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| 17:24 Uhr

Gewalt gegen Retter
Bei Respekt hat Gewalt keine Chance

Beim Podiumsgespräch "Respekt? Ja,bitte!" äußerten sich  Jan Bauer (DRK), Uwe Horbaschk (Polizeirevierleiter), Björn Mierisch (Kreisbrandmeister) und Marcel Nestler (Wehrleiter). Frank Budzuhn moderierte (v.l.n.r.).
Beim Podiumsgespräch "Respekt? Ja,bitte!" äußerten sich Jan Bauer (DRK), Uwe Horbaschk (Polizeirevierleiter), Björn Mierisch (Kreisbrandmeister) und Marcel Nestler (Wehrleiter). Frank Budzuhn moderierte (v.l.n.r.). FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Gewalttätigkeit und Respektlosigkeit gegenüber Rettern stehen in Weißwasser längst nicht so an der Tagesordnung wie in Großstädten. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion dazu deutlich. Aber es gibt Ansätze. Von Gabi Nitsche

  Angetrieben von dem Motiv „Wehret den Anfängen!“ hat der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser anlässlich seines zehnjährigen Bestehens am Samstag eine Podiumsdiskussion zum Thema „Respekt? Ja,bitte!“ veranstaltet. Damit hat er an eine Initiative der Feuerwehrgewerkschaft angeknüpft, Einsatzkräfte und Politiker dazu befragt. Das Fazit von Jörg Lübben: „Gewalt gegen Retter gibt es bei uns unterschwellig, sie äußert sich noch überwiegend verbal. Wir sind klug beraten, uns dem Thema weiter zu widmen. Die Podiumsdiskussion kann nur ein Anstoß gewesen sein. Wir müssen am Ball bleiben.“ Der Vereinsvorsitzende sieht die Politik in Gänze in Verantwortung zu handeln. Es sei längst nicht nur Thema eines Landes, einer Region, sondern ein bundesweites, das man auch nur gemeinsam anpacken könne.

Wie wichtig es ist, öffentlich darüber zu sprechen, haben Einsatzkräfte am Sonnabend verdeutlicht. Uwe Horbaschk, der Leiter des Polizeireviers in Weißwasser, berichtete von 73 Fällen von Widerstand gegen Beamte im Jahr 2017. Die Sachverhalte, die dazu führen, seien oft sehr banale. Ruhestörung sei so ein Beispiel. „Wenn dann Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen, geht es los.“ Doch das seien Ausnahmen. „Aber unsere Kollegen sind darauf eingestellt.“ Das fange mit der Ausrüstung an. Vor fünf Jahren hatte der Polizist eine Pistole am Mann. „Heute könnte man denken, es geht um eine Spezialeinheit.“ Selbst der Bürgerpolizist sei entsprechend ausgerüstet, wenn er nur mit Oma Liesbeth am Gartenzaun rede. Die Bediensteten werden geschult, was das Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte angeht. Oft seien die Polizisten als erste vor Ort und dann gemeinsam mit der Feuerwehr „ganz dicht gemeinsam dran“. Der Revierchef betont: „Wir wollen es nicht dazu kommen lassen, dass sich Angriffe ausprägen. Wir werden es rigoros verfolgen.“

Respekt im Alltag – welche Erfahrungen haben die DRK-Rettungskräfte gemacht? „Im Bereich des Ehrenamtes wie bei den Einsätzen vor wenigen Wochen in Ostritz gute Erfahrungen“, berichtet Jan Bauer vom DRK-Kreisverband Weißwasser. Anders sei es beim Rettungsdienst. Auch hier hätten Alkohol- und Drogenmissbrauch negative Folgen. „Wenn etwas mit Kindern ist, erleben wir oft erregte Eltern. Doch unsere Mitarbeiter sind geschult, können es verstehen und verzeihen.“ Jan Bauer sprach vielen Einsatzkräften aus der Seele, als er sagte: „Das Verhalten in der Gesellschaft hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Da sind die sozialen Netzwerke, viele sind zu jeder Zeit online. Ich habe das Gefühl, es gibt einen Wettbewerb, wer als erster etwas von einem Einsatz postet.“

