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Boxberg
Für Industriegebiete sind Millionen nötig

Boxberg. Boxberg will alte Kohle-Altstandorte wieder interessant für Investoren machen. Von Sascha Klein

(skl) Boxberg steht vor einer gewaltigen Herausforderung: In den vergangenen Jahrzehnten hat die Kommune – aber auch die gesamte Region – zum großen Teil von der Kohle gelebt. Sie wird das, so die Hoffnung von Boxbergs Bürgermeister Achim Junker, auch noch die kommenden drei Jahrzehnte tun. Aber was kommt danach? Das Horror-Szenario: Die Kohle wird zum Auslaufmodell und übrig bleiben leere Industriegebiete. Um das zu verhindern, stößt die Gemeinde Boxberg jetzt eine Initiative zur Revitalisierung der Altstandorte der Kohleindustrie an. Was sich hinter dem Fachchinesisch verbirgt: Die Gemeindeverwaltung will erreichen, dass Flächen, auf denen zum Beispiel jetzt noch alte Hallen stehen – ein Beispiel ist das Kesselhaus im Industriegebiet West – saniert werden. Das Gelände, so sagt Achim Junker im RUNDSCHAU-Gespräch, gehöre dem Bergwerksunternehmen Leag. Das Unternehmen habe jedoch kein Interesse, dort etwas zu verändern, weil es die Fläche nicht brauche – und weil Abriss und Sanierung sehr teuer wären.So bringt Achim Junker diejenigen ins Spiel, die an den Fördertöpfen sitzen: Bund und Freistaat Sachsen. „Wenn es politisch gewollt ist, ab frühestens 2045 den betroffenen Regionen eine wirtschaftliche Zukunft ohne die Braunkohle zu ermöglichen, so bedarf es besonderer finanzieller Unterstützungsmaßnahmen“, so Junker. Genauso ist dies auch in einem Leitprojekt formuliert, das die Gemeinde bei der Energieregion Lausitz-Spreewald eingereicht hat.

Was Boxberg in den kommenden zehn Jahren mit vielen Fördermillionen erreichen will: die Schaffung eines Kompetenzzentrums für die Energie-, Metall- und Baustoffindustrie. Diese Unternehmen, teils sind sie schon in der Region vorhanden, sollen dafür sorgen, dass der Übergang vom Kohle- ins Nach-Kohle-Zeitalter möglichst reibungslos geschehen kann. Junkers Hoffnung: So sollen sehr viele Industriearbeitsplätze in der Lausitz erhalten bleiben – und damit die Wertschöpfung und Attraktivität der Region.

Der Boxberger Zeitplan: In den Jahren 2017 und 2018 könnten die Fördervoraussetzungen geschaffen werden, um zunächst die Sanierung der Industrie- und Gewerbeflächen anzuschieben. Das Ziel: Betriebe sollen mit hohen Förderquoten gelockt werden, selbst tätig zu werden. In den Jahren 2018 bis 2020 sollen dann Altanlagen zurückgebaut werden und Unternehmen, die vom Braunkohleausstieg betroffen sind, Förderung in Anspruch nehmen können.

Allerdings erscheinen die Kosten für die Sanierung der Altbergbau-Standorte riesig: Alleine das Industriegebiet West Boxberg wird von der Gemeindeverwaltung mit Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro geschätzt, die früheren Tagesanlagen des Tagebaus Reichwalde mit zehn Millionen Euro, der „Boxbergring“ in der Alten Bautzener Straße mit fünf Millionen Euro. Dagegen ist die Sanierung im Gewerbegebiet Kringelsdorf mit geschätzten zwei Millionen Euro vergleichsweise günstig zu haben. Achim Junker weiß, dass den Boxbergern ein steiniger Weg bevorsteht, um diese hohen Ziele zu erreichen. Aber er sagt: „Es wird ohne finanzielle Hilfe des Bundes nicht funktionieren.“

Von 2020 bis 2025 soll viel Neues entstehen. Braunkohleunabhängige Kraftwerksparks könnten die Energieversorgung eines künftigen Kompetenzzentrums für Metall- und Baustoffindustrie sicherstellen. Auf diese Weise sei es denkbar, sagt Achim Junker, dass der langsame Kohle-Ausstieg funktioniert.

Wird die vorhandene Infrastruktur nicht genutzt oder zerstört, würde das für die Region – nicht allein für den Norden des Kreises Görlitz – ein demografisches Desaster bedeuten, heißt es. Pendlerströme rissen ab und die Wertschöpfungskette sei zerstört.