„Bambi, Bambi“ ruft die vierjährige Sophie auf dem Grundstück in Mühlrose. Sogleich kommt das Reh mit den treuen braunen Augen angelaufen und will spielen. Die Stimmen sind ihm wohl vertraut.
„Das Rehkitz war für uns wie ein Baby. Als wir das kleine hilflose Tier im Mai vorigen Jahres gefunden hatten, war es ja nur wenige Tage alt und konnte nicht allein überleben. Aller vier Stunden haben wir ihm das Fläschchen mit Baby-Nahrung gegeben“ , erinnert sich Mandy Bieder. Ihre Tochter Sophie hat das Reh sofort Bambi getauft und in ihr Herz geschlossen. Da ein Reh als Wildtier nicht privat gehalten werden darf, standen Bambi auf dem Grundstück in Mühlrose von Anfang an die Tore zum angrenzenden Wald offen. Nach einem halben Jahr hat das Reh auch erstmals davon Gebrauch gemacht. Doch nach einigen Wochen stand das Tier wieder auf dem Grundstück, um bei seiner „Adoptivfamilie“ vorbeizuschauen. Sophie schwärmt auch im Kindergarten ständig von ihrem Bambi. Daraufhin ist schon die ganze Kindergruppe vorbeigekommen, um sich den ungewöhnlichen Spielgefährten anzuschauen. „Das Reh scheint Kinder zu mögen und tollt regelrecht mit ihnen herum“ , sagt Mandy Bieder.
Als Lutz Lehmann kürzlich zu einem Wildunfall gerufen wurde, war der Schrecken groß. „Die Größe und das Aussehen deuteten auf unser Reh“ , erklärt der Jäger. Die ganze Familie war schon in Trauer. Doch glücklicherweise kam Bambi wenig später aus dem Wald, als es die Stimmen erkannte. Alle waren unheimlich erleichtert. Seitdem trägt es zur Erkennung ein schwarzes Halsband. Wildunfälle sind in der Gegend nicht selten. Ein bisschen bangen alle, da Bambi die Gefahr nicht kennt. In den letzten Wochen war das Reh wieder für einige Zeit im Wald verschwunden. Die Familie glaubt, dass es im Frühjahr Nachwuchs geben könnte. Das richtige Alter hat das Reh dafür. Mal sehen, ob Bambi dann seine Kinder in Mühlrose vorstellt.

Hintergrund Vorsicht geboten
 Nicht jedes kleine Rehkitz, das im Wald gefunden wird, ist mutterlos. Oft ist die Ricke nur auf Nahrungssuche. Einmal mit fremder Hand berührt, geht der menschliche Geruch auf das Tier über. Für dessen Mutter gilt es dann nicht mehr als eigenes Kind, so dass sie es nicht mehr annimmt.