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Leag
Block R vom Kraftwerk Boxberg in Revision

Revision von Block R im Kraftwerk Boxberg: Im Maschinenhaus gibt es viel zu tun. Der Mitteldruck-Läufer der Turbine ist von der Überholung aus Berlin zurück und muss nun eingehaust werden.
Revision von Block R im Kraftwerk Boxberg: Im Maschinenhaus gibt es viel zu tun. Der Mitteldruck-Läufer der Turbine ist von der Überholung aus Berlin zurück und muss nun eingehaust werden. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Für rund zehn Millionen Euro wird derzeit der Block R des Leag-Kraftwerkes Boxberg seiner ersten Revision unterzogen. Dafür sind 720 Mitarbeiter im Einsatz. rw

Wer in diesen Tagen das Kraftwerk Boxberg von außen in Augenschein nimmt, sieht, dass der Kühlturm von Block R keinen Wasserdampf in den Himmel schickt. "Ansonsten merkt der Nutzer nichts", erklärt Michael Wrzesinski, stellvertretender Kraftwerksleiter. Seit 15. Juli ist der jüngste Block des Leag-Kraftwerkes nicht am Netz. Er steht still und doch herrscht dort in allen Abteilungen ein emsiges Arbeiten. Denn es läuft eine umfangreiche Inspektion - in Kraftwerkersprache Zwischenrevision genannt. Seit dem 11. Oktober 2012 ist der Block am Netz. Seitdem hat er 42 000 Betriebsstunden geleistet, 25 000 Gigawattstunden Strom erzeugt und 25 Millionen Tonnen Braunkohle verbrannt. Zeit also für das erste Check-up. Den Zeitpunkt dafür geben unter anderem auch die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfzeiträume vor. Und die Liste der Arbeiten ist lang - vom Maschinenhaus bis zum Kühlturm gibt es überall was zu tun: überprüfen, ausbessern, erneuern, putzen.

Rund 600 Mitarbeiter von 53 zumeist regionalen Servicefirmen sind in der zwei Monate umfassenden Revision im Einsatz. Rechnet man die Mitarbeiter von der Leag noch hinzu, sind insgesamt 720 Männer und Frauen mit der Revision beschäftigt. Die beläuft sich laut Rico Morgenstern, Standortverantwortlicher Boxberg, auf ein Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro. Dabei kann nicht alles an Ort und Stelle auf Herz und Nieren geprüft werden. So wurden der Hochdruck- und Mitteldruck-Läufer der Turbine nach Berlin verschickt. Was sich laut Michael Tschernig, Leiter Revision Kraftwerk Boxberg, so leicht anhört, wurde in Wirklichkeit auf vier Schwerlasttransporte geladen und ins Berliner Werk zu General Electric (GE) gefahren. Nicht nur dort musste ein Zeitfenster für die Wartungsarbeiten gebongt werden, auch sonst galt es, viel vorzubereiten und abzustimmen. Rund anderthalb Jahre Vorlauf brauchte es, bis sich die erste Schraube drehen konnte. Mitte September soll das umfangreiche Programm abgeschlossen werden. Das erfolge schrittweise, erfährt die RUNDSCHAU beim Besuch vor Ort. Das Anfahren des Blockes bedeute noch mal eine sensible Phase, wo sozusagen alle Antennen auf Empfang gestellt sind.

Doch bis es soweit ist, muss zum Beispiel der Mitteldruckläufer der Turbine wieder eingehaust werden. Nach der Wartung in Berlin sieht das Bauteil wieder aus wie neu. Damit steht den nächsten fünf Jahren Dauereinsatz nichts im Wege. "Sicherheit und ein zuverlässiger Betrieb haben für uns oberste Priorität", so Michael Wrzesinski. Dazu gehört auch, dass die Techniker akribisch darauf achten, dass am Ende keine Schraube übrig bleibt oder ein Schraubenzieher zu wenig in der Werkzeugkiste liegt.

Um den Verschleißzustand an den Heizflächen des Dampfkessels festzustellen, sind Gerüste mit einem Gesamtvolumen von 110 000 Kubikmeter aufgebaut worden. "Diese Gerüste entsprechen der Größe eines Fußballfeldes von 100 mal 60 Meter bebaut mit einem 14-stöckigen Gebäude", verdeutlicht Michael Tschernig an einem Beispiel die Ausmaße der Arbeiten. Doch wenn die Arbeitsflächen zu hoch oder zu schmal werden, dann müssen Spezialisten oder moderne Technik ran. So sind in den Brennkammern auch Industriebergsteiger im Einsatz, die die Schlacke abklopfen müssen. Eine kollisionssichere Innenraumdrohne ermöglichte bei diversen Anlagen nicht nur gute Überblicksbilder, sondern auch Einblicke bei schwer zugänglichen Bereichen im Dampfkessel und den Großbehältern. Der Einsatz kam in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland zum Einsatz und soll auch künftig fortgesetzt werden. Denn nach der Revision ist vor der Revision. Für 2019 und 2020 stehen die Überprüfungen der Blöcke N und P (500 MW) an. Und diese bringen wieder andere Herausforderungen.