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| 14:30 Uhr

Projekttag
Brieftauben begeistern die Neißekinder

Gebannt verfolgen die Sagarer Grundschüler den Abflug der Brieftauben aus Karsten Rathmanns Voliere.
Gebannt verfolgen die Sagarer Grundschüler den Abflug der Brieftauben aus Karsten Rathmanns Voliere. FOTO: Richter-Zippack
Weißkeißel. Der Faszination Brieftaube haben sich 17 Drittklässler der Sagarer Neißekinder-Schule verschrieben.

Große Aufregung herrscht diese Woche an einem sonnigen Morgen in Weißkeißel. Denn am dortigen Autohaus lässt Züchter Karsten Rathmann insgesamt fünf Brieftauben fliegen. Das ist an sich schon etwas Besonderes, denn normalerweise werden die Vögel in mehrere hundert Kilometer entfernte Orte verbracht, damit sie von dort in möglichst kurzer Zeit den Heimflug antreten. Diesmal müssen die Tauben nur geschätzte 500 Meter bis zum heimatlichen Schlag zurücklegen. Dort gibt es bereits die nächste Besonderheit. Bei Rathmanns tummeln sich bereits 17 Drittklässler der Sagarer Grundschule „Neißekinder“. Gespannt warten die Steppkes auf die Vögel. Schließlich hatten sie bereits am Autohaus gemutmaßt, welche Taube wohl die Schnellste sein werde.

Die Taubenexkursion zu Karsten Rathmann geschieht im Rahmen eines Projekttages der Schule, erklärt Klassenleiterin Iris Berger. Der Kontakt nach Weißkeißel sei durch Rathmanns Nachbar Lars Bülow zustande gekommen, dessen Tochter Sophia mit von der Partie ist. „Die Tauben wecken bei den Kindern Neugier“, sagt der Vater. „Sie lernen den Umgang mit Tieren und wie sich diese orientieren“, ergänzt Iris Berger. „Ich habe heute das erste Mal Kontakt zu Tauben“, sagt die neunjährige Lea. „Mich imponiert, wie gut sie fliegen können.“ Und ihre ein Jahr jüngere Klassenkameradin Dara beeindruckt die Eleganz der Vögel. Mit Tieren habe die Skerbersdorferin schon lange zu tun. Auf dem heimischen Hof leben jeweils zwei Katzen und Schafe.

Karsten Rathmann hat indes das Tauben-Gen im Blut. Kein Wunder, war doch bereits sein Vater in diesem Metier unterwegs. Drei bis vier Stunden pro Tag widme sich der dutzendfache Pokalgewinner seinen Tieren. Derzeit leben auf dem Weißkeißeler Gehöft 78 Reisetauben sowie 55 beringte Jungvögel. Einige Vögel werden voraussichtlich Anfang August die 1050 Kilometer von London nach Weißkeißel zurücklegen. Zwei Tage dürften sie wohl unterwegs sein, schätzt Rathmann, der sein Geld als selbstständiger Maler verdient.

Junge Leute werden bei den Taubenzüchtern immer gern gesehen. Die Zahl dieser Vogelliebhaber habe sich in den vergangenen Jahren stark reduziert, meist aus Altersgründen. So seien in den jeweiligen Vereinen in Gablenz und Bad Muskau nur noch sieben Mitglieder aktiv, einst waren es 16. Klar, dass bei Karsten Rathmann die leise Hoffnung mitschwingt, dass sich vielleicht der eine oder andere Sagarer Drittklässler früher oder später näher für die Brieftaubenzucht interessieren könnte.