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| 13:06 Uhr

Heimatgeschichte
Tzschelln ist nicht komplett verschwunden

 Die Geschwister Silvia Zschippang (l.), Rosemarie Schuster und Martin Zschippang vor dem Tzschellner Luftbild aus dem Jahr 1966.
Die Geschwister Silvia Zschippang (l.), Rosemarie Schuster und Martin Zschippang vor dem Tzschellner Luftbild aus dem Jahr 1966. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Boxberg. Ehemalige Einwohner treffen sich zum Picknick am Gedenkstein. Manches Anwesen gibt es noch heute. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn es nach Silvia Zschippang ginge, würde sie sofort ihre Sachen packen und umziehen. Zurück nach Tzschelln, sagt die in Rohne lebende Frau. Denn in der zu Tzschelln gehörenden Streusiedlung Altes Fließ ist Zschippang, ebenso Schwester Rosemarie Schuster und Bruder Martin Zschippang, aufgewachsen. Während das Kerndorf Ende der 1970er-Jahre durch den Tagebau Nochten vernichtet wurde, blieben die Außenbereiche erhalten. So auch Zschippangs Grundstück.

„Wir hätten eigentliche bleiben können“, urteilt Martin Zschippang, der im Jahr 1975 umsiedeln musste. „Allerdings hätte vom vier Kilometer entfernten Neustadt eine Strom- und Wasserleitung gelegt werden müssen. Das war den DDR-Oberen zu aufwändig. So mussten wir ebenfalls raus.“ Insgesamt verloren fast 280 Einwohner des Spreedorfes wegen des Bergbaus ihre Heimat.

Besonders tragisch: Zschippangs ursprüngliches Gehöft befand sich im Tzschellner Kerndorf. Nachdem es abgebrannt war, baute die Familie weit außerhalb des Ortes neu. Das war im Jahr 1906. So ist es in der Familienchronik festgehalten.

Großvater Johann Zschippang hatte an gleicher Stelle im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Tzschellner Grützemühle aufgebaut. Später führte Sohn Helmut Zschippang die Mühle weiter. „Vater wollte sie mitnehmen, und zwar nach Weißwasser, wo er ein neues Grundstück gekauft hatte. Für die Mühle erhielt er allerdings keine Baugenehmigung. Das hat ihm das Herz gebrochen“, berichtet Martin Zschippang weiter.

Links und rechts der Spree befindet sich bis heute etwa ein halbes Dutzend Orte ehemaliger Anwesen der Tzschellner Siedlung Altes Fließ. In einer weiteren Streusiedlung, der Kittainze, findet das alljährliche Picknick am Gedenkstein statt. Der Grund: Wo einst die Kirche als Dorfmittelpunkt statt, erstreckt sich heute das Betriebsgelände des Bergbaukonzerns Leag. In diesem Jahr sind rund 60 Menschen am Gedenkstein dabei, hat Christina Wolsch, Vorsitzende des Heimatvereins Tzschelln als Organisator, gezählt. Der Verein umfasst derzeit 86 Mitglieder.

 Die Geschwister Silvia Zschippang (l.), Rosemarie Schuster und Martin Zschippang vor dem Tzschellner Luftbild aus dem Jahr 1966.
Die Geschwister Silvia Zschippang (l.), Rosemarie Schuster und Martin Zschippang vor dem Tzschellner Luftbild aus dem Jahr 1966. FOTO: Torsten Richter-Zippack