" Einige Rietschener jedoch wollten sich nach ihrem Tode nicht verbrennen lassen, trotzdem aber auf der grünen Wiese beigesetzt werden. Vor dem Hintergrund, dass Familienangehörige längst die Heimat verlassen haben und die zumeist Älteren nicht wollen, dass ihre Kinder sich um die Gräber kümmern müssen, wurde die grüne Wiese in den vergangenen Jahren auch zusehends attraktiver.

"Wir sollten in dem Zusammenhang auch einmal diskutieren, ob es noch andere Bestattungsformen gibt, die vielleicht von den Bürgern gewünscht werden", mutmaßte Erbo Naß. Das Thema gehe jeden an, "denn auch wir werden irgendwann auf den Friedhof kommen." Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) unterstrich, dass das Thema die ältere Generation interessiere. "Wir sollten uns Zeit lassen und uns grundlegende Gedanken machen", mahnte Ralf Brehmer. Dazu hatte die Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, einen Ausschuss zu gründen, der sich künftig mit der Frage beschäftigt, welche Bestattungsformen auf dem Rietschener Friedhof möglich sein könnten, wie diese umgesetzt werden sollen und ob sie finanzierbar sind.

"Wenn es eine Tendenz dazu gibt, dass neue oder andere Bestattungsformen gewünscht werden, sollten wir das diskutieren", wandte sich Helmut Perk (Freie Wähler) an die Räte. Der Aufwand bestehe seiner Ansicht nach lediglich darin, die Friedhofssatzung anzupassen. "Aber einen Ausschuss halte ich nicht für sinnvoll", so Perk. Lieber sollte kontinuierlich im Gemeinderat oder im Technischen Ausschuss über das Thema gesprochen werden, damit man sich nicht in endlosen Details verliert. Dieser Meinung schloss sich auch Bernd Hilke (Freie Wähler) an. "Meinungen unter den Bürgern im Vorhinein zu sammeln, halte ich für gut", erklärte Bernd Hilke.

Anita Szonn (Freie Wähler) indessen warf ein, dass in Nachbargemeinden wie in Kodersdorf, Horka oder Rothenburg längst Erdbestattungen auf der grünen Wiese möglich sind. "Vielleicht sollte man sich das einmal vor Ort anschauen und mit den Verantwortlichen dort reden", schlug Anita Szonn vor. Die Frage stehe ja auch im Raum, ob die Leute dort mit den Regelungen zufrieden seien.

Auf mögliche Auswirkungen für die Gebührensatzung des Friedhofs machte dabei Kämmerin Sigune Hilke aufmerksam. "Alle Möglichkeiten der Bestattung sollten letztlich für die Gemeinde und die Bürger bezahlbar sein", unterstrich die Kämmerin. Bürgermeister Ralf Brehmer erklärte dazu auch, dass nicht jede individuelle Bestattungsform angeboten werden könne, "sondern es auch eine entsprechende Nachfrage geben muss".

Schließlich einigte sich der Gemeinderat darauf, einen entsprechenden Ausschuss zunächst nicht zu gründen. Vielmehr würden die Räte in den einzelnen Ortsteilen mit den Bürgern ins Gespräch kommen und anschließend im Gemeinderat ihre Erkenntnisse erläutern. Zudem seien aber auch die Rietschener gefragt. Sie könnten sich ebenfalls an die Gemeindeverwaltung oder aber an die Räte wenden, um ihre Ideen und Vorschläge zu äußern. Im nächsten "Rietschener Anzeiger" soll dazu noch einmal aufgerufen werden. Gleichzeitig dämpfte Ralf Brehmer die Erwartungen, schnelle Lösungen herbeizuführen. "Mögliche Änderungen werden nicht nächste Woche in Kraft treten, sondern langfristig angelegt sein", so der Bürgermeister.

Bestehende Bestattungsformen können über die Friedhofssatzung der Gemeinde eingesehen werden. Diese ist im Gemeindeamt erhältlich oder über www.rietschen-online.de einsehbar.