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| 19:29 Uhr

Bautzener Bahnhofshalle ist jetzt komplett geschlossen

Der Bautzener Bahnhof wirkt von außen noch immer repräsentativ, hat aber fürwahr schon bessere Zeiten erlebt.
Der Bautzener Bahnhof wirkt von außen noch immer repräsentativ, hat aber fürwahr schon bessere Zeiten erlebt. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Die Deutsche Bahn AG hat die Halle des Bautzener Bahnhofes komplett gesperrt, nachdem sich offenbar Putzteile von der Decke gelöst haben. Welche Auswirkungen die Schäden auf die Verkaufsgespräche haben, ist noch unklar. Uwe Menschner

"Was ist das denn jetzt schon wieder? So eine Sch...!" Sie ist nicht wirklich druckreif, die Reaktion der jungen Frau mit dem schweren Rollkoffer, die vor dem Eingang des Bautzener Bahnhofes steht. Hier gibt es nämlich kein Durchkommen mehr. "Bahnhofshalle geschlossen", steht auf einem an der Glasscheibe angebrachten Zettel. Lediglich die Avis-Autovermietung ist vom Vordereingang aus noch zu erreichen, durch einen vom Rest der Bahnhofshalle mit einem Gitterzaun abgetrennten Gang. Vor dem Reisezentrum erhebt sich eine Bretterwand. Dahin gelangt der Reisende nur noch vom Bahnsteig.

Hans-Jürgen Pfeiffer, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON), ist äußerst unzufrieden mit dem gegenwärtigen Zustand. "Jetzt, wo es intensive Verhandlungen über die Zukunft des Gebäudes gibt, schafft die Deutsche Bahn AG Tatsachen."

Diese begründet ihr Vorgehen mit "von der Decke abfallenden Putzteilen". Diese hätten dazu gezwungen, "die Bahnhofshalle kurzfristig zu schließen". Gefahr für Reisende bestehe nicht, im Eingangsbereich vor dem Reisezentrum seien Sitzgelegenheiten aufgestellt worden. Weiterhin verweist die Deutsche Bahn AG auf ihre Verkaufsabsichten hinsichtlich: "Wir sind bestrebt, das Empfangsgebäude noch in diesem Jahr zu verkaufen. Entsprechende Gespräche werden intensiv geführt." Eine Beseitigung der Schäden vor der Veräußerung, so betont das Unternehmen, sei nicht beabsichtigt.

Einer der Partner bei den Verkaufsverhandlungen ist die Stadt Bautzen. Ihr war der Bahnhof bereits im vergangenen Jahr zum Kauf angeboten worden, ein erstes Treffen dazu fand im Dezember 2013 statt. Laut Tobias Schilling, Mitarbeiter im Amt für Stadtmarketing und Pressearbeit, ist die Stadt von der Schließung des Bahnhofes überrascht worden. "Die Stadt sucht jetzt das Gespräch mit der Bahn, erst danach werden weitere Bewertungen möglich sein", erklärt er.

Die Schließung der Bahnhofshalle ist der vorläufige Höhepunkt in einer Chronologie des Niederganges, die die letzten Jahre hinsichtlich des Bautzener Bahnhofes kennzeichnet. Ob Mitropa-Gaststätte, Blumenladen oder "Kiba" (Kiosk am Bahnhof) - alle Betreiber, die sich hier ein Auskommen sichern wollten, warfen früher oder später das Handtuch. Derzeit befinden sich nur noch die Autovermietung sowie das Reisezentrum der Deutschen Bahn AG in den öffentlich zugänglichen Gebäudeteilen. Und selbst letzteres könnte ein Auslaufmodell sein: Das "Unternehmen Zukunft" hat bereits signalisiert, das Zentrum nicht weiter betreiben zu wollen, wenn die Vogtlandbahn den Verkehr auf der Strecke Dresden-Görlitz - der einzigen in Bautzen verbliebenen Bahnstrecke - übernimmt. Dies wird ab Dezember 2014 der Fall sein.

Immerhin war in den letzten Wochen ein wenig Bewegung in die Verhandlungen um die Zukunft des Bahnhofes gekommen, da auch das Landratsamt Interesse an einer Nutzung von Teilen des Gebäudes bekundet hatte. Was jetzt angesichts der offenkundigen Schäden in der Substanz aus diesen Plänen wird, ist unklar.