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Brauerei wird vom Wildwuchs befreit

Blick auf das Gebäude, das auf den Architekten Ludwig Persius zurückgeht.
Blick auf das Gebäude, das auf den Architekten Ludwig Persius zurückgeht. FOTO: Regina Weiss
Bad Muskau. "Das Konzert der Kettensägen ist gerade verstummt", sagt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, am Rande eines Pressegesprächs. Die "Melodie" war Anfang der Woche in der Brauerei/Niederländischen Hof angestimmt worden. Regina Weiß

Als "Musikanten" agieren Teilnehmer der deutsch-polnischen Jugendbegegnung und der Stiftung.

"Hier sah es fast aus wie bei Dornröschen", zieht Gärtner Gilbert Habedank den Vergleich mit dem Märchen. Nur dass das Brauereigelände nicht mit Rosen bewachsen war. "Die Brombeeren standen hier meterhoch", so Gilbert Habedank. Doch von dem üppigen Wildwuchs ist nichts mehr zu sehen. Ebenso gibt es das Gestrüpp aus Pappeln und Weiden nicht mehr, das die massiven Backsteingebäude umzingelt hatte. Jahrzehnte hatte die Natur Zeit, sich das Gelände zurückzuerobern. Jetzt ist die grüne, undurchdringliche Mauer verschwunden.

"Das alles läuft unter der Maßgabe Verkehrssicherungspflicht", erklärt Parkmeister Bernd Witzmann. Alles sei mit den entsprechenden Stellen abgestimmt worden. "Wir wollen uns das Gelände sozusagen zurückerobern", so Witzmann. Dazu gehöre allerdings auch, dass Erhaltenswertes stehen bleibt. So, wie die große Linde, die inmitten des Betriebshofes ihre Krone gen Himmel reckt. Allerdings ist sie von Gebäuden und Schuppen geradezu umhaust. "Das hat sie über die Jahre aber scheinbar gut verkraftet", so der Parkmeister. Rund 100 bis 150 Jahre alt wird der Baum sein.

Ebenfalls zum Altbestand gehören Bäume am Parkrand. Auch sie gilt es zu erhalten. Die wild gewachsenen Sträucher gehören derweilen auch hier der Vergangenheit an. Das bedeutet, dass man vom Brauereigelände wieder in den Park blicken kann.

Das erste Mal dürfte das morgen so richtig zur Geltung kommen, wenn beim Winterlicht-Fest die Brauerei angestrahlt werden soll.

Während das Astwerk durch den Häcksler gejagt wird, wird auf jeden Fund auf dem Gelände akribisch geachtet. Limoflaschen und Etiketten wurden gesichert, genau wie eine Küchenmaschine und ein Sandstein. Vor allem bei dem sind die Mitarbeiter der Stiftung ganz aufmerksam geworden. "Er könnte von den Zinnen des Dachs stammen", erklärt Bernd Witzmann. Von den Zinnen ist nichts mehr zu sehen. Diese gehörten zur Handschrift von Ludwig Persius, einem Schüler von Karl Friedrich Schinkel. Persius war der Architekt der Brauerei.

Die Utensilien könnten beim Tag des offenen Denkmals am 10. September gezeigt werden. "Die eine oder andere historische Flasche könnte ich dazu auch beisteuern", erklärt Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Mit Limonade versorgte der VEB Parkbrauerei Muskau die Region. Bier wurde letztmals 1952 in den Hallen gebraut. Auch die Malzbierproduktion endete laut Bänder Anfang der 70er-Jahre.

Die Geschichte des altehrwürdigen Gebäudes und seiner Getränke soll in einer Broschüre zusammengestellt werden. Auch sie soll bis zum 10. September fertiggestellt sein.

Parallel dazu wird geschaut, welche Gebäudeteile auf dem durch den Freistaat ersteigerten Gelände aus Sicherheitsgründen weichen müssen.