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Breitbandausbau nicht ohne die Gemeinden

FOTO: Photographer: Silvano Rebai (44279808)
Görlitz/Boxberg. Die Kosten für eine flächendeckende Breitbandversorgung im Landkreis Görlitz können derzeit nur geschätzt werden. Das teilt die Dezernentin für Kreisentwicklung Heike Zettwitz gegenüber der RUNDSCHAU mit. Christian Köhler

"Das beauftragte Chemnitzer Unternehmen muss noch einiges nachbessern", unterstreicht sie. Bisher geht Zettwitz von zwei verschiedenen Summen aus, die als Investition bis 2020 auf den Kreis und die Kommunen zukommen. Das hänge mit den Methoden zusammen, wie künftig der Internetzugang realisiert werden soll.

Die Versorgung mit Glasfaserkabeln ziehe Kosten von bis zu 31,4 Millionen Euro in Weißwasser, Gablenz, Krauschwitz, Bad Muskau und Boxberg nach sich. Entscheidet man sich für das sogenannte Vectoring, koste der Breitbandausbau schätzungsweise 18,25 Millionen Euro für das Gebiet. Bei beiden Summen sind die Gemeinden Rietschen, Schleife, Trebendorf und Groß Düben von der Kostenschätzung ausgenommen, da sie bereits eigene Lösungen in Angriff genommen haben.

Nun wolle der Landkreis auf die Gemeinden zugehen und jeweils über die Varianten sprechen, um anschließend nur einen einzigen Förderantrag bei Bund und Freistaat zu stellen. "Den größten Investitionsbedarf beim Breitbandausbau im Landkreis sehen wir in Boxberg", erklärt Heike Zettwitz. Eine Zahl wollte sie in diesem Zusammenhang nicht preisgeben.

Auch Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU), dem diese laut Dezernentin wie allen Bürgermeistern im Landkreis vorliegt, hielt sich im Gemeinderat am Montag mit Zahlen zurück. "Das sind nur Schätzungen, und es ist deshalb auch nicht sinnvoll, diese zu nennen", richtete er sich an die Bürger während der Ratssitzung. Diese machten mit ihrer Anwesenheit in der Sitzung nochmals deutlich, wie wichtig ein Ausbau der digitalen Infrastruktur in Boxbergs Ortsteilen vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung ist.

"Wir haben eine Petition mit 24 Unterschriften von Gewerbetreibenden aus dem Ortsteil Tauer eingereicht", erklärt Edith Böhm, die einen Vier-Sterne-Ferienhof im Boxberger Ortsteil Tauer betreibt - und damit für die touristische Entwicklung der Gemeinde von großer Bedeutung ist. Ihre Gäste könnten ihre Laptops, Smartphones oder iPads gar nicht nutzen. Dabei ist die Lage noch dramatischer: In der Petition, die der RUNDSCHAU vorliegt, heißt es: "Die derzeitige Leistungskapazität beträgt 384 Kilobit pro Sekunde." Nach der Umstellung auf IP-Telefonie werde der Zustand jedoch immer prekärer. Es komme täglich zu Ausfällen bei Festnetz und Internet, heißt es in der Petition. "Das ist doch kein Zustand in der heutigen Zeit", erklärt auch Mitunterzeichnerin Stephanie Grau. Boxbergs Bürgermeister entgegnete am Montag: "Wir haben ihre Probleme verstanden und leiten sie an den Kreis weiter."