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| 01:49 Uhr

Bedingunsloses Grundeinkommen für alle?

DM-Gründer und „Vordenker“ Götz Werner hat unlängst auf Einladung von OB Joachim Paulick in Görlitz die Idee des „bedingungslosen Grundeinkommens“ vorgestellt. Foto: ume1
DM-Gründer und „Vordenker“ Götz Werner hat unlängst auf Einladung von OB Joachim Paulick in Görlitz die Idee des „bedingungslosen Grundeinkommens“ vorgestellt. Foto: ume1 FOTO: ume1
Görlitz. Wäre das nicht schön? Jeden Monat 1000 Euro auf das Konto zu bekommen, völlig unabhängig davon, ob man arbeiten geht oder nicht? In Görlitz hat es dazu interessante Aspekte gegeben. Von Uwe Menschner

"Wobei die 1000 Euro nur ein willkürlich angenommener Richtwert sind", wie Götz Werner erklärt. Es müsse so viel sein, dass der Betreffende davon "bescheiden, aber menschenwürdig laut Definition des Grundgesetzes" leben kann. Und mehr noch: Der Betrag steht jedem zu - vom Neugeborenen bis zum Greis - ohne dass irgendjemand die Berechtigung zum Bezug überprüft. Kein "besseres Hartz IV", für das die Antragsteller ihre Bedürftigkeit haarklein nachweisen müssen.

"Solche Ideen vermutet man wohl am ehesten aus der kommunistischen Ecke", meint der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick (Zur Sache e.V.) Doch aus der kommt Götz Werner bestimmt nicht: Er ist ein äußerst erfolgreicher Unternehmer, Gründer der europaweit agierenden Drogeriemarktkette "DM" und als solcher eigentlich der Prototyp dessen, was man landläufig als "Kapitalist" bezeichnen würde. Wie kommt ein solcher Mann auf die Idee, ein "bedingungsloses Grundeinkommen" für Alle zu fordern?

"Ganz einfach: Durch Problemerkenntnis und Nachdenken", beantwortete Werner diese Frage selbst, als er unlängst auf Einladung des OB in Görlitz über sein Modell referierte. "Im Bewusstsein der Menschen ist 'Einkommen' untrennbar mit 'Arbeit' verbunden. Diese Verbindung muss aufgelöst werden." Gäbe es ein bedingungsloses Grundeinkommen, dann könnte sich der Staat von all seinen teuren und uneffektiven sozialen Sicherungssystemen - heißen sie nun Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II - trennen. Diese haben laut Werner mittlerweile ein Ausmaß angenommen, dass sie den Staat - insbesondere auf der Ebene der Kommunen - früher oder später zum Ruin führen. Das beste Beispiel dafür ist der Landkreis Görlitz, der aufgrund seiner exorbitant hohen sozialen Belastungen nicht mehr imstande ist, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. "Die Verwaltung des bedingungslosen Grundeinkommens hingegen ist völlig unbürokratisch, weil jeder denselben Betrag erhält, ohne irgendwelche Voraussetzungen erfüllen zu müssen."

Natürlich wirft ein solches Denkmodell Fragen auf. In erster Linie die, wovon das eigentlich bezahlt werden soll. 1000 Euro monatlich für etwa 80 Millionen Deutsche - das sind 80 Milliarden Euro im Monat, fast eine Billion im Jahr. Doch auch hier wartet Götz Werner mit einer verblüffenden Antwort auf: "Geld ist nicht die Voraussetzung, sondern die Folge von Leistung. Jede Leistung generiert einen Wert, der zuvor noch nicht da war. Die Frage müsste also lauten: Werden genug Waren und Dienstleistungen angeboten, die die Leute von diesem Geld kaufen können?" Und diese Frage, so Werner, könne man bedenkenlos mit ja beantworten. Die nächste drängende Frage lautet: "Besteht denn nicht die Gefahr, dass die meisten Menschen gar nicht mehr arbeiten wollen, wenn sie auch ohne Arbeit genügend Geld bekommen, um einigermaßen anständig zu leben?" Diese beantwortet Götz Werner mit einer Gegenfrage: "Was würden Sie denn tun? Würden Sie sich nur noch auf die Couch legen und fernsehen?" Der Mensch sei ein Wesen, das sich weiterentwickeln möchte - und dies sei vor allem durch Arbeit möglich.

Der Görlitzer OB jedenfalls zeigt deutliche Sympathie für diese Gedanken: "In einer Region wie unserer, wo man nicht mehr genügend bezahlte Arbeit findet, von der man auch seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, muss man nach neuen Wegen suchen", meint Joachim Paulick. "Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen bekämen wir Kaufkraft, würden die Abwanderung stoppen und könnten letztlich den Unternehmen wieder qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte zur Verfügung stellen." Paulicks Ziel ist die Gründung einer parteiübergreifenden Initiative, die sich für eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen auf politischer Ebene stark macht. "Vor allem wir Bürgermeister erleben täglich die Probleme und werden damit konfrontiert. Wir müssen etwas dafür tun, dass die Menschen hier eine Zukunft haben", argumentiert der OB.