Von Uwe Menschner

Das Landesamt für Straßen und Verkehr (Lasuv) hat für seine Bautzener Niederlassung, die die Landkreise Bautzen und Görlitz betreut, wieder ein umfangreiches Bauprogramm aufgelegt. Insbesondere in der Umgebung von Bautzen müssen Autofahrer im Sommerhalbjahr mit erheblichen Behinderungen rechnen. Dies wird dadurch verschärft, dass auf immer mehr Baustellen unter Vollsperrung gearbeitet werden muss: „Zum Jahreswechsel ist eine Richtlinie zum Arbeitsschutz endgültig in Kraft getreten, die die Möglichkeiten zum Bauen unter halbseitiger Sperrung stark einschränkt“, so Lasuv-Pressesprecherin Isabel Siebert. Je nach Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs müsse zwischen Baustelle und Rest-Fahrbahn ein Puffer von bis zu 110 Zentimetern eingehalten werden, was nur bei den wenigsten Baustellen möglich sei.

Einmal (auf einer Baustelle in Ebersbach) ist es auch schon vorgekommen, dass die Berufsgenossenschaft die Arbeiten stoppte, da sie die Sicherheit für die Arbeiter nicht ausreichend gewährleistet sah: „Das ist für uns natürlich der Super-Gau“, so Isabel Siebert.

Allerdings hat das Bauen unter Vollsperrung auch Vorteile: „Es bringt eine Zeitersparnis von circa 20 Prozent mit sich und verbessert die Bauqualität, da keine Mittelnaht erforderlich ist“, erklärt der Bautzener Lasuv-Niederlassungsleiter Andreas Biesold. Gerade diese habe sich immer wieder als „Einfallstor“ für Straßenschäden erwiesen. Wo immer es möglich sei, versuche man jedoch nach wie vor, nur halbseitig zu sperren – auch unter dem Drängen der Landratsämter, die den Schülerverkehr absichern müssen und den Kindern keine Riesenumleitungen zumuten wollen. „Eine Lösung könnte darin bestehen, die Sommerferien voll auszunutzen“, betont Pressesprecherin Isabel Siebert.

Doch wenn sich in diesen sechs Wochen die Baustellen quasi stapeln, hagelt es auch wieder Beschwerden: „Das ist für uns ein bisschen wie die Quadratur des Kreises.“ Die zum Teil exorbitant langen Umleitungen ergeben sich aus dem Umstand, dass nicht jede Kreisstraße geeignet ist, den Verkehr einer Bundes- oder Staatsstraße aufzunehmen. Wenn 2020 die Bahnbrücke in Großharthau neu gebaut wird, führt die Umleitung über Neustadt/Sachsen – ein Umweg von locker 35 Kilometern. Ortskundige Fahrer werden sich dennoch ihre „Schleichwege“ suchen. „Dagegen können wir auch nichts tun, wenn es sich um öffentlich gewidmete Straßen handelt“, so Isabel Siebert, für die das Umleitungs- und Baustellenmanagement eine immer größere Bedeutung bekommt.

Doch wo überall rücken in diesem Jahr die Bautrupps an? Zum Beispiel auf der B 97 zwischen Großgrabe und Schwepnitz, wo erneut Spurrinnen beseitigt werden müssen: „Die schon einmal ausgebesserten Schäden sind wieder da, bis zum grundhaften Ausbau, der in ein paar Jahren geplant ist, hält das nicht mehr“, so Andreas Biesold. Die Arbeiten finden vom 2. September bis 30. Oktober unter Vollsperrung statt.

Auf der B 96 gibt es nördlich von Bautzen gleich zwei Baustellen: Die Ortsdurchfahrt Caminau vom 29. April bis 13. Dezember (bei halbseitiger Sperrung) und der Abschnitt zwischen Plattenwerk Teichnitz und Kleinwelka vom 20. Mai bis 30. Juni (unter Vollsperrung). Auf der S 130 in Schleife wird seit dem 1. April bis zum 13. Dezember die Fahrbahn erneuert, gleichzeitig verlegt die Gemeinde neue Schmutzwasserleitungen.

Dies ist nur ein Auszug aus dem diesjährigen Straßenbauprogramm des Lasuv. Eine vollständige Übersicht der geplanten Maßnahmen gibt es im Internet unter www.lasuv.sachsen.de (über den Link „Meldungen aus den Regionen.) Über allen Planungen schwebt jedoch immer ein Damoklesschwert: „Es kommt immer noch vor, dass wir Ausschreibungen zurückziehen und wiederholen müssen, weil keine wirtschaftlich vertretbaren Angebote eingehen“, erklärt Andreas Biesold zum Schluss.