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| 13:50 Uhr

Kromlauer Park
Brückenschlag in die Sagenwelt

Thomas Bauer hält das Sagenbuch in der Hand, dass ihn für seine Einschätzung zum Kromlauer Park inspiriert hat.
Thomas Bauer hält das Sagenbuch in der Hand, dass ihn für seine Einschätzung zum Kromlauer Park inspiriert hat. FOTO: Regina Weiß
Kromlau. Die Befundaufnahme an Parkbauten in Kromlau ist im vollen Gange. Ingenieur bringt die Gebrüder Grimm ins Spiel. Von Regina Weiß

Mit Frau Holle, dem Rotkäppchen oder Dornröschen haben die Gebrüder Grimm für Bestseller gesorgt. Dass sie auch der deutschen Sagenwelt Platz für die Ewigkeit eingeräumt haben, ist vielleicht nicht so vielen bekannt. Aber das könnte sich mit dem Blick auf den Kromlauer Park durchaus ändern. Denn für Bauingenieur Thomas Bauer von der Bauer Lauterbach GbR aus Dresden ist da durchaus ein Zusammenhang herzustellen. „Auch wenn wir erst ganz am Anfang stehen“, erzählt er der RUNDSCHAU von seinen Erkundungen in Büchern und Steinen. Das Büro hat sich unter anderem mit steintechnischen Werkplanungen in 3 D einen Namen gemacht. Jüngst haben sie beispielsweise den Wenzelssaal auf dem Prager Hradschin vermessen. In Kromlau heißt die Aufgabe: denkmalpflegerische Befundaufnahme mit Scanning, Planerstellung, Befunduntersuchung, statischer Analytik und steintechnischer Planung der Brücke und Basaltgruppe um 1860. „Es ist technisch-konstruktiv eine höchst anspruchsvolle Geschichte“, so der Baufachmann. Sicherung heißt für ihn das Gebot der Stunde. Noch dazu, weil die Leichtsinnigen nicht weniger werden. Er zeigt auf den Steinhaufen, der mal die Grotte war. Über Nacht war dieses Bauwerk einfach so in sich zusammengesackt. Dieses Schicksal soll ja der Rakotzbrücke eben nicht passieren. „Aber dort sollte auch niemand mehr unten durchlaufen“, so der Experte. Während der Untersuchungen an der Brücke sei ein handtellergroßes Stück Mörtel aus der Bücke gebrochen und nach unten gefallen. Für Bauer ist auch klar, dass die Brücke in den all den Jahren noch mehr gebröckelt hätte. wären nicht zu DDR-Zeiten nach den damaligen Fertig- und Möglichkeiten Sicherungsarbeiten am Bauwerk erfolgt. Deshalb habe er sich gefreut, dass Werner Kubo, Kromlaus Bürgermeister a.D., während seiner Arbeit vorbeigeschaut hat und mit ihm ins Gespräch gekommen ist. Trotz der damals aufgebrachten Deckschicht an der Brücke haben sich an der Unterseite Stalaktiten wie in einer Tropfsteinhöhle gebildet.

Von 16 verschiedenen Stellen im Park hat Thomas Bauer die Bauwerke rund um den Rakotz gescannt. Aus diesen Daten ergibt sich Letztlich ein 3 D-Modell. Bei der Brücke steht jetzt fest, dass zwei aus Ziegelsteinen gemauerte Höhlen – gerade mal groß genug für Zwerge – übereinanderliegen. Sie tragen die Last, indem sie den Gewölbekämpfer als Teil des Widerlagers aufnehmen. Der Basalt sei „nur“ Optik.

Apropos Basalt. Die Orgel im See haben sich die Fachleute auch genau unter die Lupe genommen. „Das sieht gar nicht gut aus“, so Bauers Einschätzung. Eine der längsten Säulen ist dabei ein absoluter Wackelkandidat.

Doch die Untersuchungen vor dem Baustart gehen noch tiefer und das im wahrsten Sinne des Wortes. Professor Ekkehard Weber aus Cottbus wird noch im Mai mit Baugrunduntersuchungen starten. Mörtelproben wurden bereits genommen und werden auch analysiert.

Das ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die Geschichte der Bauwerke. Und die nimmt Thomas Bauer für sich gefangen. Mit Kollegen hat er sich schriftlich ausgetauscht, wo es noch überall Teufelsbrücken – so wird die Rakotzbrücke auch genannt – gibt. „Es sind nicht wenige“, so Bauer. Auch in den Sagen der Gebrüder Grimm ist die Mär um ein solches Bauwerk aufgeschrieben. Es geht um einen Baumeister, den Teufel und einen Hahn. Der wird schließlich über die Brücke gejagt und vom Teufel durchs Loch geschmissen. Auch bei der Rakotzbrücke gibt es dieses Hahnloch. „Da fehlt nicht etwa ein Stein. Das ist bewusst so gemacht“, erklärt Thomas Bauer. Auch andere Bauwerke lassen sich mit Sagen in Verbindung bringen. Nicht etwa Kain und Abel, wie angenommen, haben die Grotte vor ihrem Einsturz geziert, sondern vermutlich Bergleute. Darauf deuten Figurfunde. „Wir haben Hände und Arme gefunden, die sich umarmen.“ Nichts deutet also auf einen Bruderzwist hin. Vielmehr könnte die Sage vom „Berg-Mönch aus dem Harz“ dem Bau zugrunde liegen. Die Basalt-Säulen der Orgel sind vielleicht die „Riesen-Säulen“ und die kleine Brücke am Rakotz ein Drachenmaul. Einfach sagenhaft!

Die Orgel im Rakotzsee: Auch dort besteht dringender Handlungsbedarf.
Die Orgel im Rakotzsee: Auch dort besteht dringender Handlungsbedarf. FOTO: Regina Weiß
Hat der Teufel etwas mit der Rakotzbrücke zu tun? Die Bauwerke im Park könnten von Sagen inspiriert sein.
Hat der Teufel etwas mit der Rakotzbrücke zu tun? Die Bauwerke im Park könnten von Sagen inspiriert sein. FOTO: Regina Weiß