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| 16:13 Uhr

Abwasser
Bürger muss tiefer in die Tasche greifen

Für die mobile Entsorgung von Abwasser müssen die Bürger in den Mitgliedsgemeinden des Wasserzweckverbandes Mittlere Neiße – Schöps und in Bad Muskau jetzt mehr bezahlen.
Für die mobile Entsorgung von Abwasser müssen die Bürger in den Mitgliedsgemeinden des Wasserzweckverbandes Mittlere Neiße – Schöps und in Bad Muskau jetzt mehr bezahlen. FOTO: Guido Grochowski/Fotolia / Fotolia
Weißwasser. Grundstückseigentümer müssen für die mobile Abwasserentsorgung seit Jahresbeginn mehr bezahlen. Besonders hart trifft es die Bad Muskauer. Von Gabi Nitsche

Für Egon Richter aus Köbeln ist es völlig unverständlich, dass man sich in Groß Düben  bei der mobilen Entsorgung über 34,09 Euro pro Kubikmeter Klärschlamm aufregen kann, wie er es in der RUNDSCHAU las.   „Diesen Preis würden wir hier gern bezahlen“, so der Senior. Denn die stünden in keinem Verhältnis zu dem, was in Bad Muskau seit 2018 entrichtet werden muss: 88,12 Euro. Zuvor kostete die gleiche Leistung den Bürger 49,80 Euro. Der drastische Anstieg sei absolut nicht nachvollziehbar. Denn sowohl für Groß Düben als Mitglied im Wasserzweckverband Mittlere Neiße – Schöps (WZV) als auch für die  Ver- und Entsorgungswerke GmbH Bad Muskau (VEW) haben die Stadtwerke Weißwasser GmbH 2018 die mobile Entsorgung übernommen. Richter geht davon aus, dass es also an den Stadtwerken nicht liegen kann.

Die RUNDSCHAU bat VEW-Geschäftsführer Stephan Kaiser,   den Bad Muskauer Preis zu erklären: „Die Kalkulation der Preise zur dezentralen Entsorgung wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) durchgeführt. Grundlage sind die Transportkosten, die Aufbereitungskosten auf der Kläranlage Bad Muskau und der Anteil der Abschreibung der für die Fäkalentsorgung vorzuhaltenden Anlagenteile. Diese Gesamtkosten werden zuzüglich/abzüglich der in der vergangenen Kalkulationsperiode aufgelaufenen Unter- beziehungsweise Überdeckungen auf die voraussichtlich zu entsorgenden Mengen umgelegt. Trotz des recht hohen Preises ist die Belastung pro Einwohner durch die dezentrale Entsorgung deutlich geringer als die der zentral entsorgten Grundstücke.“ In der Vergangenheit war die Entsorgung laut Kaiser nicht mehr kostendeckend.

Und wie ist es beim WZV und den 16 Mitgliedsgemeinden abwasserseitig? Auch dieser kam nicht umhin, die Gebühren zu Jahresbeginn anzuheben.  Der Knackpunkt sind die geringeren Abfuhrmengen, sagt Geschäftsführerin Petra Brünner. „Sie sind total eingebrochen. Wenn es vor der Umrüstpflicht auf Bio um rund 6000 Kubikmeter ging, sprechen wir jetzt von 1500 Kubikmeter. Das ist schon heftig.“

Auch der gestiegene Verwaltungsaufwand schlage sich in der Kalkulation entsprechend nieder. Der Gesetzgeber lasse jetzt keinen Spielraum mehr. „Wir müssen die Forderungen aus der Kleinkläranlagen-Verordnung einhalten. Das heißt, das Kleinkläranlagen-Kataster akribisch zu führen. Und wir haben rund 2600 Anlagen.“  Wenn Entsorgungsmengen, der Trinkwasserverbrauch, die Wartungsprotokolle, Einhalten von Grenzwerten und Weiteres nicht ordentlich nachgewiesen werden, reagiert der Gesetzgeber sofort. Er würde sich dafür Abgaben von den Kommunen holen. In der Folge würden diese dann die Einwohner zur Kasse bitten. Früher konnte der ganze Aufwand für die etwa 2600 Anlagen auf besagte 6000 Kubikmeter Abwasser umgelegt werden. Jetzt stehen dafür eben nur die 1500 Kubikmeter zur Verfügung. Das mache sich logischerweise negativ bemerkbar, weist Petra Brünner hin.

In den vergangenen Jahren war ein Dienstleistungsunternehmen aus Waldhufen in den Mitgliedsgemeinden des WZV unterwegs, um die Abwässer einzusammeln. Der Vertrag lief aus, es musste neu ausgeschrieben werden für 2018 bis 2020. Das erfolgte in zwei Losen für den WZV und die VEW. Die Stadtwerke und eine überregionale Firma bewarben sich. Den Zuschlag erhielten die Weißwasseraner. Das andere Angebot übertraf dieses um ein Fünffaches.

Das sind die neuen Preise im WZV-Gebiet: Bei abflusslosen Gruben sind statt 13,35 nun 15,15 Euro je Kubikmeter zu bezahlen, bei Bio-Kleinkläranlagen statt 27,29 nunmehr 34,09 Euro je Kubikmeter Klärschlamm. „Aber man darf nicht vergessen, dass aus den Bio-Anlagen ja nicht mehr jedes Jahr, sondern alle zwei bis drei Jahre ein bis zwei Kubikmeter abgefahren werden müssen“, so Petra Brünner Damit relativiere sich der Preis. Bei abflusslosen Gruben geht es um rund 20 Kubikmeter je Jahr.

 Im Vergleich der Gebühren für die mobile Entsorgung von zwölf Kommunen beziehungsweise Verbänden im regionalen Umfeld nimmt der WZV einen Mittelplatz ein. Positive Ausreißer in der Tabelle bei der dezentralen Entsorgung aus Kleinkläranlagen sind Trebendorf und Halbendorf (22,45 Euro je Kubikmeter), Hoyerswerda (23,98 Euro), Schleife (24,57) sowie Weißwasser (29,47). Nicht so günstig stehen Rothenburg und Reichenbach da, die Grundgebühren verlangen. Den absoluten „Spitzenplatz“ nimmt jedoch Bad Muskau mit 88,12 Euro je Kubikmeter ein.