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| 14:17 Uhr

Medizinische Versorgung
Bei hartnäckigem Husten kann auch eine Art Asthma dahinterstecken

Dr. med Ulrike Wetzel ist Chefärztin der Kinder- und Jugendabteilung des Kreiskrankenhauses Weißwasser.
Dr. med Ulrike Wetzel ist Chefärztin der Kinder- und Jugendabteilung des Kreiskrankenhauses Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Am 1. Mai ist weltweiter Tag des Asthmas. Die Atemwegserkrankung ist bei Kindern die häufigste chronische Erkrankung. Auskunft zu dem Thema gibt Dr. med. Ulrike Wetzel im RUNDSCHAU-Interview. Von Gabi Nitsche

Am 1. Mai ist weltweiter Tag des Asthmas. Dr. med. Ulrike Wetzel, 56 Jahre, Chefärztin der Kinder- und Jugendabteilung im Kreiskrankenhaus Weißwasser, die auch Sprechstunden im MVZ hält, gibt Auskunft zum Thema Asthma. Sie verfügt über Spezialwissen auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen und Allergien bei Kindern.

Seit 1998 gibt es den Welt-Asthma-Tag. Warum ist es so wichtig, über diese Erkrankung aufzuklären?

Ulrike Wetzel: Asthma ist eine Atemwegserkrankung und tritt längst nicht nur bei Erwachsenen auf. Bei Kindern ist es die häufigste chronische Erkrankung. Erhebungen besagen, zehn bis 15 Prozent von ihnen sind betroffen. Und ich bin überzeugt, das ist längst noch nicht allen so bewusst. Wenn Kinder hartnäckigen Husten haben, kann auch eine Art Asthma dahinterstecken.

Was sind Auslöser für diese Erkrankung?

Wetzel: Unser Bronchialsystem ist überempfindlich und das bei Kindern noch stärker. Zum Teil sind es Allergien, die Asthma auslösen. Klassische Beispiele, auf die allergisch reagiert wird, sind Pollen und Tierhaare. Es können aber auch bestimmte Nahrungsmittel sein oder solche Sachen wie Milben, Hausstaub, Schimmelpilze. Andere reagieren sehr empfindlich auf Kälte, Staub oder Düfte. Nicht zu unterschätzen ist Rauch. Tabakrauch gilt als einer der Hauptauslöser für Asthma-Anfälle im kindlichen Alter. Wobei auch psychische Komponenten Asthma-Anfälle auslösen können. Es gibt Jugendliche, die haben Atemnot nach Belastung, und dann pfeift dieser beim Sportunterricht. Weniger bei Kindern und mehr bei Erwachsenen können auch Infekte schuld sein. 

Liegen die Ursachen für Asthma-Erkrankungen, wie gern behauptet wird, nur in der Umweltbelastung?

Wetzel: Nein, nicht nur. Untersuchungen in Halle haben kurz nach der Wende gezeigt, dass nicht die Chemieindustrie in Halle-Bitterfeld der Ausgangspunkt war für besonders viele an atemwegserkrankten Menschen, dass im Vergleich die Zahl in München viel höher war. Heute liegen die Zahlen dichter beieinander. Wissenschaftler fanden heraus, dass das etwas mit dem westlichen Life-Style zu tun hat. Die Rolle der Umweltschadstoffe ist jedoch nicht zu unterschätzen. Sie sind ursächlich für circa 15 Prozent der Asthma-Erkrankungen bei Kindern weltweit. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Neuerkrankungen bei Kindern und ihren Wohnorten an verkehrsreichen Straßen. Das ist nachgewiesen. Gegenden mit Umweltverschmutzungen lassen dagegen die Zahl der Erkrankten nicht automatisch ansteigen.

Sind Allergien auch vererbbar?

Wetzel: Das steht außer Frage. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an Asthma erkrankt, ist um das Dreifache höher, wenn ein Elternteil Asthmatiker ist. Sind es beide, erhöht sich das Risiko für das Kind auf 60 Prozent. Meine Botschaft: Wenn Kinder husten, keinen Infekt und kein Fieber haben, sollten die Eltern es abklären lassen. Zum Beispiel bei uns im MVZ, dem Medizinischen Versorgungszentrum, am Krankenhaus. Wir haben die technischen Möglichkeiten für die Diagnostik und es ist eines meiner Spezialgebiete.

Was raten Sie besorgten Eltern?

Wetzel: Mit uns einen Termin vereinbaren und das Kind von uns untersuchen lassen. Unser Ziel ist es, Kinder vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren, also vorzubeugen mit Therapien, damit sich die Lunge später nicht verändert und aus ihnen keine COPD-Patienten werden. Wir wollen frühzeitig helfen, und das ohne einen Krankenhausaufenthalt, und für Lebensqualität bei den Kindern sorgen. Sie sollen trotz Asthma sportlich aktiv sein und herumtoben, sich nicht ausgegrenzt fühlen. Dafür brauchen Eltern und vor allem die Kinder viel Verständnis.

Wie erreichen Sie das?

Wetzel: Wenn wir hier im MVZ die individuelle Therapie gefunden haben, raten wir zu Asthma-Schulungen. Die bieten wir nicht an, aber eine Kollegin in Döbern. Den Kindern wird altersgerecht beigebracht, was Asthma überhaupt ist, wie sie sich selbst helfen können, wenn sie zum Beispiel das verordnete Spray richtig einatmen.