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| 17:33 Uhr

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Brand in der Kita - Kinder sind in Gefahr

Wie eine weihnachtliche Winterlandschaft - ein Teil des Gebäudedaches und des Geländes. Das hat die Brandbekämpfung mit Hilfe des Druckluftschaumes bewirkt, den polnische Feuerwehrleute eingesetzt haben.
Wie eine weihnachtliche Winterlandschaft - ein Teil des Gebäudedaches und des Geländes. Das hat die Brandbekämpfung mit Hilfe des Druckluftschaumes bewirkt, den polnische Feuerwehrleute eingesetzt haben. FOTO: Ingolf Tschätsch
Gablenz. Sechs Feuerwehren sind am Sonnabend im Rahmen eines deutsch-polnischen EU-Projektes in Gablenz gefordert. 82 Einsatzkräfte sind vor Ort. Am Ende gibt es ein Happy End. Von Ingolf Tschätsch

Sirenengeheul am Sonnabend um 10.15 Uhr in Gablenz. Küchenbrand mit enormer Rauchentwicklung im Dachgeschoss der Kita „Knirpsenland“, so die Alarmierungsmeldung. In der Einrichtung befinden sich 19 Kinder, für die höchste Gefahr besteht. In Minutenschnelle rückt ein Großaufgebot an Feuerwehren an - neben den hiesigen Kameraden aus Gablenz und Kromlau sowie dem benachbarten Bad Muskau Brandschützer aus Polen - aus Leknica, Zary-Land und Lubsko. Der Führungs- und Unterstützungszug des Landkreises Görlitz-Nord trifft ein ebenso wie der DRK-Rettungsdienst aus Weißwasser in kompletter Besetzung und der Katastrophenschutz. Insgesamt 82 Rettungskräfte sind auf den Beinen. Das Bild in der Schulstraße wird von den  blauen Warnleuchten der Einsatzfahrzeuge bestimmt. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn es geht um Menschenleben.

Glücklicherweise verbirgt sich hinter diesem dramatischen Szenario nur eine Übung, aber eine der besonderen Art. Sie ist Bestandteil eines grenzüberschreitenden Interreg-Projektes, von dem die Wehren von Gablenz, Bad Muskau, Zary-Land, Leknica und Lubsko durch Bereitstellung neuer Löschtechnik (ausgerüstet mit Druckluftschaum) profitieren sollen. 2,2 Millionen Euro stehen dafür bereit, von denen 1,6 Millionen gefördert werden. Daran sind jedoch bestimmte Bedingungen geknüpft. „Wir müssen 13 gemeinsame Übungen, Schulungen und Konferenzen im Projektzeitraum bis 2020 absolvieren“, erklärt Dirk Enax von der Stadtverwaltung Bad Muskau. Er ist der Projektleiter der deutschen Seite und selbst Feuerwehrmann - Hauptlöschmeister in der Wehr der Parkstadt und der von Krauschwitz-West. „Als Gemeinde führen wir heute unsere erste Übung - die dritte insgesamt - als Teilnehmer des Projektes durch“, so der stellvertretende Bürgermeister Peter Weszkalnys, der das Geschehen aufmerksam verfolgt. Der Gemeinderat hat bekanntlich in der vorigen Woche bereits die Anschaffung des neuen allradangetriebenen Tanklöschfahrzeuges im Wert von 463 000 Euro beschlossen.

Wie die Brandbekämpfung mittels Druckluftschaum funktioniert, demonstrieren polnische Kameraden eindrucksvoll, weil sie bereits über besagte Technik verfügen. Die rechte Seite des Gebäudes und ein daneben stehender Baum sind im Nu in weißen Schaum gehüllt, wirken wie eine weihnachtliche Winterlandschaft. Der frühere Gablenzer Wehrleiter Harald Noack ist begeistert: „Eine solche Technik hätten wir uns damals gewünscht.“ Er und die anderen mit dieser Materie vertrauten Beobachter der Übung wissen, dass durch dieses Verfahren der Löscherfolg mehrfach verbessert wird, abgesehen von den geringeren Wasserschäden an den Gebäuden, die durchaus bei einem Einsatz verursacht werden können.  Außerdem würden dünnere, leichtere Schläuche ein weiterer Vorteil sein.

