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Boxberg will sein Standesamt verkaufen

Das als Standesamt genutzte ehemalige Gutshaus in Kringelsdorf wird von der Gemeinde Boxberg verkauft.
Das als Standesamt genutzte ehemalige Gutshaus in Kringelsdorf wird von der Gemeinde Boxberg verkauft. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Boxberg. Die Kassen der Gemeinde Boxberg sind leer. Steuerrückzahlungen an Vattenfall und sinkende Einnahmen zwingen die Verwaltung zum Handeln. Christian Köhler

Deshalb, das erklärt am Montagabend Antje Lukas vom Fachbereich der Kämmerei, sei ein Arbeitskreis für die Entwicklung kommunaler Objekte ins Leben gerufen worden. "Wir haben einen Immobilienmakler hinzugezogen und mehrere Objekte zum Verkauf angeboten", erklärt sie und fügt hinzu: "Wenn auch schweren Herzens."

Einstimmig hat nun der Boxberger Gemeinderat dem Verkauf des Standesamtes an der Wilhelmsfelder Straße in Kringelsdorf zugestimmt. Der Kaufpreis, den ein Rietschener bezahlt, beträgt insgesamt 149 000 Euro.

Für das ehemalige Gutshaus, das die Gemeinde auch als Standesamt nutzt, hätten sich bereits kurz nach der Erklärung der Verkaufsabsicht mehrere Interessenten gemeldet. "Die attraktivsten Objekte gehen immer zuerst weg", stellt Antje Lukas klar. Der Rietschener Investor habe gegenüber der Verwaltung konkrete Nutzungsideen erläutert, wolle zunächst in die Instandhaltung des Dachstuhls investieren. Eine schnelle Nutzungsänderung werde es jedoch nicht geben.

Der Gemeinde komme der Verkauf des Gebäudes samt Nebengebäude und 3300 Quadratmetern Grundstück gelegen, hieß es weiter. Immerhin würden auf Boxberg in absehbarer Zeit Instandhaltungskosten für Dach, Heizung oder Badsanierung zukommen.

Die Frage von Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf), ob denn die bestehenden Mietverträge im Haus durch den Käufer übernommen werden, bejahte Antje Lukas. "Vorerst bleibt alles beim Alten", sagt sie. Hoffmann will zudem wissen, ob die angrenzenden Parkplätze ebenfalls den Besitzer wechseln. "Die Parkplätze zum Teil, aber der Gehweg bleibt im Gemeindeeigentum", so Antje Lukas. Möglicherweise könne der Käufer innerhalb der Flurneuordnung zudem noch Kosten für die Grundstücksvermessung sparen, andernfalls müsse er sie jedoch selber tragen. Dies werde vertraglich festgehalten.

"Bis Ende dieses Jahres ist die Nutzung des Standesamtes gesichert", sagt Arian Leffs für die Zukunft des Trauzimmers, "dann müssen wir weitersehen."

Die Gemeinde habe bereits ein Gebäude im Blick, in dem künftig Hochzeiten stattfinden können. Allerdings hänge das weitere Vorgehen vom neuen Investor und seinen Plänen ab. Der Standort für ein neues Standesamt ist am Montag nicht bekannt geworden. Eine weitere Nutzung des nun verkauften Gebäudes über 2018 hinaus sei ebenfalls möglich.

Unterdessen, so Leffs, sei es nicht möglich, das Kringelsdorfer Standesamt mit in das Tourismusinformationszentrum (Tiz) zu integrieren. Denn auch am Bärwalder See finden Trauungen statt - diese allerdings kosten die Verliebten Geld. "Wir müssen von Gesetzeswegen ein Standesamt kostenfrei den Bürgern anbieten", erklärt der Hauptamtsleiter.

Allerdings koste die Nutzung des Kringelsdorfer Gebäudes die Gemeinde auch Miete.