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| 02:48 Uhr

Bergpiraten in schwierigem Fahrwasser

Die Krippenkinder Emelie, Alexandra, Jonathan und Ella sind vier von 135 Kindern, die derzeit die Kita in Bad Muskau besuchen.
Die Krippenkinder Emelie, Alexandra, Jonathan und Ella sind vier von 135 Kindern, die derzeit die Kita in Bad Muskau besuchen. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Blickt man zurück, war die jüngste Geschichte der Bad Muskauer Kita Bergpiraten immer schwierig, egal, ob in den Zeiten des Baus unter der Hoheit des freien Trägers Turmvilla oder später nach dessen Insolvenz. Seit zwei Jahren liegt die Trägerschaft nun wieder bei der Stadt. Regina Weiß

Es herrschte der Eindruck, dass Ruhe eingekehrt ist. Doch nach der letzten Stadtratssitzung kann man sagen - mitnichten. Elke Klein, Leiterin des Hortes, und Björn Wünsche, Leiter der Kita, waren anwesend, um Bericht zu erstatten. 130 bis 145 Kinder besuchen durchschnittlich den Hort, in die Kita gehen 135 Mädchen und Jungen. Beide Einrichtungen sind also sehr gefragt. "Die Qualität der Arbeit mit den Kindern ist gut", schätzt Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) ein. Doch die Situation ist so, dass die Parkstadt nun auf Hilfe von außen setzt. Zum einen wird für 6500 Euro ein Qualitätsmanagement vergeben, das laut Bürgermeister sowohl auf die pädagogische als auch auf die wirtschaftliche Arbeit in den Einrichtungen schaut. Zum anderen ist aus dem Haushaltsplan der Stadt ersichtlich, dass eine Supervision (Beratung) für die Kita geplant ist. "Wir haben uns sehr wohl und sehr lange überlegt, das nach außen zu vergeben", so der Bürgermeister. Hintergrund ist zum einen, dass derzeit kein Qualitätsmanagement in der Kita stattfindet, zum anderen die Gesamtsituation.

So gebe es zwar eine positive Aura, was die neue Kita als Bau betrifft, doch es sei versäumt worden, mit dem Umzug ins neue Gebäude eine einschneidende konzeptionelle Anpassung vorzunehmen. "Es erfolgte bei der Konzeptionsentwicklung eine Konzentration der Sichtweisen auf die Bedarfe einzelner Gruppen. Alle Mitarbeiter wurden mit diesem Hintergrund in Teilen einbezogen. Der notwendige Blick auf die Gesamteinrichtung war nicht ausreichend im Fokus. In der Folge sind Qualitäten einzelner Gruppen besonders gefördert und damit auch privilegiert worden. Dies ist eine der Ursachen, warum das Team schwer zerrüttet ist", sagte Björn Wünsche. So gebe es Mitarbeiter, die dem Trägerwechsel nur Positives abgewinnen konnten, andere rangen um Orientierung. "Einige Mitarbeiter versuchen, zu retten, was zu retten ist, und wollen sich bewusst nicht in den Prozess der Entwicklung einer Qualität der Gesamteinrichtung einlassen. Das hat einschneidende Auswirkungen, was beispielsweise Mitarbeiter bewogen hat, die Schweigepflicht zu verletzen oder betriebliche Interna an Außenstehende heranzutragen, mit dem Ziel, eigene Interessen durchzusetzen", so Wünsche weiter. Die Stadträte zeigten sich nach diesen Aussagen irritiert und/oder fassungslos. "Wer nicht für die Stadt arbeiten will, muss gehen", so Siegmar Nagorka (CDU). "Ich bin für klare Kante. Wenn man das hier nicht richtig aussprechen kann, dann im nichtöffentlichen Teil", sagte Thomas Baum (SPD) zu den Andeutungen. Und Andy Hebig (CDU) fragte sich, wo bei allem das Wohl der Kinder bleibe.

Das fragen sich im Übrigen auch Eltern, die sich mittlerweile mit einem Schreiben an die RUNDSCHAU gewandt haben. Ihre Namen sind der Heimatzeitung bekannt, weil sie Nachteile für ihre Kinder befürchten, bleiben sie ungenannt. Die Eltern erklären, dass es mehrere Anzeigen und Beschwerden beim Jugendamt zur Arbeit in der Kita gibt. "Zurzeit entsteht unsererseits der Eindruck, als ob sich trotz des wunderschönen prächtigen Baus der Kita Bergpiraten die konzeptionelle Ausrichtung eher drei Schritte zurückbewegt." Das bezieht sich darauf, das räumliche Unzulänglichkeiten herangezogen werden, um wieder mehr Kinder zu Mittagsschläfern zu machen. Bei der gegründeten Vorschulgruppe fehle bis heute ein greifbares Konzept, die Waldgruppe gelte plötzlich als privilegiert. In der Kritik steht zudem, dass der Elternschaft aus deren Sicht die Beteiligung und Information zu wünschen übrig lässt.