„Mir sind keine gewalttätigen Übergriffe auf unsere Feuerwehren im Landkreis bekannt“, schätzte der Björn Mierisch ein. Seit wenigen Wochen ist er neuer hauptamtlicher Kreisbrandmeister im Landkreis Görlitz. Es sei sicherlich nicht schön, wenn Leute ihr Handy rausholen und Unfälle fotografieren oder filmen. „Aber das erwarte ich auch von unseren Kameraden“, wurde Mierisch deutlich. Er appellierte: „Wenn es nicht das Ehrenamt gebe, würde vieles nicht mehr stattfinden. Tausende Stunden stecken wir alle rein. Da erwarten wir Respekt.“ Weißwassers Wehrleiter Marcel Nestler sieht das genauso. „Wir wollen ja nicht in den Himmel gehoben werden. Wir wollen nur, dass man uns unseren Job machen lässt und dafür Respekt zollt.“ Auch er nannte die veränderte Gesellschaft. Wer nicht selbst von einem Schadensereignis betroffen ist, fühle sich manchmal genervt von dem Einsatz der Feuerwehren. Das komme vor. „Ich muss versuchen, meine Einsatzkräfte aus solchen Situationen herauszuholen.“ Die Kameraden müssten geschult werden, um zu erkennen an Stimmlage, Körperhaltung des Gegenüber, wann sozusagen Gewalt im Anmarsch ist. Im vorigen Jahr hatte die freiwillige Feuerwehr knapp 380 Einsätze. Von 40 Mitgliedern stünden permanent nur zehn bis 15 Leute zur Verfügung. „Das ist eine enorme Belastung. Wenn dann noch familiäre, berufliche Faktoren dazu kommen, bedeutet das puren Stress.“

Gerade im ländlichen Raum sei das Spektrum für die freiwilligen Feuerwehren enorm – Brände, technische Hilfen, Türnotöffnungen, Katastropheneinsätze und so weiter. „Das ist nicht mit anderen Ehrenämtern vergleichbar“, so Nadine Rücker aus Dresden. Die psychologische Beraterin, Notfallseelsorgerin und Führungskraft im Kriseninterventions- und Notfall-Team hielt in ihrem Vortrag zum Thema Gewalt den Finger in so manche Wunde, zum Beispiel, was Respekt und Gewalt miteinander zu tun haben. Respekt fängt bei bitte und danke an. Kameradschaft gehört genauso dazu wie soziale Regeln einzuhalten, aber auch Diskretion und Gleichberechtigung. Ganz wichtig sei Wertschätzung. „Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sich Menschen ehrenamtlich für die Gefahrenabwehr einsetzen.“ An die kommunalen „Funktionsträger“ gerichtet, betonte die Rednerin: „Anschaffungen wie neue Löschtechnik dienen dem Gemeinwohl, nicht als Spielzeug für die Kameraden.“

Respekt und Wertschätzung wäre auch die Teilnahme an der Veranstaltung. „Die Abgeordneten der Bundes- und Landespolitik waren gut vertreten, die Weißwasseraner Stadträte mit nur dreien unterirdisch repräsentiert“, so Jörg Lübben.

Das Thema des Podiumgespräches fand nicht nur das Interesse bei Kameraden und OB Torsten Pötzsch (Klartext). Auch die Land- und Bundestagsabgeordneten wie Thomas Jurk (SPD), Tino Chrupalla (AfD), Lothar Bienst (CDU), Mirko Schultze (Die Linke) und Sebastian Wippel (AfD) waren dabei.
Das Thema des Podiumgespräches fand nicht nur das Interesse bei Kameraden und OB Torsten Pötzsch (Klartext). Auch die Land- und Bundestagsabgeordneten wie Thomas Jurk (SPD), Tino Chrupalla (AfD), Lothar Bienst (CDU), Mirko Schultze (Die Linke) und Sebastian Wippel (AfD) waren dabei. FOTO: Gabi Nitsche
Nadine Rücker aus Dresden ist psychologische Beraterin, Notfallseelsorgerin und Führungskraft im Kriseninterventions- und Notfall-Team. Sie war Gast des Podiumsgesprächers "Respekt? Ja,bitte!" vom Förderverein Freiwillige Feuerwehr Weißwasser am 2. Juni.
Nadine Rücker aus Dresden ist psychologische Beraterin, Notfallseelsorgerin und Führungskraft im Kriseninterventions- und Notfall-Team. Sie war Gast des Podiumsgesprächers "Respekt? Ja,bitte!" vom Förderverein Freiwillige Feuerwehr Weißwasser am 2. Juni. FOTO: Gabi Nitsche