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| 17:06 Uhr

Idee an grenzübergreifendem Gleisweg bei Görlitz
Polen planen modernen Einkaufstempel mit integriertem Bahnhof

Der Bahnhof Zgorzelec-Miasto ist derzeit noch ein Schandfleck im polnischen Teil der Europastadt Görlitz, doch das soll sich ändern.
Der Bahnhof Zgorzelec-Miasto ist derzeit noch ein Schandfleck im polnischen Teil der Europastadt Görlitz, doch das soll sich ändern. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz/Zgorcelec. Anstelle des bisherigen Stationsgebäudes Zgorzelec-Miasto soll ein Metro-Park entstehen. Von Uwe Menschner

Einkaufen und Reisen – diese Kombination will die polnische Aktiengesellschaft Metropolitan Investment S.A. in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec verwirklichen. Denn anstelle des ruinösen bisherigen Bahnhofsgebäudes Zgorzelec-Miasto plant sie den Bau eines Einkaufszentrums mit integrierter Bahnabfertigung. Dies geht aus einer auf der Website retailnet.pl veröffentlichten Mitteilung der Gesellschaft hervor.

Demnach hat die Metropolitan Investment im Zuge einer Ausschreibung der Stadt Zgorzelec das Areal erworben, um einen Metro-Park zu errichten. „Der Name Metro-Park steht für ein Netz von Fachmarktzentren, das sich zu einer starken und wieder erkennbaren Marke in ganz Polen entwickelt“, teilt die Gesellschaft mit. Metro Parks gibt es demnach bereits in Wisła und Biała Podlaska.

Nun also auch Zgorzelec. An diesem Standort stehen die Investoren allerdings vor der Herausforderung, ihr Konzept mit den Erfordernissen des Eisenbahnverkehrs in Übereinstimmung zu bringen. Denn so hässlich der Haltepunkt Zgorzelec-Miasto mit seiner Bahnhofsruine auch sein mag, hat er doch eine große Bedeutung – nicht nur für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Deutschland.

Der Fahrkartenverkauf findet in einem Container in unmittelbarer Nachbarschaft statt. In der Mitteilung heißt es dazu: „Das Projekt sieht den Abriss des Bahnhofs und den Bau eines 3100 Quadratmeter großen Einkaufszentrums vor, in dem auch ein Reisezentrum mit Fahrkartenautomaten und Wartesaal zu finden sein werden.“ Zudem zieht der Investor in Erwägung, das Areal mit einem Busbahnhof weiter aufzuwerten.

Der Haltepunkt Zgorzelec-Miasto bietet Reisenden aus Deutschland derzeit wenig Anreiz zum Ausstieg: Wer in einem der Züge aus oder nach Görlitz sitzt, steuert zumeist Breslau (Wroclaw) oder Hirschberg (Jelenia Gora) an beziehungsweise kommt von dort. Doch der Haltepunkt wird in absehbarer Zeit eine größere Bedeutung gewinnen: Ab dem 21. Dezember 2019 kommt es hier aufgrund der Elektrifizierung des Streckenabschnittes bis Kohlfurt (Wegliniec) zum „Zwangsumstieg“ der aus Deutschland anreisenden Fahrgäste. Denn laut bisherigen Aussagen der Deutschen Bahn ist frühestens im Jahre 2027 mit einer Elektrifizierung des Bahnhofes Görlitz zu rechnen, sodass die Züge durchgängig in Elektrotraktion fahren können. Vom Rest der Strecke bis Dresden ganz zu schweigen. Und in der Anfangszeit wird dies genau mit den Bauarbeiten für das neue Metro Park-Einkaufszentrum zusammenfallen. Komfortables Reisen sieht anders aus. Mit der durchgehenden Elektrifizierung können Züge dann von Breslau bis Zgorzelec mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde verkehren, bisher ist es Tempo 120.