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Weißwasser
Feuerwehr krankt an Personalmangel

Weißwasser hat den Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre am 25. Oktober 2017 beschlossen. Die Feuerwache an der Thomas-Jung-Straße müsste demnach saniert und ausgebaut werden. Alternativ schlagen die externen Gutachter einen zweiten Standort in Weißwasser vor.
Weißwasser hat den Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre am 25. Oktober 2017 beschlossen. Die Feuerwache an der Thomas-Jung-Straße müsste demnach saniert und ausgebaut werden. Alternativ schlagen die externen Gutachter einen zweiten Standort in Weißwasser vor. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Stadtrat beschließt Brandschutzbedarfsplan. Gutachter schlägt zweiten Standort vor für schnellere Einsatzzeiten.

Nach wie vor krankt die Feuerwehr in Weißwasser an fehlendem Personal, um den Anforderungen des Gesetzgebers gerecht zu werden. Der gibt vor, dass die Feuerwehr grundsätzlich mit neun Leuten in neun Minuten am Einsatzort sein muss, bevor weitere nachkommen. Als Szenario wird ein kritischer Wohnungsbrand angenommen in einem zweiten oder dritten Obergeschoss mit Tendenz zur Ausweitung des Brandes und einer Person in dieser Wohnung.

Dieses Ziel erreichen die Kameraden in Weißwasser nicht in jedem Fall. Zum einen, weil die Zahl der Floriansjünger nicht ausreicht, zum anderen, weil der Standort der Feuerwache an der Thomas-Jung-Straße nicht mehr ideal sei – er befindet sich am Rande der Stadt. Das ist das Fazit des Brandschutzbedarfsplanes für die nächsten fünf Jahre, der am Mittwoch vom Stadtrat einstimmig beschlossen wurde.

Den Auftrag dazu hatte der Rat im September 2016 extern an die Firma Sikona vergeben. Gutachter Martin Meier analysierte den Ist-Zustand, untersuchte die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr, ebenso die technische Ausstattung und nannte die Defizite am Mittwoch deutlich beim Namen.

Weißwasser beschäftigt am Tag acht hauptamtliche Einsatzkräfte, neun Personalstellen gibt es. Die Männer haben ihren Arbeitsplatz in der Feuerwache an der Thomas-Jung-Straße. Wenn am Tage alarmiert wird, geht es bei diesen ruckzuck, aber unterm Strich mit zu wenig Einsatzkräften. Anders ist es bei den freiwilligen Einsatzkräften. Weißwasser hat 42 Floriansjünger im Ehrenamt einschließlich der hauptamtlichen in ihrer Freizeit. 86 mit entsprechender Qualifizierung werden mindestens gebraucht für alle Plätze in den Löschfahrzeugen.

Die Freiwilligen brauchen aus trifftigen Gründen natürlich länger, bis sie vom Hof fahren können, so der Gutachter. Am Tage zum Beispiel, weil sie bei Alarm von der Arbeit erst einmal zur Wache kommen, sich umziehen müssen. In der Nacht und am Wochenende müssen diese, die weit verstreut in Weißwasser wohnen, oft quer durch die Stadt zur Wache fahren.

Was sich bewährt hat und gestärkt werden soll, sei das Modell 30/10. Was verbirgt sich dahinter? Derzeit leisten vier Mitarbeiter vom Bau- und Wirtschaftshof der Stadt Weißwasser, die Feuerwehrangehörige sind, dort 30 Stunden in der Woche und zehn auf der Feuerwache. Sechs Mitarbeiter sollten es werden, so Meier.

„Wir haben die Einsätze 2016 analysiert. Das Ergebnis: Die Zeiten werden überwiegend eingehalten, die personellen Vorgaben aber nicht“, berichtete Martin Meier. An einigen Beispielen zeigte er auf, welche Auswirkungen es hat, steht tagsüber eine hauptamtliche Einsatzkraft mehr zur Verfügung. Auf den Punkt gebracht: Das Schutzziel wird nicht erreicht – zu wenig Leute und manches Mal nicht schnell genug, so Meier. Er sieht es als dringendes Erfordernis an, an der Zahl der Berufsfeuerwehrleute festzuhalten und die neunte, noch offene Stelle schnellstens zu besetzen. Das sei schwierig, räumt er ein, weil hochqualifizierte Fachleute überall gefragt sind. Hinzu komme, dass das Schichtmodell von Weißwasser nicht attraktiv sei.

Was Anreize für die Ehrenamtler angehe, so sei Weißwasser da schon auf einem recht guten Stand, um auch das Interesse für eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr zu werben.

Positiv schätzt der Gutachter auch die technische Ausstattung ein. Die Feuerwehr kann über acht eigene Fahrzeuge und vier des Landkreises verfügen. Doch für diese Anzahl stehen nur zehn normgerechte Stellflächen zur Verfügung. Damit nicht genug der Mängel an diesem Standort, wenn die vorgeschriebenen Normen als Maßstab angesetzt werden. So fehle die Schwarz-weiß-Trennung im Umkleidebereich, ist die Zufahrt zur Wache zu schmal für ausrückende und ankommende Lösch­fahrzeuge. Hier ist laut Martin Meier Handlungsbedarf gegeben.

Meier zeigt in seinem Papier Lösungsmöglichkeiten auf. Dazu müsste sich Weißwasser für einen zweiten Standort, also einem Ableger der jetzigen Wache, im nordöstlichen Stadtgebiet entscheiden. Damit könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Dort würde zum einen Technik deponiert werden, für die an der Hauptwache kein ausreichender Platz ist, und zum anderen werde dieser Standort mit dem ehrenamtlichen Personal je nach Wohnnähe besetzt. „Es bleibt eine Feuerwehr, es wird weiterhin gemeinsam ausgebildet, aber es ist strategisch günstiger.“ Martin Meier zählt die Effekte auf: Die Ehrenamtlichen rücken schneller aus, das Problem mit der Überwindung der Bahnlinie und geschlossenen Schranken ist vom Tisch, zeitgleich könnten Feuerwehrleute von beiden Standorten am Einsatzort sein. Und die Fahrzeuge werden alle normgerecht untergebracht. Erfahrungen anderer Wehren würden besagen, dass auf diese Weise auch das Ehrenamt gestärkt werden kann. Das sei belegbar, so Meier.