Johanna Gruner strahlt übers ganze Gesicht. Sie freut sich sichtlich, dass der Uhyster Heimatverein wieder ein Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht hat. Seit Anfang der Woche hat Uhyst wieder eine Bibliothek, eine besondere noch dazu. Die Bücherei ist direkt am Dorfplatz gleich neben der Bushaltestelle zu finden. Ein Elektromeister aus Schwarzkollm spendete die ehemalige Telefonzelle, die nun ihr zweites Leben als Bücherstube startet. "Eine tolle Idee", lobt Ortsvorsteher Frank Knobloch.

Uhyst hat schon viele Jahre keine eigene Bibliothek mehr. Das ist eine Folge der Zusammenlegung der Gemeinde mit Boxberg. Doch über die Jahre wurde ein Neustart nie ganz zu den Akten gelegt. Vielmehr wurden fleißig Bücher gesammelt. Uhyster, die Haushalte auflösten, wollten sich von den Bänden nicht trennen. "Wir haben bestimmt 10 000 Bücher eingelagert", so Johanna Gruner. Der Bestand sei gut, wissen Johanna Gruner und "Bücherwurm" Bernhard Gulde nach dem Sichten. Höchstens ein Zehntel hätte aussortiert werden müssen.

Doch dem Heimatverein wurde bald bewusst, die Arbeit in einer ehrenamtlich geführten Bibliothek ist nicht zu stemmen. Da kam die Telefonzelle gerade recht.

Hans-Joachim (Hansi) Pötschke griff zu Pinsel und Farbe, um das Häuschen dem Uhyster Straßenmobilar farblich anzupassen. Danach hatte Reiner Kissel die knifflige Aufgabe, möglichst viele Regale in die enge Zelle einzupassen.

Der Boxberger Bauhof fertigte nicht nur das Fundament für die Bücherei, sondern transportierte sie auch an Ort und Stelle. Als Unterstützer mit im Bunde ist die Firma Envia M. Sie steuerte Geld bei. So war in acht Wochen alles erledigt.

Die Uhyster Bücherei ist rund um die Uhr geöffnet. Die Bücher können mitgenommen und am Strand, auf der Parkbank oder auf der heimischen Couch gelesen werden.

Urlaubern machen die Uhyster sogar das Angebot, das ausgeliehene Buch mitnehmen zu können. Das allerdings unter einer Bedingung: Das Buch aus Uhyst soll später am Heimatort an einem öffentlichen Ort anderen Lesebegeisterten zur Verfügung stehen.

Die Uhyster machen das mit Hintergedanken. Auf allen Bücherrücken sollen Aufkleber auf die Homepage www.uhyst.de hinweisen. Damit werden die Bücher zum Werbemittel.

"Ich denke bei der ganzen Aktion auch an Unterdörfer", sagt Johanna Gruner. Die Rede ist vom Dichterförster Gottfried Unterdörfer, dem bekanntesten Sohn Uhysts. Ihm sei immer wichtig gewesen, dass die Menschen lesen. In Uhyst muss man nur zugreifen.