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Boxberger Kraftwerksleiter wechselt ins Leag-Management

Staffelstabsübergabe am Kraftwerk Boxberg: Carsten Marschner (l.) wird neuer Leiter des Kraftwerks Boxberg. Thomas Hörtinger dagegen wechselt ins Leag-Management.
Staffelstabsübergabe am Kraftwerk Boxberg: Carsten Marschner (l.) wird neuer Leiter des Kraftwerks Boxberg. Thomas Hörtinger dagegen wechselt ins Leag-Management. FOTO: Christian Köhler
Boxberg. Der Terminkalender von Carsten Marschner ist seit dem 1. Juli proppenvoll. Denn der 53-Jährige hat am Wochenende die Leitung des Kraftwerkstandortes Boxberg übernommen. ckx

"Für mich schließt sich damit ein Kreis", sagt er am Mittwoch vor Pressevertretern. Immerhin ist der Ingenieur zeit seines Lebens mit den Lausitzer Kraftwerken verbunden.

Der bisherige Leiter in Boxberg, Thomas Hörtinger, wechselt ins Management der Leag und ist dort für den gesamten Kraftwerkspark des Energieunternehmens als technischer Leiter verantwortlich. Er übernimmt damit die Stelle von Joachim Kahlert, der nach Angaben von Leag-Sprecher Thoralf Schirmer in den Ruhestand geht.

"Ich bin in Vetschau aufgewachsen und habe in Sichtweite des dortigen Kraftwerks gewohnt", erzählt Carsten Marschner. Schon als Schüler habe er sich für die Technik der Stromerzeugung interessiert und deshalb auch Kraftwerkstechnik in Dresden studiert. Als frischgebackener Ingenieur arbeitete der gebürtige Mecklenburger Marschner beim Institut für Kraftwerkstechnik in Vetschau und war deutschlandweit an zahlreichen Kraftwerksbauten beteiligt. 2004 wechselte er zu Vattenfall, war in Jänschwalde und Schwarze Pumpe tätig.

Seit 2013 ist Carsten Marschner in Schwarze Pumpe als Leiter des Anlagenbetriebes für den operativen Betrieb des Kraftwerks tätig. "Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe in Boxberg", gesteht Marschner und sagt: "Für mich ist es das Wichtigste, den Standort zukunftssicher zu machen." Immerhin sind in Boxberg insgesamt 560 Mitarbeiter beschäftigt, für die der neue Leiter nun Verantwortung trägt.

"Er bekommt eine tolle Mannschaft", sagt der scheidende Leiter Thomas Hörtinger. Der 50-Jährige verhehlt dabei nicht, dass er mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Führungsriege des tschechischen Stromerzeugers wechselt. Mit Boxberg verbinde ihn viel - er ist seinerzeit Projektleiter beim Neubau des modernen Boxberger Blocks R gewesen und vor gut drei Jahren Chef des Kraftwerks geworden -, aber er bliebt dem Standort über Umwege erhalten.

Denn Hörtinger hat nun den gesamten Lausitzer 8000 Megawatt starken Kraftwerkspark unter sich. Mit einer Mannschaft von gut 100 Mitarbeitern soll er gleich mehrere Ziele umsetzen: "Ich kümmere mich nun um die Zukunftsstrategien der Kraftwerke, den Umweltschutz und die Effizienzsteigerung", erklärt der gebürtige Hesse mit Blick auf die umzusetzende Sicherheitsreserve zweier Blöcke in Jänschwalde.

2018 muss die Leag den ersten, 2019 den zweiten Jänschwalder Block (E und F) planmäßig vom Netz nehmen und in Sicherheitsreserve stellen. Insgesamt vier Jahre soll der Energieproduzent dann nach dem Willen der Bundesregierung bei Bedarf die Blöcke hochfahren, bevor sie endgültig stillgelegt werden sollen. "Das ist eine riesige Herausforderung, der wir uns stellen", unterstreicht Hörtinger. Schließlich müssten Personal und Technik vorgehalten werden, um wie am gestrigen Mittwoch bei wenig Sonne und Wind alle Leag-Blöcke in Betrieb nehmen zu können. "Ohne unsere Kraftwerke wird auch keine Energiewende gelingen", sagt Hörtinger. Weitere Sicherheitsreserven durch Blöcke in der Lausitz seien nicht vorgesehen.

Unterdessen wartet auf den neuen Chef im Kraftwerk Boxberg schon das erste Mammutprojekt: Die Revision des Blocks R steht ab Mitte Juli an. "Alle fünf Jahre werden eine solche Generalüberholung und Wartung durchgeführt", so Carsten Marschner. Und der 675 Megawatt starke Block ist seit 2012 am Netz. Schon im August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, soll der Boxberger Block wieder Strom liefern.