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Infrastruktur
Bleibt die S 127 in Nieder-Neundorf ein Nadelöhr?

Mit Plakaten versucht die Bürgerinitiative Nieder-Neundorf, für die prekäre Verkehrssituation im Ort zu sensibilisieren.
Mit Plakaten versucht die Bürgerinitiative Nieder-Neundorf, für die prekäre Verkehrssituation im Ort zu sensibilisieren. FOTO: Uwe Menschner
Nieder-Neundorf. Die Bewohner des Rothenburger Ortsteils kämpfen um eine Umfahrung. Die Straßenbauverwaltung hat aber andere Pläne. Von Uwe Menschner

Im Zuge des Besuchs des früheren sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) im November in China haben sich die Aussichten auf den Bau einer Fabrik für Elektrofahrzeuge in Rothenburg verdichtet. Bereits im Jahr 2018, so hieß es aus dem Umfeld des Ex-Regierungschefs, könnten die Bagger auf dem Flugplatz der Kleinstadt an der Neiße anrollen. Die Milliarden-Investition soll mit der Schaffung von mehr als 1000 Arbeitsplätzen verbunden sein.

In Nieder-Neundorf allerdings dürfte die Botschaft mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden sein. „Wenn diese Investition kommt, dann wird das Verkehrsaufkommen auf der Staatsstraße 127 deutlich ansteigen“, befürchtet Ortsvorsteher Klaus-Dieter Kliemt. Bereits jetzt fahren täglich circa 2500 Fahrzeuge durch den Rothenburger Ortsteil, davon etwa zehn Prozent Lkw.

Seitdem die S 127 zwischen der Bundesstraße 115 (Kunnersdorfer Senke) und Zodel aus- und neu gebaut wurde, hat sich laut dem Ortsvorsteher ein großer Teil des Fernverkehrs auf die östlichste Staatsstraße Sachsens verlagert. Doch auch der Umleitungsverkehr, wenn auf der B 115 (oder auf anderen Straßen) gebaut wird, verschärft die Situation. Nieder-Neundorf bildet dabei ein klassisches Nadelöhr, verengt sich doch die Straße in der Ortslage auf bis zu fünfeinhalb Meter.

Die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Nieder-Neundorf“ kämpft seit ihrer Gründung 2015 darum, die Verkehrsbelastung des Ortes durch den Bau einer Umgehungsstraße zu reduzieren. Damit knüpft sie an eine jahrzehntelange Tradition des Versuchs an, Nieder-Neundorf vom Durchgangsverkehr zu befreien.

2016 gelang es der Initiative durchzusetzen, dass an besonders neuralgischen Stellen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h reduziert wird. In diesem Jahr hat die Initiative mehrere Plakate aufgestellt: „Mit dieser Aktion werben wir bei allen Verkehrsteilnehmern um Akzeptanz für die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Ort und wünschen uns, dass Politik und Verwaltung auf den dringenden Handlungsbedarf aufmerksam werden“, so Sprecherin Julia Bajohr. Dabei gehe es vor allem um die Schulkinder, die sich an der engen Ortsdurchfahrt zur Bushaltestelle „schlängeln“ müssen. Doch auch ältere Menschen und Radfahrer seien besonders gefährdet.

In Politik und Straßenbauverwaltung ist das Problem durchaus nicht unbekannt. So soll der Bau einer Ortsumfahrung von Nieder Neundorf sogar vor Jahren schon einmal im Verkehrswegeplan des Freistaates Sachsen enthalten gewesen sein. Im derzeit geltenden Plan ist davon jedoch keine Rede, wie das Landesamt für Straßen und Verkehr (Lasuv) klarstellt. Vielmehr „bereiten wir gegenwärtig die Erneuerung der S 127 in der Ortslage in mehreren Bauabschnitten vor“, wie eine Sprecherin erklärt.

Dies dürfte allerdings zu Problemen führen, auf die der Ortsvorsteher hinweist: „Bei einem normgerechten Ausbau auf 6,50 Meter Breite mit Gehwegen an jeder Seite würde die Straße im Extremfall von Hauswand zu Hauswand reichen.“ Sämtliche Eigentümer entlang der Straße müssten erhebliche Teile ihrer Grundstücke abgeben, was der Vorsteher für „schwer durchsetzbar“ hält.