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| 15:37 Uhr

Aus der Geschichte
Buchautor ist vom Gräfinnen-Mord überzeugt

Über „Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ gibt derzeit eine Ausstellung der Stiftung Fürst-Pückler Park Bad Muskau im Neuen Schloss Auskunft.
Über „Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ gibt derzeit eine Ausstellung der Stiftung Fürst-Pückler Park Bad Muskau im Neuen Schloss Auskunft. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Wolfram Klumpp präsentiert spannende Fakten über den Tod der Laura von Arnim. Von Torsten Richter-Zippack

Das unnatürliche Ableben der Laura von Arnim im Alter von 34 Jahren gibt weit über ein Jahrhundert später noch immer Rätsel auf. Die geborene Laura von Lotzbeck hatte im Jahr 1880 Traugott von Arnim geheiratet. Dank ihres Vermögens konnte der Graf anno 1883 die Muskauer Standesherrschaft erwerben. Möglicherweise ist Laura von Arnim ihr gewaltiges Vermögen drei Jahre später zum Verhängnis geworden. Fakt ist, dass sie am 17. Oktober 1886 tot im Murgtal im Nordschwarzwald gefunden worden war.

Wolfram Klumpp, der in dieser Gegend zu Hause ist, glaubt jedenfalls an keinen Unfall. Sondern an Mord. Bereits seit Jahren beschäftigt sich der IT-Experte mit dem Schicksal der von Arnimschen Gräfin. Im April 2017 ist sein Buch „Mord im Murgtal – Das Verschwinden der Gräfin von Arnim – ein öffentlich inszeniertes Schauermärchen“ erschienen. „Ich dachte anfangs auch an einen Unfall. Aber meinen umfangreichen Recherchen zufolge muss Laura umgebracht worden sein“, erklärt Klumpp. Für seine These spricht, dass die Leiche äußerlich keinerlei Spuren von Gewalt zeigte. So ist es im zeitgenössischen Leichenbericht festgehalten. „Ich kenne die Murg wie meine Westentasche. Wenn tatsächlich jemand in diesen Fluss stürzt, wird er von den reißenden Wassermassen fortgerissen und knallt gegen die vielen Felsen.“ Die Leiche wurde, aus welchen Gründen auch immer, nie obduziert.

Laut Wolfram Klumpp soll Laura von Arnim kurz vor ihrem Tod in einem Kurhotel im Nordschwarzwald gewohnt haben. Dieses befindet sich rund sieben Kilometer Luftlinie vom Fundort der Leiche entfernt. Berichten, dass sich die Gräfin, genauso wie ihr Vater, in der Nervenheilanstalt Illenau im badischen Achern als Patientin aufgehalten haben soll, tritt Wolfram Klumpp entschieden entgegen. „Ich habe von ihr keine entsprechende Akte gefunden.“

Nur zwei Tage nach dem Leichenfund in der Murg erschien in der Badischen Landeszeitung ein längerer Bericht mit weit über 700 Wörtern. „Da stellt sich doch die Frage, wie gelangten die Informationen vor über 130 Jahren so schnell in die Redaktion. Es kann sich also um einen vorgefertigten Artikel handeln, wobei der Autor Täterwissen besaß“, argumentiert Klumpp. Der Verfasser ist indes unbekannt. „Es war ein öffentlich inszeniertes Schauermärchen“, kommentiert der Buchautor.

Er vertritt folgende These: Laura von Arnim litt zur damaligen Zeit an schweren Depressionen. Dagegen nahm sie diverse Medikamente, Opiate, ein. Gleichzeitig soll die Gräfin über starke Verdauungsbeschwerden geklagt haben, eine Begleiterscheinung des Medikamentenmissbrauchs. „Ich denke, ihr eigener Mann, also Traugott von Arnim, hat sie mit einer Überdosis der Opiate vergiftet“, sagt Wolfram Klumpp. Anschließend sei die Leiche mehrere Kilometer durch den Wald transportiert worden. Nahe der Fundstelle befindet sich bis heute eine Papierfabrik, in der ein Schuppen als Eiskeller diente. Dort wurde Laura über fünf Wochen aufbewahrt, anschließend am nahen Flussufer abgelegt.“ Nach Erscheinen seines Buches, so berichtet Klumpp, habe sich ein Mitarbeiter der Papierfabrik gemeldet und ihm bestätigt, dass es diesen Eiskeller tatsächlich gegeben hat. „Die Theorie mit der Kühlung könnte also stimmen“, kommentiert Wolfram Klumpp. Pikant: Der Eiskeller-Schuppen befindet sich ganze 15 Meter vom Fundort der Leiche entfernt. Dort steht übrigens der Kreuzfelsen. Denn an jenem Ort war bereits zuvor der örtliche Bürgermeister ums Leben gekommen.

Als Motiv für den Mord gibt der Buchautor Geldgier an. Denn die Familie von Lotzbeck hatte in der Tabakindustrie ein gewaltiges Vermögen verdient. Erst durch die gegebenen Sicherheiten seiner Frau konnte, so Klumpps Theorie, Traugott von Arnim die Muskauer Standesherrschaft erwerben. Kraft damaligen Gesetzes fiel das Erbe, sofern keine weiteren Familienmitglieder mehr vorhanden waren, an den jeweiligen Ehegatten.

Wolfram Klumpp sagt, dass er zu diesem Fall die Nachfahren der von Arnimschen Standesherren auf Muskau angeschrieben hat. Bis heute sei jedoch keine Antwort eingetroffen. „Ich vermute, man versucht, die ganze Geschichte herunterzuspielen“, sagt der 64-Jährige.

Er selbst sei durch seinen Vater, der von 1965 bis 1974 Bürgermeister und später Ortsvorsteher des Ortes Langenbrand im Murgtal war, auf das Schicksal der Gräfin von Arnim gestoßen. „Vater hatte mir gesagt, dass mit der Laura etwas nicht stimme. Mit der Gräfin sei etwas Merkwürdiges geschehen“, sagt Wolfram Klumpp. So wurde der eigene Forscherdrang geweckt. „Ich habe die zeitgenössische Presse studiert, bin alle Wege, auf denen die Gräfin gegangen sein könnte, abgelaufen und habe eine Menge Indizien zusammengetragen“, beschreibt der Autor seine Herangehensweise.

Die Berliner Familienforscherin Dr. Agnete von Specht zweifelt indes an Klumpps Theorie. Während eines Vortrages im Neuen Schloss zu Bad Muskau hatte die von Arnimsche Familienexpertin gesagt, dass der Tod der Laura von Arnim wohl nie sicher geklärt werden könne. Und die Sache mit dem Eiskeller beziehungsweise der Eismaschine bezeichnet von Specht als „Räuberpistole“.