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| 12:47 Uhr

Boxberger soll Töchter sexuell misshandelt haben

Über neun Stunden mit Pausen dauerte am Donnerstag die Verhandlung um einen Boxberger (r.).
Über neun Stunden mit Pausen dauerte am Donnerstag die Verhandlung um einen Boxberger (r.). FOTO: Köhler
Update | Weißwasser. Zu einer Freiheitsstrafe, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt ist, und einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro wurde am gestrigen Donnerstag ein 53-Jähriger in Weißwasser verurteilt. Der Verwurf des sexuellen Missbrauchs an seinen Töchtern bestätigte sich laut Gericht nicht. Christian Köhler

Das Schöffengericht in Weißwasser hatte es sich mit seiner Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht. Widersprüchliche Zeugenaussagen und ein geschiedener Familienvater, der bestritt, an seinen Töchtern sexuelle Handlungen vollzogen zu haben, erschwerten die Wahrheitsfindung. Dem in Boxberg lebenden 53-Jährigen wurde vorgeworfen, im Herbst 2013 seine damals zwölf- und dreijährigen Töchter zum Zwecke der eigenen Befriedigung am Intimbereich unsittlich berührt zu haben.

In jenem Herbst hatten die Eltern der Töchter und des Sohnes bereits in getrennten Wohnungen gelebt. Alle 14 Tage, so erläuterten die Eltern übereinstimmend vor Gericht, sind die Kinder am Wochenende den Vater besuchen gegangen. An einem Samstag gingen jedoch nur die Töchter zum Vater, weil der Sohn erkrankt war. "Ich habe meine Tochter aufklären wollen", suchte der Vater die Vorgänge zu erklären. Nur verbal habe er seiner Tochter erklären wollen, was der Unterschied zwischen Liebe, Sex und einer Vergewaltigung ist.

Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gab im Gerichtssaal an, die Mutter habe ihr erzählt, der Vater hätte die Tochter auf eine "nicht kindgerechte Weise" aufklären wollen. Daraufhin habe sie sich mit dem Mädchen getroffen. "Die Tochter machte einen ganz verschlossenen Eindruck auf mich", berichtet die Jugendamtsmitarbeiterin vom Gespräch mit dem Mädchen. Ihr habe sie geschildert, dass der Vater ihr mehrmals zwischen die Beine gegriffen hätte. Ferner hätte der Mann anhand des Genitals der Dreijährigen erklären wollen, wie das weibliche Geschlechtsorgan aufgebaut sei. Dabei hätte das Kleinkind zu weinen begonnen. Noch am Tag der Aussprache mit dem Jugendamt hatte die Mutter auf Anraten der Pädagogin die Polizei aufgesucht und Anzeige gegen den Vater erstattet.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernahm das Gericht auch die lernbehinderte Tochter. Sie bestätigte laut Gericht ihre Aussagen bei der Polizei, erinnerte sich jedoch nicht mehr, vom Vater im Bad angefasst worden zu sein. Trotz zeitlicher Ungereimtheiten zwischen den Aussagen des Mädchens bei Gericht und Polizei, bestätigte Psychologin Grit Käming in ihrem Gutachten die Glaubhaftigkeit der Aussage. "Ich finde keine Erklärung dafür, warum die Tochter das gesagt haben soll, ohne, dass es tatsächlich passiert ist", beschreibt die Gutachterin. Immerhin, so hakte der Vorsitzende des Schöffengerichtes, Richter Ralph Rehm, bei der Psychologin nach, "liegt der Verdacht nahe, die Mutter hätte ihre Tochter dazu gebracht, strafrechtlich Relevantes dazuzudichten". Das verneinte die Gutachterin.

Staatsanwältin Christina Küsgen plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, die zu Bewährung ausgesetzt werden kann. Immerhin, so die Anklage, lägen Begleitumstände vor - wie die Aussage einer heute 31-Jährigen, die vom Beschuldigten im Alter von elf Jahren im Spaß begrapscht worden sei oder die Aussage einer Nachbarin, der Mann sei unter Alkoholeinfluss "Frauen gegenüber ordinär". Die Nebenklage, die die Mutter vertrat, schloss sich der Forderung an. Die Verteidigung forderte einen Freispruch, da der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs nicht gegeben sei. Das dreijährige Kind habe der Vater während einer Krankheit gepudert und gecremt. "Ich bin schockiert über die Anschuldigungen", sagte der Angeklagte. Er bereue es, seine Tochter aufgeklärt zu haben.

Das Schöffengericht verurteilte den Mann zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro. "Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das, was ihre Tochter geschildert hat, sich auch so zugetragen hat", begründet der Vorsitzende Rehm. Vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs jedoch wurde der Angeklagte freigesprochen. Das Urteil gegen ihn ist noch nicht rechtskräftig.