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Bei Schuss 98 fällt der Adler

Die Muskauer Gilde präsentiert sich mit ihrem neuen Schützenmeister Sebastian Glöckner, dessen Ehefrau Mandy und Sohn Arno.
Die Muskauer Gilde präsentiert sich mit ihrem neuen Schützenmeister Sebastian Glöckner, dessen Ehefrau Mandy und Sohn Arno. FOTO: I. Tschätsch/igt1
Bad Muskau. Sebastian Glöckner ist der neue Schützenkönig der Muskauer Gilde. Sie feierte das 25. Schützenfest nach ihrer Neugründung. Mit einer großen Parade wurde das Jubiläum eröffnet. Von INGOLF TSCHÄTSCH / igt1

"Wenn ich dieses Mal wieder Schützenkönig werde, dann kündigt mir meine Frau die Freundschaft. Dann kann ich zu Hause ausziehen. Deshalb werde ich auch nur einen Schuss abgeben, gleich am Anfang", sagte Ulrich Petow scherzend am Sonnabendnachmittag zur RUNDSCHAU. Der Gildemeister der Muskauer Schützengilde 1511 hatte wiederholt den hölzernen Adler heruntergeholt. Ein solcher Erfolg verpflichtet. Der Glückliche muss seinen Verein bei diversen Veranstaltungen würdig präsentieren. So fuhr der Gablenzer mit seiner Frau Sonja in den zurückliegenden Monaten zu vielen Schützenfesten befreundeter Vereine. Das kostet Kraft und Zeit - aber auch Geld.

Ulrich Petow konnte am Ende beruhigt sein. Beim Jubiläumsfest der Muskauer Schützengilde im 25. Jahr ihrer Neugründung wurde einem anderen die königliche Ehre zuteil - Sebastian Glöckner. Der Malermeister aus Weißwasser beförderte fünf Minuten vor 18 Uhr das Zielobjekt aus etwa zwölf Metern Höhe hinunter zur Erde. Das passierte mit dem 98. Schuss, nachdem die Gilde gut eine Stunde lang den Adler unentwegt mit der Doppelflinte, Kaliber 16, ins Visier genommen hatte. Im vorigen Jahr waren dazu 152 Schuss notwendig.

Jubelnd wurde Sebastian Glöckner von seinen Schützenbrüdern umringt, musste viele Hände schütteln, wurde umarmt. Der 39-Jährige, der elf Jahre der Gilde angehört, konnte es kaum fassen. "Das ist für mich ein ungeheures Glück, einmal Schützenkönig zu werden. Damit habe ich nicht gerechnet", sagte er nur, nach Worten ringend. Ehefrau Mandy, sein sechsjähriger Sohn Arno und die achtjährige Tochter Martha freuten sich mit ihm über diesen Erfolg. Ulrich Petow hängte dem Sieger die Schützenkette um. Nun ist es an Sebastian und Mandy Glöckner, die Bad Muskauer Schützen in der Öffentlichkeit würdig zu präsentieren …

Vor dem Königsschießen an ihrem Domizil im Ortsteil Berg hatte die Muskauer Schützengilde ihr 25. Fest der Neuzeit am Sonnabend mit einer großen Parade auf der Wiese vor dem Neuen Schloss eröffnet. Touristen, die gerade den Park besuchten, blieben stehen und schauten sich die Zeremonie an. Die Zahl der Bad Muskauer selbst hielt sich in Grenzen. Elf Vereine, beispielsweise aus Balve in Nordrhein-Westfalen, aus Schirgiswalde, Groß Düben, Forst, Haidemühl, Steinbach, Krauschwitz und dem polnischen Zbaczynek machten den hiesigen Schützenbrüdern- und - Schwestern anlässlich ihres Jubiläums ihre Aufwartung.

Zu den Balvern haben die Parkstädter eine besonders enge Beziehung. Sie waren es auch, die der Gilde nach ihrer Neugründung 1992 auf die Beine geholfen haben, indem sie beispielsweise die ersten Uniformen spendeten und auch den Adler für das Königsschießen zur Verfügung stellten. Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) überbrachte Schützen und Gästen die Glückwünsche von Ehrenmitglied Thomas Graf von Arnim, der persönlich nicht am Fest teilnehmen konnte. Auch der 104-jährige Werner Manno - Bad Muskaus Ehrenbürger und Ehrenmitglied der Gilde - wäre gern gekommen, doch seine Gesundheit ließ das nicht zu.

Andreas Bänder betonte, dass sich an den Tugenden der Schützen wie Fürsorge, Wehrhaftigkeit, Einsatzfreude, Disziplin, Standhaftigkeit und Kameradschaft bis heute nichts geändert habe. Der Bürgermeister erinnerte auch an die Väter der Neugründung der Gilde 1992. Namen wie Wolfgang Spiegel, erster Gildemeister, Bernd Stricker, Stephan Enax, Bernd Ganick, Oswald Hentschel und der leider zu früh verstorbene Günter Tappert fielen. Kritisch merkte Bänder die Nachwuchsgewinnung bei den Schützen an. Hier will die Kommune gemeinsam mit den Vereinen der Stadt Lösungswege finden.