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| 17:50 Uhr

Biberproblem
Biber gefährden Muskauer Park

Der Schlossteich im Muskauer Park mit seinem Fürst-Pückler-Schloss. Zumindest vom Teich soll der Biber ferngehalten werden.
Der Schlossteich im Muskauer Park mit seinem Fürst-Pückler-Schloss. Zumindest vom Teich soll der Biber ferngehalten werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Parkdirektor Cord Panning schlägt Alarm. Biber bringen den Muskauer Park in Gefahr. Die bisherigen Maßnahmen schrecken die Nager nicht wirklich ab. Von Torsten Richter-Zippack

„Die Biber haben sich zu einer elementaren Gefahr für unseren Park entwickelt. Manche sehen die Sache zwar mit einem Schmunzeln, aber für uns bedeuten die Tiere ein echtes Problem“, kommt der Bad Muskauer Parkdirektor Cord Panning ohne Umschweife auf den Punkt. Schon mehrfach hätten die Nager im Unesco-Weltkulturerbe-Park Bäume gefällt. Selbst vor altehrwürdigen dicken Eichen schreckten sie nicht zurück. Darüber hinaus würden Uferstauden angegangen. Mehr noch: Die Tiere untergraben auch Böschungen. So brechen diese ein. „Dadurch werden unsere Mitarbeiter, beispielsweise beim Rasenmähen, gefährdet“, erklärt Panning. Besonders an der Hermannsneiße tobe sich Meister Bockert, wie der Biber im Volksmund genannt wird, aus. Das Wasser fließe nicht zu schnell, das Gewässer habe eine geringe Tiefe, also ideal für die Biberfamilien.

Inzwischen begleiten nach Angaben von Parkmeister Bernd Witzmann rund zwei Kilometer Kilometer Elektrozäune die Gewässer. Diese seien 60 bis 70 Zentimeter hoch. Darüber hinaus haben zahlreiche Bäume Metallmanschetten erhalten. Zudem wurden, so Panning, in betroffenen Böschungsabschnitten Stahlmatten platziert, um die Biber vom Graben abzuhalten. Der Erfolg? „Eher mittelmäßig. Das Problem ist, dass sich die Nager längst nicht an die Lehrbücher halten. Sie zeigen teilweise ganz andere Verhaltensweisen, als die Gelehrten aufgeschrieben haben“, sagt Panning. Wird ein Parkteil eingezäunt, wichen die Tiere in andere Ecken aus. Selbst die stabilen Baummanschetten wirkten nicht 100-prozentig. „Dann nehmen sich die Biber die Wurzelanläufe vor“, weiß der Parkdirektor aus Erfahrung. Auch Umsiedlungen seien nicht zielführend: „Alle Reviere in der Region sind bereits besetzt.“

Das bestätigt Biberexperte Norbert Allberger, der ehrenamtlich im Naturschutzdienst tätig ist. „Ich betreute in der Region Weißwasser 13 besetzte Reviere. Die Neiße ist in unserer Region flächendeckend von Bibern besiedelt.“ Und eine Biberfamilie in ein bestimmtes Revier zwingen zu wollen, funktioniere in den meisten Fällen ohnehin nicht.

Im gesamten Landkreis Görlitz gibt es laut Kreissprecherin Julia Bjar lediglich acht ehrenamtliche Biberexperten. Das seien viel zu wenige. Immerhin: Voraussichtlich in diesem Monat richte der Landschaftspflegeverband Oberlausitz mit Sitz in Reichenbach/OL die Stelle eines „Bibermanagers“ ein. Hauptaufgabe sei zunächst, Biberbeobachtungen zusammenzufassen und auszuwerten. Ein schwacher Trost für das Muskauer Parkteam. Dessen Experten versuchen mittels enger Zusammenarbeit mit der Görlitzer Kreisnaturschutzbehörde, die Tiere zumindest vom Schlossteich fernzuhalten. Stattdessen könnten die Nager im etwas abseits gelegenen Eichsee leben. Viele Handlungsmöglichkeiten gebe es nicht mehr. „Schließlich sind Biber eine streng geschützt Art“, sagt Panning. Allerdings finde er es problematisch, wenn sich einerseits die Biberbestände durch diverse Schutzmaßnahmen stark erhöht haben, andererseits es aber in Kauf genommen werde, dass die Tiere über Jahrhunderte gewachsenes menschliches Kulturgut zerstörten. Wie eben den Muskauer Park. Oder wie es Cord Panning ausdrückt: „Es ist ein permanentes Ringen mit schlechten Karten.“

Für land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Betriebe greife bei größeren Ertragsausfällen die Härtefallausgleichsverordnung des Freistaates Sachsen. „Es kann allerdings nicht jeder kleine Schaden entschädigt werden, da die Bewirtschafter aufgrund des Biberschutzes gewisse Einbußen hinnehmen müssen“, erklärt Bjar.

Für Landschaftsparks gebe es keine entsprechende Regelung. Ohnehin seien die dortigen Schäden durch Geld kaum mehr auszugleichen. „Es ist wirklich zum Haareraufen“, kommentiert Cord Panning. „Der Biber ist zurzeit das mit Abstand größte Problem, das wir haben.“