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| 03:05 Uhr

Boxberger Dorfjugend rappt über Heimatliebe

B-Funny, Jabba, Crack Beats und Rammi (v.l.n.r.) am Bärwalder See: Die 18-Jährigen verbringen hier im Sommer jede freie Minute. "Manchmal fahre ich einfach nur her, um über das Wasser zu schauen", sagt Crack Beats. Foto: Anna Müller-Heidelberg
B-Funny, Jabba, Crack Beats und Rammi (v.l.n.r.) am Bärwalder See: Die 18-Jährigen verbringen hier im Sommer jede freie Minute. "Manchmal fahre ich einfach nur her, um über das Wasser zu schauen", sagt Crack Beats. Foto: Anna Müller-Heidelberg FOTO: Anna Müller-Heidelberg
Boxberg. Rap und Heimatliebe – passt das zusammen? Die Boxberger Dorfjugend (BDJ) zeigt seit gut zwei Jahren mit ihren Songs, dass sie so stolz auf ihre kleine Gemeinde ist wie Amerikaner auf ihren riesigen Staat. Die vier Jungs teilen ein Credo: Hip-Hop muss nicht negativ sein, um Leute mitzureißen. Anna Müller-Heidelberg

B-Funny alias René Schmidt sprudelt über vor verliebten Worten. Boxberg sei seine Heimat, der schönste Fleck der Erde. Wer sonst könne schon von sich behaupten, einen Strand wie den am Bärwalder See vor der Haustür zu haben? Und überhaupt, die Natur ringsum, die Ruhe, die freundlichen Menschen. In anderen Orten würden sie einen ja schon komisch angucken, wenn man nur guten Morgen sagt. Aber in Boxberg, ja, in Boxberg …

Zuversicht versus Gangster

B-Funny gluckst, er weiß, dass er viel redet und es macht ihm Spaß. Wenn der 18-Jährige anfängt, von seiner Heimat zu schwärmen, ist er kaum zu stoppen. Die blauen Augen leuchten, in den Wangen formen sich Grübchen. Ein tauber Betrachter könnte meinen, B-Funny spräche von einer neuen Freundin, der großen Liebe.

Mit seiner Begeisterung ist B-Funny nicht allein. Um ihn herum hocken Jabba alias Chris Burghardt, Rammi alias Max Rodenbeck und Crack Beats alias David Hoffmann. Die 18-Jährigen lächeln und nicken bei jedem Satz. Sie rappen seit etwa zwei Jahren zusammen, nennen sich BDJ, Boxberger Dorfjugend.

Rap ist in der Regel bekannt für grimmige Männer in Muskelshirts, die sich harte Wortgefechte liefern und ein Gangster-Image nahe der Kriminalität pflegen. Wie kam BDJ dazu, einen anderen Weg zu gehen?

"Früher sind wir ja auch erst mal mit der Masse geschwommen", sagt Jabba und rückt sein Käppi zurecht. "Wir haben andere gedisst, schlecht über sie geredet. Aber das hat uns bald keinen Spaß mehr gemacht." B-Funny nickt. Er hatte eine Zeit lang keine Lust mehr auf Rap, weil er seine negativen Texte einfach nur schlecht fand. Dann tat er sich mit Jabba zusammen. "Der hat so einen fröhlichen Ansatz reingebracht", sagt B-Funny. "Wir dachten: Man, wir stehen jetzt mal dazu, wie schön es hier in Boxberg eigentlich ist. Man muss doch nicht immer alles schlecht reden."

Sachsen, Punks und Glatzen

Heraus kam unter anderem ein Track - so nennen die Jungs ein Lied - der zur Hymne einer neuen Generation des Ortes werden könnte. "Ich bin ein Boxberger aus dem schönsten Fleck der Erde, ich bleibe hier in Boxberg, so lange bis ich sterbe. Das ist ein wunderschöner Ort, mitten in Sachsen. Hier wohnt alles zusammen: ob Punks oder Glatzen."

Die 18-Jährigen haben den Song bei der Videoplattform Youtube hochgeladen und mit Fotos hinterlegt. Darauf posieren sie lässig in grauen Tunneln, halten Spraydosen in die Kamera und ab und zu den Mittelfinger. Vielleicht sind sie doch nicht so artig, wie ihre Heimatliebe sie auf den ersten Blick erscheinen lässt?

Jabba zumindest hat schon erfahren, was es heißt, auf der Schwelle zum Gangster-Image zu stehen. Als Teenager stand er wegen Schlägereien und anderer Delikte vor Gericht, bis eine Richterin auf den Tisch haute und sagte: "Du suchst dir jetzt endlich mal ein sinnvolles Hobby!" So kam Jabba zum Rap - und bezeichnet sich seither als geläuterten Menschen. "Texten ist jetzt mein Ventil", sagt er. "Wenn ich sauer bin, schlage ich nicht mehr zu. Ich schreibe einfach einen Track."

Manche Lieder der Boxberger sind dementsprechend aggressiv, etwa "Mittelfinger hoch", oder "Verräter". In Videos ziehen die jungen Männer um die Häuser, posieren wie amerikanische Rapper vor Autos und tragen Masken, die an den Berliner Hip-Hopper Sido erinnern.

Mia flüchtet vor dem Leben

Andere Texte zeigen, dass BDJ sich auch mit politischen und sozialen Problemen auseinander setzt. In "Mia" etwa erzählen die vier Jungs die Geschichte eines Mädchens, das vor dem alkoholabhängigen Stiefvater und einer gleichgültigen Mutter in den Selbstmord flüchtet. "Wir sollten drüber nachdenken, warum wir unsere Aufmerksamkeit nicht mal einem kleinen Mädchen schenken", rappen die jungen Männer.

"Das ist der Gedanke von Rap - nachzudenken, auch mal lyrisch zu sein", erklärt B-Funny. "Damit wollen wir Boxberg bekannt machen. Auf die Fresse hauen können sich die Leute anderswo."

Am 21. April rappen die Jungs von BDJ beim Tag der offenen Tür im Jugendclub "Waschhaus". Mehr Informationen gibt es unter www.boxbergerdorfjugend.jimdo.com