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Boxberg erhält das rote "i-Tüpfelchen"

Blick auf den Hafen in Klitten. Auch er war am Freitag Station bei der Tour des Landestourismusverbandes rund um den Bärwalder See. Dass er um zwei weitere Stege erweitert wurde, stand lange auf der Wunschliste der Gemeinde. Nun wird dort im Auftrag der LMBV noch ein Funktionsgebäude errichtet.
Blick auf den Hafen in Klitten. Auch er war am Freitag Station bei der Tour des Landestourismusverbandes rund um den Bärwalder See. Dass er um zwei weitere Stege erweitert wurde, stand lange auf der Wunschliste der Gemeinde. Nun wird dort im Auftrag der LMBV noch ein Funktionsgebäude errichtet. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Boxberg. Trotz Dauerregens große Freude am Bärwalder See: Ab sofort darf sich die Touristinformation am Boxberger Ufer mit dem roten "i" des Landestourismusverbandes (LTV) Sachsen schmücken. Das Tourismus- und Informationszentrum, kurz Tiz, reiht sich nunmehr in den Kreis von 18 Gästebüros in der Oberlausitz ein, die das "i" tragen. amz1

Sachsenweit sind es derzeit 44.

Für die Zertifizierung mit der "i-Marke" müssen laut LTV insgesamt 15 Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören unter anderem kundenfreundliche Öffnungszeiten, also auch an den Wochenenden, die Ausschilderung der Einrichtung, Vor-Ort-Parkplätze, ein barrierefreier Zugang sowie kompetentes Personal, um nur einige Aspekte zu erwähnen. All das können die fünf Mitarbeiter im TIZ gewährleisten. Die Boxberger dürfen das rote "i" zunächst in den nächsten drei Jahren tragen. Anschließend erfolgt eine neue Überprüfung.

LTV-Präsident Dr. Matthias Rößler bescheinigt Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU), dass sich dessen Gemeinde mit dem "i-Prädikat" auf einem sehr guten Weg innerhalb des Freistaates befinde. Sachsenweit trage der Tourismus rund 7,8 Milliarden Euro pro Jahr an Wirtschaftskraft bei. Insgesamt 188 000 Arbeitsplätze seien in dieser Branche vorhanden. Nach Angaben von Roman Krautz, dem Bärwalder-See-Manager, beträgt in Boxberg die gesamte gewerbliche Wertschöpfung pro Jahr rund 387Millionen Euro. "Lediglich zwei Millionen Euro steuert der Tourismus dazu bei", rechnet Krautz vor. Da gebe es noch Luft nach oben. Allerdings, und da sind sich Krautz und Rößler einig, könne der Tourismus keineswegs die einzige Wirtschaftsbranche in der Region sein. Das produzierende Gewerbe, insbesondere die Kohle- und Energiewirtschaft, müsse das wirtschaftliche Standbein der Region bleiben, die sich allerdings auch nicht der Energiewende verschließen wolle.

Touristisch geht es am See auch in den kommenden Jahren weiter voran. Für den Beginn der Saison 2018 wird mit der Jungfernfahrt des Fahrgastschiffes gerechnet. Einen zusätzlichen Schub erhält das Vorhaben des heimischen Investors durch ein nagelneues Förderprogramm des Freistaates, extra zugeschnitten auf die Binnenschifffahrt. Erst seit ein paar Wochen können entsprechende Gelder beantragt werden. "Der Antrag für das Bärwalder Schiff ist bereits zum Landesamt für Straßenbau und Verkehr gegangen", erklärt Roman Krautz. Allerdings sei die Höhe des Fördertopfes mit gerade mal einer halben Million Euro nicht gerade das Gelbe vom Ei, wohl aber ein Anfang. Immerhin gebe es in Sachsen rund 145 Quadratkilometer neue Seenflächen, bedingt durch den Bergbau. Hinzu kommen noch die Talsperren.

Ohnehin das Lausitzer Seenland: Der Entwicklungsprozess sei weit und breit einzigartig. Mit der faszinierenden Umwandlung einer Bergbau- in eine Tourismusregion sollte sich der Landstrich mal für den Deutschen Tourismuspreis bewerben, regt Manfred Böhme, Geschäftsführer des LTV, an.

Klar gebe es hier und dort auch mal Rückschläge. Doch auf solch große Probleme wie beispielsweise am Knappen- und am Silbersee brauchen sich die Boxberger keinesfalls gefasst machen, beruhigt Ralph Weidner vom Sächsischen Oberbergamt. "Wir können mit Fug und Recht sagen, dass der Bärwalder See durchsaniert ist", so der Experte. Das sei weder am Knappen- noch am Silbersee der Fall gewesen. Dort gab es immer wieder Grundbrüche. Derzeit erfahren beide Restseen ihre Sanierung.

An die Politik appelliert dagegen der Geschäftsführer des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen, Daniel Just: "Die finanzielle Situation der Kommunen muss besser berücksichtigt werden. Heute fällt es vielen schwer, selbst einen Eigenanteil von zehn oder 15 Prozent für touristische Projekte aufzubringen." Anlass für dieses Desaster bilden vor allem die massiven Steuerrückzahlungen an das Bergbauunternehmen Vattenfall.

Gerade Boxberg sei von diesem Prozess stark betroffen. Der Kopf werde deswegen aber noch lange nicht in den Sand gesteckt. "Wir tun für unseren See und unsere Gäste alles, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt", bringt Roman Krautz die Stimmung auf den Punkt. Das jetzt erhaltene rote "i" bilde das "i-Tüpfelchen" der bisherigen Arbeit.