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| 12:34 Uhr

Abschiedsparty
Bevor der Bagger kommt: letzte Party im Dreiseitenhof

Die Partymacher vom Sonnabend im Mühlroser Dreiseitenhof.
Die Partymacher vom Sonnabend im Mühlroser Dreiseitenhof. FOTO: Martina Arlt
Mühlrose. „Zeit zum Anstoßen“ – dieses Motto haben junge Mühlroser für ihre Party kreiert. „Die Letzte“ war der Titel der Mucke im Jugendclub. Von Martina Arlt

100 ehemalige Einwohner, Freunde und Nachbarn  haben sich für eine lange Nacht im Mühlroser Dreiseitenhof angemeldet gehabt. „Es ist bestimmt schon acht Jahre her, dass es hier eine Clubparty gegeben hat. Voriges Weihnachten war uns mit Mathias, Christin, Sylvio, Susann und Gitte ganz in Familie die Idee gekommen, noch einmal eine Abschiedsparty zu organisieren. Denn bald gibt der Bagger in unserem Ort den Ton an. Gesagt, getan. Jetzt gibt es noch einmal eine große Sause mit alten Beats, deftigem Essen und sprudelnden Getränken“, sagt Robert Koitschka (35) vom Jugendclub.

Er ist gebürtiger Mühlroser. Doch im Ort fehlen Freunde und  Jugendliche, die Lebensqualität hat nachgelassen, fügt er hinzu. Die Clubmitglieder seien im Dorf immer weniger geworden. Der Club gehöre sozusagen zum Spielmannszug Mühlrose. Dessen Domizil wurde 1999 zum Jugendclub umgebaut.  

Die weißen Tücher am Tresen tragen die Aufschrift „JC Mue“ (Mühlrose). Die Gäste sind an diesem Sonnabend aus Hamburg, München, Spremberg, Dresden, Cottbus, Berlin, Burg und Klitten angereist, um noch einmal schöne Stunden im Dreiseitenhof zu verbringen.

„Um an alte Zeiten zu erinnern, haben wir aus rund 700 Bildern eine Auswahl getroffen. 200 Fotos druckten wir aus und zeigen sie hier an den Wänden“, berichtet Robert, und weiter: „Sylvio bereitete Eierlikör zu und Bocki (Lutz Paulick) sorgte für Kesselgulasch und Kartoffelsuppe.“ Sehr viel Herzblut steckte das Organisationsteam in die Vorbereitung der Party. Auch die 35-jährige Christin Noack, die in Dresden wohnt und als Grafikerin tätig ist, half. „Wir haben tolles Wetter, tolle Musik mit DJ Dev und tolle Cocktails, da kann ja kaum noch etwas schiefgehen“, sagt Christin.

Die Liebe hat auch die 36-jährige Berlinerin Susann Texdorf in „Mühlrose ankommen lassen. Doch in den Köpfen der Mühlroser Einwohner kreist seit Jahren das Thema Tagebau. Johannes Ladusch (18) ist in Mühlrose aufgewachsen und nur noch von wenigen seiner Generation im Ort umgeben: „Im Jugendclub in Mühlrose trifft man sich kaum noch. Durch Freunde bin ich nun oft im JC Rohne aktiv. Ich hatte in Mühlrose eine traumhafte Kindheit, hatte alles. Gern spielten wir im Wald, wie es auf einem Dorf eben so ist. Doch nun steht die Umsiedlung vor der Tür. Noch wohne ich bei den Eltern. Aber dann werde ich in eigenen Wohnraum ziehen“, erzählt Johannes.

André Fabian (52, ein Mühlroser) und Olaf Ladusch (51, ein Nochtener, in Mühlrose zugezogen) sind schon eine andere Generation. Doch bei der großen Jugendclubparty am Samstag fühlten sich beide sehr wohl. „Einen Jugendclub gab es schon zu tiefer DDR-Zeit in Mühlrose. Ich erinnere mich noch, als wir hier zum Dorffest aus Gaudi Fußball spielten: ,Schlafanzug gegen Nachthemd’“. Mühlrose ist ein schönes Dorf, doch schon immer vom Tagebau beeinträchtigt. Ein Drittel wurde ja schon damals umgesiedelt. Nun steht wieder der Tagebau vor der Tür. In etwa zwei Jahren soll es losgehen zum Standort Richtung Lieskau. Es zieht sich alles hin, die Umsiedlung sollte schon längst im Gange sein. Wir haben etwa 200 Einwohner. Mehr als 30 Haushalte ziehen wohl zu diesem vorgesehenen Standort“, so André Fabian. „Dann wird man sich ja vielleicht wieder dort finden. Vielleicht gibt es dann noch eine ganz letzte „2.0-Party. Man muss das Beste daraus machen“, ergänzt Christin.
Zur Erinnerung an den Partyabend vom 19. Mai 2018 soll ein „Kalender 2019“ für die Teilnehmer kreiert werden.