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| 17:24 Uhr

Rietschen
Bahnhof oder Amt – das ist hier die Frage

Der Bahnhof in Rietschen soll bis zum Jahr 2021 über das Förderprogramm KSP ertüchtigt werden. Anschließend sollen bislang ansässige Einrichtungen der Fema hier Platz finden.
Der Bahnhof in Rietschen soll bis zum Jahr 2021 über das Förderprogramm KSP ertüchtigt werden. Anschließend sollen bislang ansässige Einrichtungen der Fema hier Platz finden. FOTO: Christian Köhler
Rietschen. Der Rietschener Rat stimmt dem Folgeantrag für Fördermittel zu. Bürgermeister Ralf Brehmer: „Priorität hat das Kino.“ Von Christian Köhler

Der Gemeinderat in Riet­schen hat während seiner jüngsten Sitzung dem Folgeantrag für das Förderprogramm „Interkommunale Zusammenarbeit“ (KSP) zugestimmt. Über das Programm – es geht um 1,8 Millionen Euro – hat die Gemeinde ursprünglich nicht nur die Sanierung des Kinos abdecken wollen, sondern auch die Instandsetzung des Bahnhofs sowie Einzelmaßnahmen am Gemeindeamt, dem ehemaligen Glaswerk sowie an der Villa Hüffner. Der Antrag soll allerdings hauptsächlich die Umsetzung der Kinosanierung für die kommenden zwei Jahre beinhalten. „Priorität hat das Kino“, erklärt Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos). „Das Glaswerk sowie die Villa Hüffner werden zurückgestellt und finden über das Förderprogramm nicht mehr statt“, erklärt Brehmer weiter.

„Aus welchem Grund werden auch Arbeiten an dem Gemeindeamt zurückgestellt?“, will Gemeinderat Torsten Lorenscheit (WfR) wissen. „Ich sehe die Sanierung des Bahnhofes als besser an“, begründet der Bürgermeister. Dieser habe einerseits eine bessere Außenwirkung und andererseits „könnte mit dem Umzug einiger Institutionen aus der Fema in den Bahnhof Platz für die Freie Schule geschaffen werden“, argumentiert Ralf Brehmer weiter. Er regt jedoch den Gemeinderat an, über die Frage zu diskutieren, welches der beiden Gebäude nun erneuert werden soll: „Die Mitarbeiter der Verwaltung haben sicher nichts dagegen, wenn am Gemeindeamt etwas passiert“, so Brehmer mit Blick auf den eher schlechten Zustand des Gebäudes am Forsthausweg. „Ich denke, es geht mit dem Beschluss heute darum, Prioriäten festzulegen, was mit den Mitteln passieren soll, die nach der Kinosanierung noch übrig bleiben“, sagt Helmut Perk (Freie Wähler).

Tatsächlich sind nach bisheriger Kalkulation für den Doppelhaushalt 2019/2020 etwa 1,3 Millionen Euro für das Kino vorgesehen – 563 000 Euro davon stammen von der Gemeinde. Bleiben unter dem Strich knapp 500 000 Euro übrig, die zum Teil in Aufwendungen für die Abarbeitung der Förderung fließen und eben entweder in den Bahnhof (430 000 Euro) und in einen Dorfmarkt (4000 Euro) oder eben in das Gemeindeamt.

„Wenn man mich fragt, welches der beiden Gebäude wichtiger für Rietschen ist, würde ich sagen: der Bahnhof“, erklärt Helmut Perk. Das Gemeindeamt, so sein Vorschlag, könne man doch über ein anderes Programm angehen. „Es ist ein schwieriges Gebäude“, wirft Ralf Brehmer ein. Immerhin stehe es unter Denkmalschutz, müsste eigentlich trockengelegt werden, hat Setzungsprobleme und verfügt über keinen barrierefreien Zugang – „so wie es sich eigentlich für öffentliche Gebäude gehört“, sagt der Bürgermeister. „Das Gemeindeamt ist auch ein Aushängeschild der Gemeinde“, sagt wiederum Roland Wittig (CDU), „und wir schieben die dringenden Investitionen schon so lange vor uns her.“

Ralf Brehmer wirft in Anbetracht der großen Probleme an der Gebäudestruktur des Amtes ein, „dass man überlegen sollte, ob das Haus überhaupt zukunftsfähig ist“. Tilmann Havenstein (CDU) schlägt in diesem Zusammenhang vor, in Sachen „Zukunft Gemeindeamt“ eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben zu rufen, die sich intensiv mit der Problematik auseinandersetzt. „Denn an den Toiletten im Erdgeschoss müssen wir so oder so etwas machen“, wie Ralf Brehmer zuvor erklärt. Er berichtet auch von der Idee, das Gemeindeamt ins Bahnhofsgebäude zu verlegen, was die Gemeinde bereits 2011 für 9000 Euro erworben hatte. „Allerdings sind dort die Räumlichkeiten viel zu klein, sodass wir die Idee gleich wieder verworfen haben“, so Brehmer.

Dem Folgeantrag stimmt der Rat bei einer Enthaltung von Christoph Eckert (Freie Wähler) zu. Die Kinosanierung sowie der Bahnhof sind damit in den Doppelhaushalt der Gemeinde eingestellt worden. Bis 2021 laufen die Maßnahmen.