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| 13:17 Uhr

Gesundheitswesen
Bereitschaftspraxis jetzt auch in Görlitz

Görlitz. Patienten, die akut, aber nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, haben jetzt auch in Görlitz einen zentralen Anlaufpunkt. In Niesky gibt es den schon seit einiger Zeit. Von Uwe Menschner

Das Nieskyer Beispiel macht Schule: Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) hat jetzt am Städtischen Klinikum Görlitz eine Bereitschaftspraxis eröffnet. „Damit gibt es nun auch in Görlitz eine zentrale Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten mit akuten Beschwerden, deren Behandlung keinen Aufschub bis zur nächsten regulären Öffnungszeit eines niedergelassenen Arztes duldet“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der KVS, Dr. Klaus Heckemann. Die Patienten hätten zu den Öffnungszeiten eine feste Anlaufstelle, die ihnen die Suche nach dem diensthabenden Bereitschaftsarzt erspart.

„Mit der Einrichtung von Bereitschaftspraxen – von der Politik zumeist als Portalpraxen bezeichnet – setzt die KVS den Auftrag der Politik zur Schaffung zentraler Anlaufstellen für Patienten um. Durch eine bedarfsgerechte Behandlung der Patienten können unnötige stationäre Einweisungen vermieden und die Notaufnahmen entlastet werden“, so Heckemann.

Im Nieskyer Emmaus-Krankenhaus war bereits im Januar 2017 als Modellprojekt für den Freistaat Sachsen eine Bereitschaftspraxis eingerichtet worden. Diese steht Hilfe Suchenden auch weiterhin an Samstagen und Brückentagen von 9 bis 13 Uhr sowie an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr zur Verfügung. Die Görlitzer Praxis hat ebenfalls zu diesen Zeiten und darüber hinaus an Samstagen, Sonntagen, Brücken- und Feiertagen sowie mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Görlitz und Niesky bilden einen gemeinsamen Versorgungsbereich und gelten als eine von drei Modellregionen in Sachsen. Die anderen beiden sind der Mittlere Erzgebirgskreis und Nordsachsen. Ab 2019 soll das System der Bereitschaftspraxen dann schrittweise in ganz Sachsen eingeführt werden – so auch für den vorgesehenen Versorgungsbereich Hoyerswerda/Weißwasser.

Thomas Lieberwirth, Kaufmännischer Direktor des Klinikums Görlitz, begrüßt die Einrichtung der Bereitschaftspraxis: „Die nahtlose Versorgung, auch wenn die ambulanten Praxen geschlossen sind, spielt für die bestmögliche Versorgung der Patienten eine entscheidende Rolle. Der Weg in den stationären Bereich des Klinikums ist kurz, wenn dies für den Patienten notwendig wird.“

Allerdings gibt es auch Kritik am System der Bereitschaftspraxen – so an der Verpflichtung der niedergelassenen Ärzte, an deren Besetzung teilzunehmen. Dieser hat jedoch laut einer KVS-Sprecherin die Vertreterversammlung, also die Interessenvertretung der Ärzte, zugestimmt. Außerdem sei die Teilnahme an der Notfallversorgung gesetzlich festgelegt.

Für die Bereitschaftsärzte soll es außerdem Erleichterungen geben: So wird ein zentral organisierter Fahrdienst eingeführt, der sicherstellt, dass bei Hausbesuchen künftig ein medizinisch qualifizierter Fahrer den diensthabenden Arzt begleitet. „Momentan fahren die Ärzte überwiegend mit dem eigenen Auto zu Hausbesuchen“, so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVS, Dr. Sylvia Krug. Auch soll die Nummer 116 117, unter welcher der ärztliche Bereitschaftsdienst zu erreichen ist, in der Bevölkerung bekannter gemacht werden.