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Blick durch ein kleines Fenster

Ralf Buttker (Mitte) im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern am Mittwochabend im Sorbischen Kulturzentrum Schleife.
Ralf Buttker (Mitte) im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern am Mittwochabend im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. FOTO: Regina Weiß
Schleife. Der Grundstein für sein künstlerisches Schaffen wurde im Zuhause in Döbern gelegt. Im Gymnasium in Weißwasser wurde es gefördert und begleitete ihn von da an auf vielen Stationen seines Lebens in Markgrafenheide, Güstrow und Cottbus-Willmersdorf. Ralf Buttker ist seit 40 Jahren künstlerisch tätig. Regina Weiß

500 Bilder sind an diesem Herbstmorgen im Muskauer Park quasi schon im Kasten gewesen und Ralf Buttker war nicht wirklich zufrieden. Doch beim 501. Bild macht er wohl innerlich Luftsprünge. Die Hängebuche an der Hermannsneiße hat mit ihrem goldenen Vorhang auf ihn gewartet. Das Licht passt, die Stimmung ebenso. Am Ende formt Buttker aus mehreren Bildern eins.

Das Endergebnis sehen einige Besucher seiner Ausstellung "Licht & Schatten - ein Lausitzer Tagebuch" am Mittwochabend im Sorbischen Kulturzentrum Schleife im Format 1,50 Meter mal 50 Zentimeter und sind total verzückt. "Ist das schöööööön", heißt es immer wieder. Gleich daneben liegt eine Winteraufnahme von der Sächsischen Schweiz. Die Farben sind der Hammer. Kein Wunder, Ralf Buttker hat sich der HDR-Fotografie verschrieben, bei der die überhöhten Farben dem Bild zu einer besonderen Tiefe verhelfen.

Auf mehreren Tischen hat er eine Vielzahl dieser Fotos nur für diesen Abend ausgebreitet. Die andere Tischreihe widmet sich einem weiteren Metier des Lausitzers, der Grafik. Als Lehrer für Mediengestaltung an einer Bildungseinrichtung in Cottbus kann er dabei Hobby und Berufliches gut miteinander verbinden. So inspirierte ihn ein Wolkenbild zu vielen Zeichnungen der Wolkenformationen.

"Nie ist in mir das Kind gestorben. Man muss einfach mit seinen Gedanken spielen. Ich experimentiere mit Freude, setze Strich für Strich. Dabei bin ich getrieben von Emotionen. Das Ganze ist übrigens auch gut zum Entschleunigen", erzählt er dem aufmerksamen Publikum der Ausstellungseröffnung.

Diese findet übrigens im Saal statt. Denn im eigentlichen Schauraum wäre es angesichts der Gästezahlen zu "kuschelig" geworden. Außerdem ist die Ausstellung mit einer Premiere verbunden. Erstmals tritt in Schleife der Volkschor Eintracht Bad Muskau unter Leitung von Björn Sobota auf. Ralf Buttker ist Mitglied im Gesangsverein und spricht von diesem als seine zweite Heimat. "Ich brauche dieses Musik auch, um arbeiten zu können", sagt er und freut sich, dass seine Gesangskollegen die Eröffnung musikalisch umrahmen.

Schon im Elternhaus in Döbern wurde der Grunstein für die Liebe zum künstlerischen Ausprobiern gelegt. Darauf konnte Ralf Buttker im Gymnasium in Weißwasser aufbauen. Er musste eine Zyklus über Weimar gestalten. "Da hat mich die Grafik gepackt", erzählt er. Noch heute sei er stolz, dass es eines seiner Bilder 1977 in eine Ausstellung nach Berlin geschafft hat.

Apropos Bild. Auf Leinwand einer Saniliege aus NVA-Beständen malte er sein erstes großes Porträt. Es zeigt eine junge Polin. Noch am Mittwoch könnte er es verkaufen. "Das erste Bild verkauft man nicht", bittet Ralf Buttker um Verständnis.

Fotografie, Grafik, Malerei, Gestalten - er lebt sein künstlerisches Hobby auf vielfältige Weise aus. In der Ausstellung in Schleife könne er deshalb nur "ein kleines Fenster" öffnen. "In 40 Jahren ist halt viel zusammengekommen", entschuldigt er sich fast. Davon profitiert die Heimstatt der Buttkers. "Bei uns wir öfter mal neu dekoriert", lacht Monika Buttker, wenn wieder andere Bilder in den Räumen hängen.

Großer Wunsch von Ralf Buttker wäre es, seine Arbeiten in den Räumen des Muskauer Neuen Schlosses auszustellen. Schließlich befasst er sich mit Parkanlagen in Branitz und Bad Muskau in Form einer Langzeitstudie.

Die Ausstellung läuft bis zum 31. Juli. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist für Kinder frei, Erwachsene zahlen einen Euro.