Atemschutzgeräteträger sind mittlerweile in die Kita vorgedrungen. Es gilt, ein Ausbreiten  des Feuers, auf die untere Etage, das gesamte Objekt zu verhindern und die Mädchen und Jungen in Sicherheit zu bringen. Die ersten werden bereits nach draußen gebracht, von den Kameraden geführt oder gar getragen. Sie sind teilweise verletzt, leiden unter Atemnot, wirken verstört oder geschockt. Ein Mädchen schreit immer wieder „Wo ist Paula?“ und wimmert. Szenen wie bei einem Ernstfall. Mitglieder vom Jugendrotkreuz Weißwasser und von den Jugendwehren Gablenz und Bad Muskau haben sich als Kita-Kinder zur Verfügung gestellt - mental keine leichte Aufgabe. Sie erhalten im Krankenwagen ihre erste medizinische Versorgung, während das große Rettungszelt aufgebaut wird. Dort werden sie dann weiter behandelt. Die schweren Fälle kommen ins Krankenhaus.

Die Gablenzer Truppe mit Wehrleiter Freddy Schmidtke - sozusagen die Gastgeber der Großübung -  löschen gerade das Dach auf der linken Gebäudeseite. Dazu mussten sie eine Schlauchverbindung vom Hydranten bis zum Außengelände der Kita herstellen. Einige von ihnen - die Atemschutzgeräteträger - sind noch im völlig verrauchten Dachgeschoss im Einsatz. Alle geben ihr Bestes, meistern ihre Aufgabe. Dann ist es geschafft, alle Kinder gerettet, Brand gelöscht. Einhellige Meinung: Es hat gut geklappt. Das meint nicht nur Peter Weszkalny. „Nach einer Chaosphase am Anfang - nicht unüblich bei solch einer Übung - wurde das Ganze strukturiert, kamen die Befehle exakt und wurden umgehend umgesetzt. So konnte bereits nach nicht einmal einer Stunde - noch vor der angesetzten Zeit - der Einsatz beendet werden“, lautet das Urteil vom deutschen Projektleiter Dirk Enax. Eine Einschätzung, die auch den Gablenzer Floriansjüngern ein gutes Zeugnis ausstellt.

Der Zufall will es, dass sie am Nachmittag zu einem richtigen Einsatz gerufen werden. In einem Haus am Krauschwitzer Weg müssen sie einen Mann vor dem Schlimmsten bewahren - und stellen somit erneut ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis.

Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Gablenz verfolgen mit Sachkenntnis das Geschehen.
Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Gablenz verfolgen mit Sachkenntnis das Geschehen. FOTO: Ingolf Tschätsch
Kameraden tragen zwei aus der Kita gerettete Kinder und bringen sie zur medizinischen Erstversorgung.
Kameraden tragen zwei aus der Kita gerettete Kinder und bringen sie zur medizinischen Erstversorgung. FOTO: Ingolf Tschätsch
Wie eine weihnachtliche Winterlandschaft - ein Teil des Gebäudedaches und des Geländes. Das hat die Brandbekämpfung mit Hilfe des Druckluftschaumes bewirkt, den polnische Feuerwehrleute eingesetzt haben.
Wie eine weihnachtliche Winterlandschaft - ein Teil des Gebäudedaches und des Geländes. Das hat die Brandbekämpfung mit Hilfe des Druckluftschaumes bewirkt, den polnische Feuerwehrleute eingesetzt haben. FOTO: Ingolf Tschätsch
Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Gablenz verfolgen mit Sachkenntnis das Geschehen.
Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Gablenz verfolgen mit Sachkenntnis das Geschehen. FOTO: Ingolf Tschätsch
Kameraden tragen zwei aus der Kita gerettete Kinder und bringen sie zur medizinischen Erstversorgung.
Kameraden tragen zwei aus der Kita gerettete Kinder und bringen sie zur medizinischen Erstversorgung. FOTO: Ingolf Tschätsch