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Bücherwürmer werden zehn

Sigrid Marschall und Gudrun Hirschmann blättern in der Chronik der Bücherwürmer.
Sigrid Marschall und Gudrun Hirschmann blättern in der Chronik der Bücherwürmer. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Frei nach Loriot "Ein Leben ohne Bücher ist möglich, aber sinnlos". Diese Umdichtung der RUNDSCHAU würden Sigrid Marschall und Gudrun Hirschmann sofort unterschreiben. Seit zehn Jahren sind die beiden ganz offiziell Bücherwürmer. Regina Weiß

Jeden ersten Mittwoch im Monat wird in der obersten Etage vom Turmcafé in Weißwasser Literatur ganz groß geschrieben. Dort trifft sich der Literaturkreis, der unter dem Dach der Volkshochschule ins Leben gerufen worden ist, und seit zehn Jahren zwar noch keine Bücher, aber zumindest einen dicken Aktenordner füllt. Den durchblättern Gudrun Hirschmann und Sigrid Marschall und staunen selbst, was in diesen zehn Jahren alles schon auf die Beine gestellt wurde und welche neue Seiten man aufgeschlagen hat.

Hunderte Bücher erscheinen täglich neu. Auch wenn man den ganzen Tag nur lesen wollte, würde man die Masse nie bewältigen können. Um so interessanter sei, findet Gudrun Hirschmann, welche Anregungen man von den Bücherwürmern mitnehmen kann. Denn ein jeder der 20 Teilnehmer - wenn auch nicht immer alle da sind - stellt im Verlaufe des Jahres Bücher vor. "Das wird richtig akribisch vorbereitet", erzählt Sigrid Marschall. Infos zum Schriftsteller, zur Geschichte und Leseproben führen in den Abend ein.

Dann wird diskutiert. "Und da geht es manchmal richtig kontrovers zu", weiß Gudrun Hirschmann. Nach gut zwei Stunden in netter geselliger Runde nehme man meist sehr viele Anregungen und Wissen mit heim. "Ich habe in der Zeit ziemlich viel über Literatur gelernt", gibt Gudrun Hirschmann unumwunden zu. Noch heute ist sie froh, wie sich vor zehn Jahren alles gefügt habe. Der Traum war da, einen Literaturkreis zu gründen. Mit Sigrid Marschall hatte sie sofort dann die Richtige im Blick, die die Moderation machen sollte. Und auch für Sigrid Marschall kam das Thema zum richtigen Zeitpunkt. "Ich hatte eine Aufgabe", sagt sie.

Im Spätherbst werden die Vorschläge eingesammelt, welchen Bücher oder Themen man sich im kommenden Jahr stellen will. Danach wird der Jahresplan erstellt, der abwechslungsreich durch die Genres hüpft. "Es hat ja so jeder seine Spezialstrecke", erklärt Sigrid Marschall. Ob Krimis oder Lyrik, ob Sachbücher oder Roman - da wird's nie langweilig. Bei allem soll aber die Region nicht zu kurz kommen.

"Vom Ochsenkutscher zum Laden" hieß es beispielsweise aus Anlass vom 100. Geburtstag des Schriftstellers Erwin Strittmatter. Man wandelte auf den Spuren von Brigitte Reimann in Hoyerswerda, machte im Lessing-Museum Kamenz Halt oder hatte Waltraud Skodow zu Gast. Exkursionen führten beispielsweise zum Schulzenhof oder in Peter Sodanns DDR-Bibliothek. Nicht zu vergessen, die Hilfe der Bücherwürmer bei den Lesenächten der Volkshochschule. "Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft geworden", so Gudrun Hirschmann. Soll heißen, dass längst Freundschaften entstanden sind. Soll aber nicht heißen, dass neue Literaturfreunde nicht etwa erwünscht seien.

Junge Leser habe man versucht zu erreichen, in dem man sie mit ihren Projekten oder besonderen Begabungen eingeladen hat. So widmete man sich auch schon dem Poetry Slam.

Treffpunkt Bücherwürmer, 5. Oktober, 18 Uhr im Turmcafé Weißwasser.