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| 02:47 Uhr

Brückenpark kann Gestalt annehmen

Görlitz. Der Brückenpark entlang der Neiße als gemeinsames Projekt der Städte Görlitz und Zgorzelec kann Gestalt annehmen. Aus dem von der Europäischen Union mitfinanzierten deutsch-polnischen Förderprogramm Interreg stehen dafür circa 3,1 Millionen Euro zur Verfügung. Uwe Menschner / ume1

Der Name "Brückenpark" ist den Bewohnern von Görlitz und Zgorzelec schon seit vielen Jahren geläufig. Geht er doch auf die Zeit der gemeinsamen Bewerbung beider Städte als europäische Kulturhauptstadt 2010 zurück.

Die Bewerbung blieb erfolglos, und das Projekt verschwand - zumindest für breite Teile der Bevölkerung - vorerst in der Versenkung. Zumal die Idee eines grenzübergreifendes gemeinsamen Stadtzentrums beiderseits der Neiße mit zusätzlichen Flussquerungen nicht auf ungeteilte Gegenliebe stieß. Dies reichte bis hin zu einem Bürgerbegehren gegen den bereits konkret geplanten Bau einer Fußgängerbrücke in Verlängerung des Lindenwegs, das 4375 Görlitzer unterzeichneten.

Dessen Vollzug erwies sich allerdings als unnötig, da der Stadtrat den entsprechenden Beschluss aus Kostengründen selbst annullierte. Der Grund: Der Bund hatte angekündigt, die ursprüngliche zugesagte Förderquote von 90 Prozent auf 60 Prozent abzusenken. Allerdings war bereits im damaligen Beschluss festgehalten, dass die Stadt Görlitz am Brückenpark-Projekt festhalten und dafür günstigere Fördermöglichkeiten nutzen wolle. Diese hat man jetzt mit dem Interreg-Programm, das eine 80-prozentige Förderung bietet, gefunden.

"Unsere Ämter bereiten die Vergabeunterlagen vor, damit es im Frühjahr mit den Bauarbeiten losgeht", erklärt der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz. Auf polnischer Seite sei man über die Förderzusage sehr erfreut und arbeite als Lead-Partner mit Hochdruck an der Umsetzung des Projekts, um "für die Bürger beider Städte an der Neiße neue Möglichkeiten der gemeinsamen und partnerschaftlichen Begegnung zu schaffen."

Und der Görlitzer Bürgermeister Dr. Michael Wieler (parteilos) ergänzt: "Die zwei Seiten der Europastadt rücken dadurch näher zusammen."

Der "Brückenpark" geht auf eine bereits 1910 erstmals formulierte Idee einer Erholungslandschaft beiderseits der Neiße in der damals noch ungeteilten Stadt Görlitz zurück. "Dabei bilden historisch gestaltete und neu entwickelte Parks und Freiflächen eine Grünverbindung über die Neiße hinweg. Ein Netz kurzer Wege und Brücken soll die Nutzung verschiedener städtischer Angebote für alle erschließen und Begegnungen erleichtern", erläutert Stadtsprecher Wulf Stibenz.

Erste Maßnahmen zur Aufwertung der Uferzone realisierte jede der Teilstädte zunächst selbstständig. So gestaltete Zgorzelec den Popieluszko-Platz und weitere Freiflächen am Dom Kultury neu. Görlitz sanierte das von Industriebrachen geprägte Altstadtufer und formte mit dem Uferpark ein Bindeglied zum Stadtpark.

Mithilfe der nunmehr gewährten Interreg-Förderung revitalisiert Zgorzelec einen weiteren Park auf der östlichen Neißeseite, die Stadt Görlitz erneuert die Rosenterrasse im Stadtpark, den Park des Friedens und das Stadthallenufer. Eine Ausstellung zur Geschichte der Region, Lehrtafeln, ein interaktives Leitsystem, ein Imagefilm sowie thematische Veranstaltungen sollen den Besuchern dabei helfen, den zur jeweiligen Nachbarstadt gehörenden Teil des Brückenparks zu erkunden. "Eine gemeinsame Arbeitsgruppe beider Stadtverwaltungen, die sich regelmäßig seit 2015 trifft, begleitet das Projekt", so Wulf Stibenz.

Flankiert wird der Brückenpark zudem durch ein deutsch-polnisches EU-Förderprojekt im Straßenbau, welches auf deutscher Seite Teile der Dr.-Kahlbaum-Allee umfasst. Es beinhaltet die Wiederherstellung des ursprünglichen Allee-Charakter und schafft neue Querungen für Radfahrer und Fußgänger.