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| 17:16 Uhr

Bewährungsstrafe nach Messerattacke in Niesky

FOTO: dpa
Weißwasser/Niesky. Ein Asylbewerber aus Libyen ist vom Schöffengericht Weißwasser zu einem Jahr und acht Monaten Haft, ausgesetzt zu dreieinhalb Jahren Bewährung, verurteilt worden. Dem 38-Jährigen wurden gleich mehrere Taten vorgeworfen. Christian Köhler

So soll er nicht nur einen Wachmann mit einer Pfanne und einem Messer angegriffen haben. Er soll auch danach am Weg von der Polizeiwache in die Asylunterkunft in Niesky mehrere Schaufenster eingeschlagen und eine Frau vom Fahrrad gestoßen haben. Und selbst das ist noch nicht alles. Bis jetzt saß er mehr als drei Monate in Untersuchungshaft. Er war per Haftbefehl gesucht und in Belgien festgenommen worden.

Doch von Anfang an: Im Oktober 2014 hat der Wachmann und Nebenkläger im Prozess in Weißwasser erneut auf lautes Geschrei und Lärm in der Asylunterkunft reagiert. "Wir wurden von der Heimleitung angewiesen, schneller einzuschreiten", erklärt Martin K.* Es sei vermehrt dazu gekommen, dass Bewohner randalierten, Toiletten und Trinkwasseranschlüsse zerstörten. An jenem Abend, so erklärte K., habe der Angeklagte mit zwei Freunden nach Mitternacht vor dem Wachzimmer gestanden, gegen die Tür getreten und herumgebrüllt. "Er wollte wissen, ob es Post für ihn gibt", so K. Weil der Wachhabende die jedoch nicht gleich fand, traten die Männer gegen die Tür, beschimpften K. Die Situation eskalierte. K. griff vor der Tür zu seinem Pfefferspray. Zwei der drei Angreifer sackten zu Boden, als K. plötzlich von einer Pfanne getroffen wurde. "Er hat mich danach mit einem Messer angegriffen, was ich jedoch abwehren konnte", berichtet K. Bei der Abwehr habe er eine Schnittwunde am Arm erlitten. Seine Kollegin, die in der Zwischenzeit die Polizei gerufen hatte, habe aus dem Fenster beobachtet, wie K. von den Asylbewerbern mit Pflastersteinen beworfen wurde. Das bestätigen auch Polizisten, die in dieser Zeit die Asylunterkunft erreichten, im Zeugenstand.

"Wir wollten grillen und er hatte den Grill umgeworfen", gab der Angeklagte an. Der Wachmann habe ihn provoziert. Weil der Libyer zudem völlig betrunken gewesen sei, könne er sich nicht an jedes Detail erinnern. Die Blutprobe ergab 1,9 Promille zur Tatzeit.

Gut zwei Wochen später wurde der Asylbewerber erneut in Polizeigewahrsam genommen, weil er in der Unterkunft betrunken randalierte und sich mit einem Mitbewohner geprügelt hatte. "Er hat uns angespuckt, mit seinem Gebiss beworfen und uns beleidigt", erinnert sich der Polizist. Nachdem der Libyer sich auf der Wache beruhigt hatte, soll er auf dem Weg in die Asylunterkunft weiter randaliert haben. "Es gab für uns keinen Grund, ihn weiter festzuhalten", begründet der Polizist die Freilassung.

Auf dem Heimweg aber soll der Beschuldigte einen Fahrradständer in ein Schaufenster geworfen haben - Schaden: 7000 Euro. Ein Bäckermeister konnte noch verhindern, dass der Angeklagte erneut eine Scheibe auch in seiner Filiale einschlug. Eine Radlerin sei dann in aller Frühe mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und unvermittelt von dem Beschuldigten umgestoßen worden sein. "Ich weiß nicht, was dort passiert ist", sagte der Libyer. Auch die Zeugen gaben unterschiedliche Beschreibungen des Täters.

Staatsanwalt Ringo Hensel forderte zwei Jahre Haft, die zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt werden könnten. "Auch wenn es mir schwerfällt", so Hensel. Die Nebenklage forderte Schmerzensgeld für den Wachmann von 3000 Euro sowie eine Haftstrafe ohne Bewährung. Verteidiger André Kanzog fragte: "Was wissen wir?" Letztlich nur, dass sein Mandant mit Steinen geworfen habe und "deshalb von den Vorwürfen freigesprochen" werden soll.

Das Schöffengericht um Vorsitzenden Ralph Rehm verurteilte den Angeklagten und gab dem Antrag auf Schmerzensgeld statt. Ferner wurde dem Verurteilten die Auflage erteilt, sich über die Bewährungszeit bei der Ausländerbehörde zu melden und deren Weisungen Folge zu leisten. Er trägt die Kosten des Verfahrens und darf die Untersuchungshaft verlassen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde ausgesetzt.

*Name geändert