbe hätte das behandelte Holz noch schneller zerstört.

Sei es wie es sei. Entscheiden muss über die Brücke der Stadtrat. Deshalb wollen Andreas Friebel (Klartext) und Hartmut Schirrock (Wir für hier) auch die Stimmlage einfangen. Sie bekommen zu hören, dass die Brücke zu Weißwasser gehört; ein Wahrzeichen ist, von den Erholungssuchenden genutzt wird und wichtig ist für die Weißkeißeler Anwohner.

Kann eine Spendensammlung beim Erhalt helfen?

Dietmar Wiesner bringt die Idee ein, eine Spendensammlung zu initiieren. Zumindest als Konfinanzierung will das auch Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) nicht von der Hand weisen. Denn die Maßgabe muss nun sein, sich auf die Suche nach dem passenden Förderprogramm zu begeben. Da könnte sich beim Geopark Muskauer Faltenbogen eine deutsch-polnische Möglichkeit auftun. „Der Geopark trägt Dinge zusammen, die dann geprüft werden“, deutet Pötzsch an. Er ist sich auch sicher: „Die Brücke ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken.“

Dass sich auch Bürger aus Weißkeißel für den Erhalt aussprechen, will Pötzsch als Grundlage nehmen, um mit seinem Kollegen Andreas Lysk (parteilos) ins Gespräch zu kommen.